Sondergipfel
Schulterschluss der Schwellenländer

Russland sucht Unterstützung bei den übrigen Bric-Staaten: Zum ersten Mal treffen sich Russland, China, Indien und Brasilien zu einem Sondergipfel. Russlands Präsident Dmitrij Medwejew schlägt sogar eine supranationale Leitwährung vor. Doch die Bric-Länder sind weit von einem Bündnis entfernt - die Interessen sind zu unterschiedlich.

DÜSSELDORF. Die sogenannten Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China erbringen einen erheblichen Teil der globalen Wirtschaftskraft, von ihnen soll der Aufschwung ausgehen - und sie sollen bei der Neuordnung der Finanzordnung ein Wort mitreden. Das ist das Ziel der russischen Regierung, die ab heute in Jekaterinburg den ersten politischen Gipfel der Schwergewichte abhält. Mit dieser Lagerbildung will Moskau den USA und dem Dollar Paroli bieten. Die Begeisterung der Partner ist gering: China, Indien und Brasilien wollen die Kooperation auf eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit beschränken.

Um Ernst genommen zu werden brauche Russland Partner - und da seien die aufsteigenden Bric-Mächte die besten Kandidaten, sagt Hans-Henning Schröder von der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP). Den Führungsanspruch unterstrich Russland gestern beim Gipfel der Schanghai-Gruppe, zu der neben China und einigen zentralasiatischen Staaten auch Iran gehört. Wirtschaftspolitisch spielen die Bric-Staaten eine weit größere Rolle. Schon schlägt Russlands Präsident Dmitrij Medwejew regionale Reservewährungen und eine supranationale Leitwährung vor. Zwar nimmt das nicht einmal sein Finanzminister Alexej Kudrin ernst, doch wollen die vier Staatschefs ihre Positionen für den G8-Gipfel im nächsten Monat und den G20-Gipfel im September abstimmen. Brasilien, China und Russland hatten angekündigt, IWF-Anleihen für 70 Mrd. Dollar zu kaufen. Indien könnte folgen.

Angesichts der globalen Machtverschiebungen wäre es ein Fehler, die Bric-Staaten und die Schanghai-Gruppe zu unterschätzen, warnt Alexander Rahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik: "Eines Tages wird der Westen aufwachen und feststellen, dass er eine historische Weichenstellung verschlafen hat." Dennoch sind die Bric-Länder weit von einen Bündnis entfernt, viel zu unterschiedlich sind Ausgangslage und Interessen. Das Leitmotiv für ihre Zusammenarbeit finde sich weniger in der Frontstellung gegenüber den USA als in ihrem Interesse an China, sagt Vanessa Rossi von der Londoner Denkfabrik Chatham House. Tatsächlich sind die Beziehungen zwischen Russland, Brasilien und Indien gering - alle drei Länder bestreiten aber einen großen Teil ihres Außenhandels mit China. Peking und Moskau experimentieren damit, den Energiehandel in Rubel abzuwickeln. Auch Brasilien und China wollen den Handel auf nationale Währungen umstellen.

Für China stünden die Reformierung des Weltfinanzsektors sowie Fragen der Lebensmittelsicherheit im Vordergrund, sagte Vize-Außenminister He Yafei . "Es ist ein klares Signal, dass die führenden Schwellenländer zu dem Zeitpunkt ihre Positionen koordinieren als die Welt daran geht, ihr globales Handels- und Kontrollsystem zu überdenken", sagt Zhou Dunren von der Fudan Universität in Schanghai. Mit Äußerungen zur Vormacht der USA hält sich Chinas Führung zurück. Zwar hat auch Peking mehr Mitsprache und seine Sorge über einen Dollarabsturz geäußert, doch seit dem Besuch von US-Finanzminister Timothy Geithner scheinen die G2 (USA und China) ihre Positionen abzustimmen. "Es ist überhaupt nicht im Interesse Chinas, US-Dollars zu verkaufen", betont Zhou.

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