Sorge um Euro-Zone Oettinger warnt vor Staatspleite Italiens

Die Europäische Währungsunion würde einen Zahlungsausfall Italiens nicht verkraften, warnt EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Den Rettungsfonds will er aber trotzdem nicht aufstocken. Sehr zum Ärger der Spekulanten.
Update: 14.08.2011 - 17:36 Uhr 29 Kommentare
Warnt vor einem Zahlungsausfall Italiens: EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Quelle: dpa

Warnt vor einem Zahlungsausfall Italiens: EU-Energiekommissar Günther Oettinger.

(Foto: dpa)

Eine italienische Staatspleite werde die Eurozone „wahrscheinlich“ sprengen, weil Italien dann als Geberland des Europäischen Rettungsfonds EFSF ausfalle, sagte Oettinger. Der Kommissar sprach sich strikt dagegen aus, das Volumen des EFSF über die geplanten 440 Milliarden Euro hinaus weiter zu erhöhen. „Der Fonds reicht für Portugal, Griechenland und Irland problemlos aus und hat darüber hinaus noch reichlich Kapazitäten“, sagte Oettinger.

Allerdings könne man prüfen, ob der EFSF sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) die nötigen finanziellen Mittel für seine Interventionen an den Finanzmärkten besorgen könne. Geplant ist, das der EFSF ab Oktober Anleihen von finanziell angeschlagenen Euro-Staaten kauft, um die Kurse zu stützen. Eventuell könne sich der EFSF dafür wie eine Geschäftsbank bei der EZB refinanzieren, meinte Oettinger. „Der Vorschlag ist nicht abwegig. Ich habe zwar noch nicht alle Expertenmeinungen dazu gehört. Man sollte aber darüber nachdenken.“

Oettinger ermahnte die Bundesregierung, ihr weiteres Vorgehen bei der Energiewende besser als bisher mit den Partnern in der EU abzustimmen. „Die Abschaltung der ersten acht deutschen Atommeiler war für den Rest der EU gerade noch verkraftbar. Doch die restlichen neun Atomkraftwerke kann Deutschland nicht mehr einfach im Alleingang vom Netz nehmen. Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass der Atomstrom durch andere Energien ersetzt wird und sie muss den Partnern in der EU erklären, wie sie das tun wird“, sagte Oettinger.

Der Fokus der Spekulanten richtet sich auf ein für Dienstag angesetztes deutsch-französisches Gipfeltreffen. Börsianer hoffen unter anderem auf eine Aufstockung des Rettungsfonds. Nur so könne die Eurozone im Ernstfall Schwergewichten wie Italien unter die Arme greifen. Allerdings hielten sich die Erwartungen an konkrete Ergebnisse in Grenzen.

„Die Hoffnung ist durchaus, dass man einer europäischen Wirtschaftsunion näher kommt“, sagte Kapitalmarktanalyst Jörg Rahn vom Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co. „Und die Hoffnung ist auch, dass sich Frau Merkel allmählich von der Notwendigkeit einer solchen Entwicklung überzeugen lässt.“

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29 Kommentare zu "Sorge um Euro-Zone: Oettinger warnt vor Staatspleite Italiens"

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  • man könnte doch einfach eine neue "BAD BANK" schaffen und die dort eingelagerten Schulden als "Sonderminusvermögen" bezeichnen.

    Bei Wortschöpfungen sind die Politiker doch sehr kreativ.

  • In der Schule wuerde man solch einen "Aufsatz" mit "Thema verfehlt - 6" bewerten. Oettinger warnt nicht vor der Pleite Italiens, Oettinger denkt darueber nach wie man nachhaltig und nicht adhoc Europa finanziell aufstellen kann.

  • Mensch nu ist doch jut! Der Rettungsschirm wird einfach auf 10 Zillionen Euro aufgestockt. Dann ist die "Krise" endlich vorbei ;)

  • Am "englischen Wesen" ist die Welt genesen? Ohoh...

  • Wie radikal darfs denn sein?

  • "Italien spart und bittet Reiche zur Kasse
    Angesichts des Drucks der Finanzmärkte hat die italienische Regierung ein weiteres Sparpaket in Höhe von rund 45 Milliarden Euro verabschiedet. Erstmals werden auch höhere Einkommen stärker besteuert."

    dpa Meldung
    http://www.tageblatt.lu/wirtschaft/finanzen/story/24318395

    Auf Einkommen ab 90 TSD EUR soll eine Solidaritätssteuer von 5%, ab 150 TSD dann 10% erhoben werden.

    Außerdem ist neben weiteren Einsparmaßnahmen eine Kürzung der Politiker-Gehälter vorgesehen.

    Hätte Obama dies erreichen können, speziell was Reiche und Politiker betrifft, dann wäre wohl kein downgrading erfolgt.

    Sollten weitere Stützungsmaßnahmen für die "notleidenden Länder" nötig werden, so sollten diese Staaten mit ihren Goldbeständen bürgen und nicht andere in die Pflicht genommen werden.

    Wie ich heute im Presseclub hörte, hat Griechenland, obwohl offiziell pleite, weiter seine Goldbestände aufgebaut. Von unseren 100en MRD - Hilfsgeldern oder wie ??
    Ein Skandal, meine ich mal.

  • Ui-Jegerl...
    "Eventuell könne sich der EFSF dafür wie eine Geschäftsbank bei der EZB refinanzieren, meinte Oettinger. „Der Vorschlag ist nicht abwegig." So meint Oettinger.
    Abwegiger geht nicht: Wenn sich eine Bank bei der EZB refinanziert, muss sie dafür Sicherheiten hinterlegen, z.B. deutsche Hypothekenpfandbriefe. Was, bitte , herr O., soll der Schuldenaufkauf-Fonds hinterlegen ? Sich selbst ? Die unbezahlbaren Süd-Staatsschulden in Packpapier ?
    Also, Ö: Die EZB kann nicht, sie darf nicht, sie darf auch unter Draghi nicht dürfen wollen sollen, sonst zahlen wir ab 2012 in Krügerrand.

  • LOL Oettinger Aussagen und Prognosen sind genauso qualifiziert und zuverlässig wie sein Englisch...

  • Kann man diesen Flachpfeifen von Politikern nicht mal die Mafia schicken

  • Wer als EU-Kommissar nicht mal der englischen Sprache mächtig ist, braucht auch nicht bei Sachen mitreden von denen er sowieso keine Ahnung hat!

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