Sonderwünsche aus London Die britische Diva

Selbstverliebt oder selbstvergessen? Großbritannien hat sich entschieden, dem Kontinent den Rücken zuzukehren - so ähnlich wie im 19. Jahrhundert. Schon damals hat den Briten ihre „splendid isolation“ nicht nur geholfen.
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City of London: Ein Doppeldeckerbus passiert das Gebäude der Versicherungsgesellschaft Swiss Re. Quelle: Reuters

City of London: Ein Doppeldeckerbus passiert das Gebäude der Versicherungsgesellschaft Swiss Re.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfEgal ob beim Euro oder der Transaktionssteuer - die Briten stellen sich quer. Warum aber tun sich die Menschen von der Insel so schwer mit Europa? Und wie sehen sie die EU? „Die Sicht der Briten wird oft fehlinterpretiert“, sagt Roland Sturm, Professor für Politische Wissenschaft an der Uni Erlangen. Denn die deutsche Pro-Europa-Haltung sei den Briten fern. „An erster Stelle steht in Großbritannien immer das nationale Interesse.“ Und in Bezug auf die EU sei das Interesse rein ökonomisch, sagt Sturm.

Laut Sturm ist diese Haltung nicht neu: „Die EU-Politik der Briten war immer eine gerade Linie.“ Schon 1997 forderte Tony Blair im Wahlkampf „British interests first, second and last!" Das sehen viele Briten immer noch genauso. Sturm: „Deshalb reagiert Premierminister David Cameron mit seinem Nein zur EU-Vertragsreform auch vorhersehbar." Ebenso wie der aktuelle Premier hätten auch Blair oder dessen Vorgänger reagiert – im nationalen Interesse. Und deshalb sei es auch nicht verwunderlich, dass die Briten an einigen Stellen „Deals“ für sich ausgehandelt haben. Sonderabkommen, die aus Sicht der Briten „absolut gerechtfertigt“ seien. 

Beispiel Euro
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24 Kommentare zu "Sonderwünsche aus London: Die britische Diva"

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  • wenn ich von schadenfreude zur eurokrise lese oder dieser klaren rein wirtschaftlichen sicht der insulaner, dann denk ich, es wird zeit die scheidung einzureichen. keine liebe, keine gemeinsamen werte, stattdessen latenter chauvinismus.

    ade great britain!

    (in wenigen jahren allerdings little brittain, weil schottland (vllt. mit nordirland) wohl mit dem öl abhaut)
    wen es interessiert: stichwort "scottish independence" bei youtube oder googel führt zu tausenden blogs, videos, die das ende von GB fordern.

  • Das HB informiert wie üblich nicht richtig über die geplante Transaktionssteuer, dh die MWSt auf jegliche Bank-dienstleistungen. Damit wird natürlich nicht das Banken-system belastet. Oder bezahlt der Bäcker des Redakteurs die MWSt auf seine Brötchen? Das ist nur eine neue, schicke Cash Cow für die unersättliche Politik, die eine rosa Schleife umgehängt bekommt, und siehe, das Volk ist begeistert! Natürlich werden mit Einführung der Transakti-onssteuer die meisten (Groß-)Kunden ihre Bankdienst-leistungen an andere Orte der Welt verlagern; nur der kleine Privatkunde kann das nicht. Jetzt haben die Briten m.E. deshalb einer EU-Vertragsänderung nicht zugestimmt, ohne jedoch die europaweite Einführung der Trans-aktionssteuer für ihre in UK ansässigen Banken vermeiden zu können. Und ich hatte so auf die Briten gehofft, daß diese Steuer, die alle Finanzzentren in Europa entvölkern wird (die Schweden haben diese Erfahrung schon hinter sich!), nicht regional eingeführt werden wird!

  • UK kann ohne Europa und Europa auch ohne UK. Bei allen wichtigen Entscheidungen war England in letzter Zeit nicht mit dabei. Dafür immer an der Seite der USA. Die Briten sind doch nur in der EU, um mittels Veto dessen Macht einzugränzen und die eigene zu stärken. Das Vetorecht, ein Geschenk an die Siegermacht aus längst vergangener Zeit.

    Dazu gab es nichtmal eine andere Option für die Briten, Für den Euro, bei dem man nichtmal selbst dabei seine Eigenständigkeit und Einschnitte akzeptieren verlieren, da wären die Vertreter zuhause geschlachtet worden. Oder sich selbst vom Spielfeld nehmen und so Einfluss verlieren, da werden die jetzt auch geschlachtet.

  • Als Deutsche lebe ich schon seit Jahren in England und ich kann Ihnen ganz genau sagen, warum sich die Briten so schwer an Europa tun:
    Sie sehen die taegliche Abzockerei in Bruessel,die genau so schlimm oder noch viel schlimmer ist, als die Abzockerei der Banken. Warum werden ungewaehlte NIchtskoenner von ALLEN Nationen nach Bruessel und Strassburg geschickt, wo sie nicht nur beste Gehaelter fuers Draumendrehen bekommen, sonden auch bestens fuers Alter versorgt werden. Gehaelter und Pensionen, von denen der normale Buerger nur traeumen kann.
    Diese Leute erfinden idiotische Regeln wie ungekruemmte Gurken und Bananen und kuerzlich gaben sie bekannt, dass Wassertrinken nicht hydratisiert!
    Manche der Menschenrechtsgesetze sind ebenfalls nicht akzeptabel fuer Grossbritannien,es hat seit Jahrhunderten nicht nur eine funktionierende Demokratie sondern auch 'habeas corpus' mit denen es immer gut gefahren ist. Ausserdem gibt es seit Jahren multi-culture und die Anhaenger dieser Bewegung sorgen schon ganz alleine dafuer, dass keine Minderheit zu kurz kommt.
    Wenn Sie so sicher sind, dass die EU dem Wohle der europaeischen Bevoelkerung dient, warum duerfen die Buerger das nicht in einer Volksabstimmung bestaetigen oder ablehnen. Und wenn sie es darf, und es ablehnt, (siehe Irland, Niederlande) wird einfach noch eine zweite Abstimmung gehalten, bis die EU bekommt was sie will; denn die Buerger sind ja wohl zu dumm und unerfahren um die Sache richtig zu ueberschauen.
    Bitte, kann mir jemand mal den Unterschied zwischen der EU und der frueheren DDR/Sowjetunion erklaeren?
    Die EU is zu einem fast unbezaehmbaren Moloch ausgeartet.
    Ich glaube nicht, dass Bundeskanzler Adenauer und Wirtschaftsminister Erhardt dem Unsinn des Euros und dann den rechtswidrigen bail-outs je zugestimmt haetten. Die EWG genuegte vollkommen, Kriege in Europa zu verhindern.

  • @ Lt. Prof. XY "die deutsche Pro-Europa-Haltung sei den Briten fern. „An erster Stelle steht in Großbritannien immer das nationale Interesse.“

    Ja, und welcher Narr glaubt, dass dies bei unseren anderen europäischen Nachbarn anders ist? Diesen Spruch, s. oben @, kann man nur den besonders häufig in Deutschland anzutreffenden einfältigen Gutmenschen andrehen.

  • --@ RichardBaron1

    Ich möchte hier ungeren aufzeigen, wie beleidigend das englische Schulsystem für Deutsche ist. Es bringt auch wenig, hier ins Detail einzusteigen.

    Egal, wie man es dreht, die EU kann nur funktionieren, wenn man es mit Partnern zu tun hat, die kooperativ sind. Das aber überfordert einen Engländer.

    Allerdings sind wir Deutsche in offiziellen Funktionen nicht befugt gewisse Wahrheiten über die westlichen Allierten auszusprechen. Schließlich leben die Briten mit Deutschland immer noch im Kriegszustand. Und als Kriegsverlierer müssen wir eben den Mund halten.

    Aber die Franzosen dürfen das aussprechen, was fast alle Deutsche ähnlich sehen und was auch der gängigen Wahrheit entspricht.

    De facto will keiner die Engländer in der EU halten. Dass Deutschland aufgrund allierter Zwänge das nicht aussprechen darf ist bekannt. Darum auch die offizielle aussage von Herrn Schäuble, dass die Tür für England weiterhin offen ist.

    Trotzdemwird €-Land seinen Weg finden und aus der Krise gestärkt hervor gehen. GB hat schon heute nur noch eine ruinierte Wirtschaft und spätestens, wenn EU-Land seine Finanzen selbst regelt, ist auch dei CITY aus Eis gelegt.

  • Just ignore it (I mean “Pro-D” ). That’s the internet...

  • @ Pro-D

    Gott sei dank, dass wir nicht weiter mit Europe integrieren wollen! Alles was Liw geschrieben hat, ist hundertprozentig richtig. Wir haben schon gar zu viel souveraenitaet an Europe uebergeben, und wofuer? Dieses Artikel ist beleidigend. Die Briten haben ein Recht darauf, ihre eigene Vorschlaege fuer die Politik und Zukunft Europas zu stellen, und ein Recht nicht einstimmen zu muessen, mit allen Vorschlaegen die aus Deutschland und Frankreich kommen. Es braucht nicht zu bedeuten, dass wir Divas sind.

  • Der Euro ist so wichtig, dass er Europa insgesamt betrifft. Das ist ja das Problem. Wenn die EU zu schwache Grenzwerte für PKW-Abgase beschließt, werden die Schweizer genauso vergiftet (sie übernehmen die Grenzwerte, ohne an ihrer Entstehung beteiligt zu sein). Und wenn der Euro kollabiert, leiden die Briten ebenfalls ohne eine Möglichkeit darüber zu entscheiden. Es ist kein Zugewinn an Souveränität, wenn man bei der Lösung von Problemen, die einen betreffen, nicht mehr mitreden kann.

    Der Euro ist das Problem aller Europäer. Die Frage ist nur noch, ob man seine weitere Entwicklung mitbestimmen will oder nicht.

    Aber es gibt Hoffnung: „...there is nothing wrong with Europe today that couldn't be cured by more democracy“ ;)

  • ---@ Liw

    tja ist schon bitter. Nicht mal deutsch können die Briten. Kein Wunder, dass die europäischen Belange ihnen fremd sind und auch immer bleiben werden.

    Schon aus Gründen der Höflichkeit, spricht man die spache seines Gastgebers. Und das hier ist eine deutsche Plattform.

    Noch besser als dieser post kann man es nicht aufzeigen, warum Engländer nicht integrationsfähig sind.

    deutsches

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