Somalia
Präsidentenwahl bringt Überraschungssieger

Der bisherige Präsident und Favorit bei den Wahlen in Somalia hat verloren: Neuer Präsident des Landes ist Hassan Sheikh Mohamoud. Überraschenderweise gewann der Akademiker und politische Aktivist im zweiten Durchgang.
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MogadischuDas Parlament in Somalia hat den Akademiker Hassan Sheikh Mohamoud zum neuen Präsidenten des Landes gewählt. Der 56-Jährige erhielt in der zweiten Runde der Abstimmung am Montagabend 190 Stimmen, der scheidende Staatschef Sharif Sheikh Ahmed kam auf 79 Stimmen, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Bei der ersten Wahlrunde hatte der Sieger noch auf dem zweiten Platz gelegen: Insgesamt 60 Parlamentarier hatten für ihn gestimmt, 64 Abgeordnete gaben hingegen dem scheidenden Präsidenten ihre Stimme. Er galt zuvor als Favorit. Zu der Wahl waren insgesamt 25 Kandidaten angetreten. Zahlreiche internationale Wahlbeobachter waren bei der Abstimmung anwesend, die unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in einer Polizeiakademie in der Hauptstadt Mogadischu stattfand.

Nach Jahren von politischem Chaos hatte der ehemalige Universitäts-Dekan Hassan Sheikh versprochen, Recht und Ordnung durchzusetzen und gegen eine Radikalisierung des Landes am Horn von Afrika vorzugehen. Größter Gegner der Regierung bleibt nach wie vor die radikal-islamische Al-Schabaab-Miliz, die noch immer große Teile im Zentrum und Süden des Landes beherrscht.

Sharif Sheikh Ahmed, der 2009 vom Übergangsparlament zum Präsidenten des Landes gewählt worden war, gestand noch am Abend seine Niederlage ein. "Ich gratuliere meinem Bruder Hassan Mohamoud zu seinem fairen Sieg", sagte er nach der Verkündung der Ergebnisse. Er sei bereit, mit ihm zusammen zu arbeiten, "so wie ich bei meinem Sieg gewollt hätte, dass andere mit mir zusammenarbeiten". Der Wahlsieger dankte allen, die sich an den "historischen" Wahlen beteiligt hätten. Er hoffe, dass Somalia nun in eine bessere Zukunft blicke.

Der Sieg Hassan Sheikh Mohamouds gilt als unerwartet. Der Akademiker und politische Aktivist entstammt demselben Clan wie sein Vorgänger. Er arbeitete in der Vergangenheit für mehrere nationale und internationale Friedens- und Entwicklungsorganisationen.

Die Wahl ist der vorläufige Höhepunkt eines unter der Schirmherrschaft der UNO stehenden Prozesses, der dem Land zu Stabilität und einem funktionierenden politischen System verhelfen soll. Nach dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 herrschten Chaos, Bürgerkrieg und Hungerkrisen. Somalia galt als ein Prototyp eines gescheiterten Staates.

Der Friedensprozess, der endlich politische Stabilität nach Somalia bringen soll, wird von den Vereinten Nationen unterstützt. Jedoch war bereits bei der Auswahl der Parlamentarier von Korruption, Einschüchterungen und Morddrohungen die Rede. Viele Beobachter glauben, dass sich in dem Krisenland auf absehbare Zeit nicht viel verändern wird.

Größter Gegner der Regierung ist nach wie vor die radikal-islamische Al-Schabaab-Miliz. Sie beherrscht noch immer große Teile im Zentrum und Süden des Landes. Obwohl sie bereits vor rund einem Jahr von Soldaten der Übergangsregierung und Truppen der Afrikanischen Union (AMISOM) aus Mogadischu vertrieben worden war, verübt sie weiterhin Anschläge in der Hauptstadt. Die Gruppe setzt sich für die Bildung eines streng islamischen Gottesstaates auf Grundlage der Scharia ein.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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