Sorge vor Referendum
Wie Ikarus Irland sich berappeln will

Kaum ein EU-Staat hat so stark vom letzten Boom profitiert wie Irland. Doch dafür ist der Aufprall des „keltisches Tigers“ in der Krise jetzt umso härter. Das Rezept des einstigen Wachstumsprimus gegen die Krise erinnert jedoch eher an eine ökonomische Rosskur als an ein Heilmittel.

DUBLIN. Nach neuesten Zahlen von Zentralbankchef John Hurley wird die Wirtschaft auf der grünen Insel in den nächsten 18 Monaten um elf Prozent schrumpfen. Erst im zweiten Halbjahr 2010 könnte es dem Finanzminister zu folge „Zeichen von Erholung“ geben. Vor 2011 rechnete Hurley also nicht mit neuem Wachstum .

„Irland war wie Ikarus“, sagt John Fitzgerald vom Economic and Social Research Institute in Dublin. „Wir sind durch die Spekulation im Immobiliensektor viel zu hoch gestiegen, bis die Überhitzung der Märkte die Blase dann mit einem gewaltigen Knall zum Platzen gebracht hat“.

Finanzminister Brian Lenihan schildert den Absturz zwar weniger blumig, räumt aber ein, dass der frühere Wachstumsprimus der EU in einer „sehr schwierigen Lage“ steckt. Sein Rezept gegen die Krise erinnert eher an eine ökonomische Rosskur als an ein Heilmittel. Vor allem die radikalen Sparmaßnahmen bringen die Regierung von Premier Brian Cowen in arge Probleme. Wie vor diesem Hintergrund das zweite Referendum zum Lissabon-Vertrag gelingen soll, ist vielen ein Rätsel.

So hat Finanzminister Lenihan die Gehälter im öffentlichen Dienst auf einen Schlag um sieben Prozent gekürzt. Die Quittung dafür kam prompt bei der letzten Kommunalwahl im Juni – sie endeten als Desaster für die Regierungsparteien.

Doch Demonstrationen oder gar Generalstreiks gegen die Lohnkürzungen blieben aus. „Die Leute haben den Ernst der Lage verstanden“, ist Lenihan überzeugt. Neben der Besoldung der Beamten befinden sich auch die Gehälter des privaten Sektors im freien Fall. Die aktuelle Arbeitslosigkeit von über 15 Prozent führe dazu, dass „die Löhne auf breiter Front sinken“, wie Lenihan sagt. Gleiches gilt für die Konsumentenpreise. Nach den letzten Schätzungen werden sie in diesem Jahr um gut fünf Prozent niedriger ausfallen.

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