Sorge um Siegchancen
Hollande stellt Merkels Welt auf den Kopf

Die Chancen auf einen Wahlsieg von Sarkozys Herausforderer Hollande werden immer besser. Der deutschen Kanzlerin bereitet das Kopfzerbrechen. Denn während Sarkozy Merkel als Partner gilt, bedeutet Hollande ein Risiko.
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BerlinAngela Merkel gilt als wandlungsfähige Politikerin - und manchmal spielt sich bewusst mit diesem Image. Als die Moderatorin der Preisverleihung für das familienfreundlichste Unternehmen am Mittwoch ihren roten Blazer lobt, geht die Kanzlerin frotzelnd auf das Lob ein. „Das ist eine Signalfarbe um neue Wege zu gehen“, spöttelt sie.

Tatsächlich wirkt der rote Blazer wie ein Symbol für die derzeitige Debattenlage in der EU. Denn je näher die französischen Präsidentschaftswahlen am Sonntag und der erwartete Sieg des sozialistischen Herausforderers Francois Hollande rücken, desto stärker ändert sich die öffentliche Debatte. Von einem „Tag der Abrechnung mit Merkel“ schreibt die konservative Zeitung „Welt“ am Mittwoch.

In ganz Europa und auch in der deutschen Innenpolitik schwingt die Erwartung mit, dass sich im Schlepptau eines Hollande-Sieges die Koordinaten der politischen Diskussion in Europa und Deutschland ändern könnten - zumal die Sozialdemokraten auch auf Siege bei den beiden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen hoffen. Statt um straffe Haushaltsdisziplin soll künftig mehr über Konjunkturankurbelung und soziale Gerechtigkeit diskutiert werden. "Merkels Spardiktat ist auf ganzer Linie gescheitert", giftet SPD-Chef Gabriel.

Tatsächlich hat Merkel wenig Zweifel gelassen, dass sie bei der zweiten Runde des französischen Präsidentschaftswahl am Sonntag auf eine Wiederwahl des konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy hofft. Dessen Sprunghaftigkeit hatte zwar auch Merkel in den vergangenen Jahren immer wieder einmal geärgert. Aber zum einen gilt Sarkozy nach Jahren der gemeinsamen Krisenbewältigung im Kanzleramt nun als verlässlich, zum anderen sind seine Eskapaden auch an den Finanzmärkten "eingepreist", wie es im ökonomisierten Polit-Sprech heißt. Die Forderungen Hollandes nach Steuererhöhungen in Frankreich, vor allem aber seine wiederholten Forderungen nach einer Änderung oder zumindest Ergänzung des europäischen Fiskalpaktes für eine straffere Haushaltsdisziplin sind dies aber nicht.

Deshalb richten sich die Sorgen im Kanzleramt nicht nur auf die Person Hollande, sondern die Folgewirkungen seines Wahlsieges. "Egal, wer nächster französischer Präsident sein wird - er muss eigentlich die großen wirtschaftlichen Strukturprobleme des Landes anpacken", heißt es in der Regierung. Je mehr Hollande verspreche, desto schwerer falle es ihm, den Franzosen danach die Notwendigkeit harter Reformen verständlich zu machen.

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Merkels Doppelstrategie

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  • Wer ist "Merkel"

  • @ nazileier,
    mir würde interessieren ob Sie glauben was Sie schreiben!
    Ich hoffe für Sie dass Sie es nicht wirklich glauben, das würde sonst bedeuten dass die Gehirnwäsche durch die deutsche Medien bei Ihnen erfolgreich war!
    Oder ist es angeboren uns folglich hoffnungslos, daher nur durch entgültige Auflösung zu beseitigen.

  • @ Rainer_J,
    eine falsche Frage kann man nicht beantworten, die richtige Fragen wären:
    1. Wie kann man diese Leistungsbilanzdefizite und -überschüsse, die zwangsläufig zwischen ungleicher Mitglliedern einer Währungsunion entstehen müssen, vermeiden und verhindern.
    2. Was hat man da bei den Verträge falsch gemacht und warum hat man es falsch gemacht?
    Last but not least: 3. À qui profite le crime?
    Und hier lautet die eindeutige Antwort: Deutschland und am Anfang auch Frankreich haben davon am meisten profitiert.
    Das sind die Antworten auf die richtig Fragen.

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