Sozialisten rufen zu Gewaltverzicht auf
Gewaltsame Proteste gegen Sarkozy

In Frankreich ist es die zweite Nacht in Folge zu gewaltsamen Ausschreitungen aus Protest gegen den designierten Staatschef Nicolas Sarkozy gekommen. Die bei der Präsidentschaftswahl unterlegenen Sozialisten haben zum sofortigen Gewaltverzicht aufgerufen.

HB PARIS. Auf den Pariser Bastille-Platz hatten sich am Montagabend rund 500 linke Gegner Sarkozys zu einer Demonstration versammelt. Als Schaufensterscheiben und Telefonhäuschen zertrümmert sowie mehrere Fahrzeuge angezündet wurden, gingen die Sicherheitskräfte hart gegen die Randalierer vor. Bis weit nach Mitternacht lieferten sich kleinere Gruppen rund um den Bastille-Platz ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. Dabei wurden die Beamten nach eigenen Angaben mit Wurfgeschossen angegriffen. Verletzte habe es unter den Sicherheitskräften aber nicht gegeben, teilte die Polizei mit. Allein in Paris seien aber mehr als 100 Demonstranten festgenommen worden, hieß es am Dienstag.

Auch in den westfranzösischen Städten Nantes und Rennes kam es am Abend im Anschluss an Anti-Sarkozy-Demonstrationen zu Ausschreitungen. In Nantes, wo rund 400 Personen gegen den künftigen Präsidenten auf die Straße gegangen waren, wurden zehn Personen festgenommen. Weitere Festnahmen gab es auch in Lille im Norden Frankreichs und in Toulouse im Süden.

Der Parteichef der Sozialisten, François Hollande, forderte am Dienstag in Paris zum Gewaltverzicht auf. Das Wahlergebnis müsse akzeptiert werden, sagte er. Auch wenn Enttäuschung und Ärger groß seien, gebe es in der Demokratie nur ein einziges Mittel, um darauf zu reagieren, den des Stimmzettels.

Bereits am Wahlabend und in der Nacht zum Montag hatten meist linke Demonstranten bei Ausschreitungen in Frankreich 730 Autos in Brand gesteckt. Die Polizei nahm 592 Brandstifter und Randalierer fest, 78 Polizisten wurden verletzt. Landesweit gingen in der Wahlnacht nach Angaben des Innenministeriums etwa 10 000 Sarkozy-Gegner auf die Straßen. Zusammenstöße mit der Polizei gab es auch in Lyon, Toulouse, Rennes und Nantes.

Sarkozy gab zu den Vorfällen zunächst keine Stellungnahme ab. Am Tag nach seiner Wahl flog er nach Malta, um sich fern der Medien auszuruhen und seine Strategie für die Regierungsbildung zu überdenken. Die französischen Behörden bestätigten am Montagabend Sarkozys Ankunft auf der Mittelmeerinsel.

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