Somalia
Rätsel über Tod von französischer Geisel

Somalische Islamisten halten angeblich weiterhin einen französischen Geheimdienstagenten gefangen. Paris hatte bereits den Tod des Gefangenen im Zuge eines Befreiungsversuchs gemeldet. Nun soll die Geisel doch sterben.
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Kapstadt/MogadischuDer französische Präsident François Hollande hat den Tod der dreieinhalb Jahre in Somalia festgehaltenen französischen Geisel Denis Allex bestätigt. Bei seinen Neujahrswünschen an die Presse sprach Hollande am Mittwoch von der "Ermordung" des Agenten, der in den Händen der islamistischen Al-Shabab-Miliz war. Dennoch stehe er voll zu der gescheiterten Befreiungsaktion am Freitag. Die französische Regierung ging bereits am Wochenende davon aus, dass Allex im Zuge des missglückten Befreiungsversuchs getötet wurde.

Al-Shabab behauptete dagegen, dass die Geisel noch am Leben sei. Mit der Befreiungsaktion habe Frankreich das "Todesurteil" für den Agenten unterzeichnet, teilten die Islamisten am Mittwoch mit. Der französische Generalstabschef Edouard Guillaud sprach im Radiosender Europe1 von einer "Medienmanipulation". Bei dem Einsatz in Somalia starben auch zwei französische Soldaten. Am Montag verbreitete Al-Shabab Leichenfotos von einem der beiden Männer im Internet mit dem Kommentar "François Hollande, war es das wert?"

Die Regierung in Paris hatte zuvor gemeldet, der französische Geheimdienstagent sei bereits bei dem Befreiungsversuch der französischen Streitkräfte am vergangenen Freitag in der Stadt Bulo Marer im Süden des Landes ums Leben gekommen. Bei der gescheiterten Militäraktion waren auch zwei französische Soldaten und zahlreiche Rebellen getötet worden.

Die somalischen Extremisten begründeten die angekündigte Ermordung ihrer Geisel mit dieser Aktion der Franzosen sowie „Frankreichs wachsender Verfolgung der Muslime in aller Welt, der anti-islamischen Politik zu Hause (...) und den Militäroperationen in Afghanistan und Mali“. Frankreichs „schon lange währende Politik der Fahrlässigkeit“ sei für den Tod von Allex wie auch anderer französischer Geiseln verantwortlich. Der Geheimdienstagent wird seit 2009 gefangen gehalten.

Al-Shabaab hatte nach der gescheiterten Geiselbefreiung Fotos eines der getöteten französischen Soldaten veröffentlicht. Paris reagierte mit Entsetzen, Premierminister Jean-Marc Ayrault sprach von einer „besonders verabscheuungswürdigen Inszenierung“. Fotos von Allex wurden nicht veröffentlicht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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