Sorgen um Ersparnisse

Gespielte Gelassenheit vor Griechenlands Banken

Die Banken in Griechenland bemühen sich um Normalität – keine Panik, keine Furcht soll aufkommen. Doch die Ruhe von Mitarbeitern wie auch Kunden ist bei genauerem Hinsehen nur vordergründig.
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Schlange stehen vor dem Geldautomaten: Die Griechen heben ihr Geld ab. Quelle: ap
Griechenland

Schlange stehen vor dem Geldautomaten: Die Griechen heben ihr Geld ab.

(Foto: ap)

AthenMit betont einladender Geste winkt die Bankmitarbeiterin das dunkelblonde Mädchen an den Tresen heran. Seit mindestens einer Viertelstunde steht es mit seinen Eltern am Ende einer Warteschlange vor dem Schalter der Alphabank im Athener Flughafen. Nur sehr zögerlich geht es hier an diesem Freitagmorgen voran.

Die Angestellte reicht dem Kind eine bunte, flache Pappschachtel mit Fruchtgummi. Das Mädchen strahlt, die Mutter ebenfalls angesichts der unerwarteten Aufmerksamkeit der Frau im dunklen Strickblazer. So sieht Angst vor einem möglicherweise unmittelbar bevorstehenden Bankrun und Kollaps der griechischen Finanzinstitute sicherlich nicht aus.

Und dieser erste Eindruck scheint zunächst auch nicht zu täuschen: „Es gibt anders als man wohl gerüchteweise hört, absolut keine Probleme mit der Bargeldversorgung“, beteuert die Bankerin. Diese Auskunft werde ich an diesem für Athener Verhältnisse auffällig bewölkten Juni-Tag noch einige Male zu hören bekommen.

Auch in zahlreichen Bankfilialen in der Nähe des zentral gelegenen Syntagma-Platzes wird sich bis zum Geschäftsschluss gegen halb drei am Nachmittag stets ein ähnlich Bild bieten: Geschäftiges Treiben vor den Geldautomaten und Schaltern – von sichtbarer Furcht oder gar Panik bei den Menschen keine Spur. Nur vereinzelt lässt sich bei dem ein oder anderen Wartenden eine gewisse Anspannung erahnen.

Keine Beschränkungen - bisher

„Weder gibt es irgendwelche Beschränkungen bei Abhebungen und Überweisungen – noch sind solche geplant“, versichert die Angestellte auf mein Nachfragen energisch. Das können sie gerne genauso schreiben, schlägt sie vor.

Dass die Bankerin zumindest bis Anfang kommender Woche recht behalten dürfte, ist allerdings in erster Linie der Europäischen Zentralbank zu verdanken, die heute den wankenden griechischen Finanzinstituten erneut außerplanmäßig Liquidität zur Verfügung gestellt hat.

Die so genannten Ela-Nothilfen für die hellenischen Banken wurde abermals erhöht – diesmal jedoch nur für wenige Tage: bis zum Treffen der EU-Finanzminister und der Regierungschefs zu einem Sondergipfel in Sachen Griechenland-Krise am kommenden Montag.

„Wir müssen zu einem Dialog mit Erwachsenen kommen“
Yanis Varoufakis und Christine Lagarde
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„Meiner Meinung nach ist es das Dringendste, wieder zu einem Dialog mit Erwachsenen im Raum zu kommen.“

IWF-Direktorin Christine Lagarde am Donnerstag in Luxemburg über die Verhandlungen der internationalen Geldgeber mit der griechischen Regierung.

Alexis Tsipras
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„Es wird eine Lösung geben, die Griechenland eine Rückkehr zu Wachstum innerhalb des Euro ermöglicht.“

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras begrüßt den Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der Eurozone am Montag als positive Entwicklung.

Pierre Moscovici
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„Ich will kein modernes Waterloo, in dem wir einen Staat gegen alle anderen vorfinden.“

EU-Währungskommissar Pierre Moscovici beim Eurogruppentreffen in Luxemburg zur Griechenland-Krise. Am Donnerstag jährte sich die Schlacht von Waterloo zum 200. Mal.

Greek PM Tsipras steps out to greet Austrian Chancellor Faymann in Athens
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„Wir hoffen, dass die abschließende Verhandlungsrunde auf höchster politischer Ebene in Europa stattfinden, und wir arbeiten jetzt daran, dass dieser Gipfel ein Erfolg wird.“

Alexis Tsipras blickt auf den Sondergipfel am Montag.

George Osborne
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„Wir drängen die griechische Regierung, eine Einigung zu erzielen. Wir hoffen auf das Beste, aber wir müssen jetzt auf das Schlimmste vorbereitet sein.“

Großbritanniens Finanzminister George Osborne bereit sich auf alles vor.

Donald Tusk
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„Es ist Zeit, dringend über die Lage in Griechenland auf höchster politischer Ebene zu sprechen.“ (Donald Tusk)

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem und der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk nach dem Gipfel in Brüssel (von links).

Benoit Coeure
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„Morgen ja. Montag - ich weiß es nicht.“

EZB-Ratsmitglied Benoit Coeure auf die Frage, ob die griechischen Banken am Freitag öffnen könnten.

Ohne die abermalige Ausweitung der Ela-Hilfen, die sich Insidern zufolge auf 1,8 Milliarden belaufen soll, hätten die griechischen Banken Anfang kommender Woche womöglich nicht mehr öffnen können.

Hintergrund: Griechischen Bankenkreisen zufolge hoben die Kunden allein zwischen vergangenen Montag bis Mittwoch rund zwei Milliarden Euro ab. Am gestrigen Donnerstag sollen es laut Angaben der Zeitung „Kathimerini“ zusätzliche 1,2 Milliarden Euro gewesen sein.

„Natürlich sorgen sich die Menschen um ihre Ersparnisse“, sagt Taxifahrer Sakis auf dem rund 35 Kilometer langen Weg vom Elefterios-Venizelos-Flughafen in die Athener Innenstadt. „Doch wer nicht auf Roulette steht, der hat sein Geld schon längst in Sicherheit gebracht“.

Reizwort „Grexit“
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