Sondergipfel am Freitag
Eurozone stemmt sich gegen die Infektion - mit Worten

Die Gefahr einer Ansteckung Italiens durch den griechischen Virus ist nicht gebannt. Die europäischen Finanzminister tagen, mahnen, beschwören. Doch die Märkte gehen eigene Wege - und Freitag steht der nächste Gipfel an.
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BrüsselDie Eurozone stemmt sich gegen ein Übergreifen der Schuldenkrise auf Italien - und verlässt sich dabei weitgehend auf die Macht des Worte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte im Deutschlandfunk, man müsse nun vor allen Dingen darauf achten, dass man in einer so nervösen Lage die Ansteckungsgefahren nicht verstärke. Die frühere französische Finanzministerin und neue neue Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, assistierte Schäuble „Italien hat ganz klar im Moment mit Problemen zu tun, die im Wesentlichen von den Märkten befeuert wurden“, sagte sie in Washington.

Öl ins Feuer goß der niederländische Finanzministers Jan Kees de Jager, nach dessen Angaben die Eurozone einen teilweisen Zahlungsausfall Griechenlands nicht mehr ausschließt. Die Eurozone habe einer Arbeitsgruppe ein breiteres Mandat für alle möglichen Optionen erteilt, wollte er beruhigen. Doch auf die Nachfrage, ob dies auch einen teilweisen Zahlungsausfall griechischer Schuldentitel bedeuten könnte, antwortete er: „Es wird nicht mehr ausgeschlossen.“

Und auch Schäuble räumt ein, dass die Eurozone in einer schwierigen Situation sei, da die zu hohen Schulden einiger Mitgliedsländer das Vertrauen gefährdeten: „Deswegen müssen wir gemeinsam handeln.“ In wichtigen Fragen, etwas unter welchen Bedingungen Griechenland ein zweites Hilfspaket gewährt werden soll, herrscht jedoch nach wie vor Uneinigkeit.

Inzwischen ist die Lage wieder so ernst, dass die Staats- und Regierungschefs das Thema wieder an sich ziehen. Einem EU-Diplomaten zufolge wollen sie am Freitag bei einem Sondergipfel über die Schuldenkrise beraten. Dies verlautete am Dienstag in Brüssel am Rande des EU-Finanzministerrates. In deutschen Regierungskreisen hieß es allerdings, es gebe für einen solchen Gipfel noch keine konkreten Pläne.

Die Finanzminister der Eurozone hatten in der Nacht getagt, heute kommen die Vertreter aller 27 EU-Staaten in Brüssel erneut zusammen, um eine gemeinsame Strategie zur Absicherung der europäischen Bankenbranche zu beraten. Doch die Erwartungen der Märkte an durchschlagende Entscheidungen sind gering.

Die Märkte blieben am Dienstagvormittag in schwarzer Stimmung: Der Dax setzte seine Talfahrt fort und verlor in den ersten zwei Handelsstunden rund zweieinhalb Prozent. Der EuroStoxx 50 der wichtigsten europäischen Werte war drei Prozent im Minus. Der Euro sank unter die Marke von 1,40 US-Dollar. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung im Tief 1,3930 Dollar - so wenig wie seit Mitte März nicht mehr.

Neben italienischen werden nun auch spanische Staatsanleihen auf dem Niveau von Junkbonds gehandelt.

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  • Wir sollten auf keinen Fall irgend eine Form des Mitleides ihm gegenüber haben, neulich - am 5. 7. 2011 in Karlsruhe - beichnete ihn jemand, der wohl als einer der kompetentesten überhaupt in Euro-Fragen anzusehen ist, als "Teufel": 100% Zustimmung!

  • Komisch, heute keine "EURO-Fetischisten" unterwegs? Abmontiert...

  • Eigentlich eine Frage an das Parlament, das die oberste Finanzaufsicht darstellt. Muß sich ein Staat verschulden? Brauchen wir private Großbanken oder genügt (vor allem im Internet-Zeitalter) vielleicht nur eine Bundesschuldenagentur, bei der die Leute für 5% gern und flexibel und ggf. in gewissen Umfang auch ertragssteuerfrei ihre Ersparnisse parken würden und so einen Teil ihrer Steuern zurück erhalten könnten, man könnte dann auch den ganzen Riester-Quatsch vergessen usw. usw. - der umfassende Betrug von Politik-Establishment und Großbanken ist offensichtlich: Es handelt sich um organisierte Kriminialität im internationalen Maßstab auf gesetzlicher Grundlage! Mit den Euro sollte das in noch größere Dimensionen getrieben werden und die von der Merkel präferierte "Neue Weltordnung" wäre dann die "finale Ausbaustufe". Lesen Sie mal konkret nach, was der "Jung-Adolf" Steinbrück dazu meint, der zur Zeit mit "den besten persönlichen Empfehlungen" durchs Land und den Mediensumpf zieht und die durchschnittsdeutschen Hohlköpfe zu blenden versucht: allwissend, allkompetent und zu allem entschlossen, wie damals sein "großes" Vorbild mit den Plänen für ein "1000jähriges Reich" in der Hosentasche! Die "Vorsehung" meint es nun gerade nicht so gut mit ihm, dem hochgelobten parteiübergreifenden EURO-Ideologen! : )

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