"Sorgen uns um die richtige Behandlung der Gefangenen"
Rumsfeld überrascht Irak-Truppen mit Besuch

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist am Donnerstag angesichts wachsender Kritik wegen der Misshandlungsvorwürfe gegen US-Soldaten zu einem Überraschungsbesuch in Bagdad eingetroffen.

HB BAGDAD. Der Minister steht wegen der Vorwürfe gegen US-Soldaten im Irak massiv unter Druck. Die US-Opposition hat wiederholt seinen Rücktritt gefordert. Auf dem 15-stündigen Flug von Washington in die irakische Hauptstadt bekräftigte Rumsfeld, dass sein Ministerium in der Folter-Affäre nichts vertuscht habe. Er fliege auch nicht in den Irak, um Schadensbegrenzung zu betreiben. „Wir sorgen uns vielmehr um die richtige Behandlung der Gefangenen und wollen, dass sich die Soldaten richtig verhalten.“

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen landete Rumsfeld am Morgen auf dem Flughafen in Bagdad, wo er im Tagesverlauf mit hochrangigen US-Militärs Gespräche führen wollte. Begleitet wurde er vom US-Generalstabschef Richard Myers. „Dies ist eine schreckliche Tragödie“, sagte dieser mit Blick auf die zahlreichen Fotos von Gefangenen-Misshandlungen im Irak.

Die US-Regierung steht wegen der Foltervorwürfe massiv unter Druck. Die oppositionellen Demokraten werfen insbesondere Rumsfeld vor, Informationen über den Skandal verheimlicht zu haben, und fordern seinen Rücktritt. Präsident George W. Bush, der in der Gunst der Wähler zuletzt an Boden verlor, hat seinem Verteidigungsminister aber wiederholt den Rücken gestärkt.

Mitglieder des Kongresses hatten sich am Mittwoch nach Sichtung bislang vom Verteidigungssministerium unter Verschluss gehaltenen Folterbildern aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad schockiert über die zumeist sadistischen Szenen gezeigt.

Die Verhörmethoden der US-Armee waren Angaben von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zufolge von Rechtsanwälten seines Amtes geprüft und gebilligt worden. Deren Einschätzung sei gewesen, dass sie mit den Genfer Konventionen zum Schutz von Kriegsgefangenen übereinstimmten, sagte er am Mittwoch vor einem Senatsausschuss. Schlafentzug und der Zwang zu schmerzhaften Körperstellungen stellten eine Verletzung aller internationalen Vereinbarungen dar, hielten ihm dagegen Vertreter der demokratischen Opposition vor.

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