Sorgenlisten
Wirtschaftskrise treibt die Europäer um

„Die diesjährige Sorgenliste wird von der Finanz- und Wirtschaftskrise dominiert“, so hat das Marktforschungsinstitut GfK die Ergebnisse seiner jährlichen Studie über die Gemütslage der Europäer zusammengefasst. Gerade bei den Deutschen seien die Sorgen sprunghaft angestiegen.

HB NÜRNBERG. Die Wirtschaftskrise bestimmt nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die Sorgen der europäischen Bevölkerung. Trauriger Spitzenreiter im gesamteuropäischen Sorgenranking „Challenges of Europe“, das die GfK am Freitag vorstellte, sei erneut die Arbeitsmarktproblematik. Im letzten Jahr kurzfristig von Platz Eins verdrängt, nehme die Besorgnis der Bürger hier wieder deutlich zu.

Ein sehr starker Anstieg zeige sich bei der Beunruhigung über die wirtschaftliche Stabilität. Das Thema sei 2008 noch gar nicht in den europäischen Top 10 vertreten gewesen und besetze nun Platz Zwei. Bei der Sorge um die Preis- und Kaufkraftentwicklung hingegen entspanne sich die Lage. Auch in Deutschland belege die Arbeitsmarktproblematik Platz Eins der Sorgenliste.

Bei den Deutschen ist nach Einschätzung der GfK die Sorge um die wirtschaftliche Stabilität im vergangenen Jahr wegen der Krise sprunghaft gestiegen. „Die Wirtschaftskrise bestimmt die Sorgen“, sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst. Mit Abstand größtes Sorgenkind bleibe aber die Arbeitsmarktproblematik. Und zwar nach der Entspannung im Vorjahr wieder mit steigender Tendenz. Die Sorge um die ökonomische Stabilität sei insgesamt aber deutlich schneller als die Sorge vor Arbeitslosigkeit gestiegen. Der Abstand zwischen diesen beiden Themen habe sich von 46 Punkten im Vorjahr auf 21 Punkte mehr als halbiert.

Mit dem entschlossenen Handeln der Regierung beispielsweise durch die Ausdehnung der Kurzarbeit sei bisher Schlimmeres verhindert worden, sagte Wübbenhorst mit Blick auf die jüngste Studie „Challenges of Europe“. Dadurch sei die Sorge vor Arbeitslosigkeit etwas gedämpft worden. „Hauptaufgabe bleibt es, dafür zu sorgen, dass sich die Angst bei der wirtschaftlichen Stabilität nicht im gleichen Ausmaß bei der Sorge um Arbeitslosigkeit niederschlägt“, sagte Wübbenhorst. Schließlich mache erfahrungsgemäß ein wegfallender Arbeitsplatz drei Personen Angst. „Diesen negativen Multiplikator gilt es zu vermeiden.“ Denn für die Entwicklung des privaten Konsums wäre dies eine schlechte Vorgabe.

Vor diesem Hintergrund sollten die beschlossenen Konjunkturprogramme möglichst rasch umgesetzt werden. Die Programme sollten ausgeschöpft werden, und auch Kurzarbeit bleibe ein wichtiges Instrument, sagte Wübbenhorst. Darüber hinaus gelte es, mit Bürokratie-Abbau, einer Steuerreform und der Dämpfung der sogenannten kalten Progression Wirtschaft und Bürger zu entlasten. Auch ein Streichen oder zeitweises Aussetzen des Solidaritätszuschlags würde schnell und unmittelbar wirken. Dadurch könnte der für das laufende Jahr erwartete schärfste Einbruch der Wirtschaftsleistung seit Bestehen der Bundesrepublik zumindest etwas abgemildert werden. Wenn die Regierung weiter entschlossen handele, werde die Angst vor Arbeitslosigkeit nicht so stark steigen, wie dies angesichts der Krise zu befürchten wäre.

Die Umfrage zeige aber auch, dass gerade die Leistungsträger nicht über Gebühr belastet werden sollten. Denn genau in dieser Gruppe wachse die Sorge um die wirtschaftliche Stabilität besonders stark. Es gelte dafür zu sorgen, dass die Sorgen, die bereits hoch seien, nicht noch höher würden. Deutlich entspannt habe sich im Zuge des jüngsten Rückgangs bei den Benzin- und Energiepreisen bei den Deutschen unterdessen die Angst vor Kaufkraftverlusten. Diese Sorge fiel von Rang zwei auf Rang vier zurück. Auch die Themen Rente/Alterssicherung sowie Umweltschutz seien durch die Krise deutlich in den Hintergrund gedrängt worden.

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