Sozialisten
Ségolène Royal: Allein unter Männern

Airbus-Krise, Europäische Zentralbank, Beziehungen zu den USA: Politisch trennt die Christdemokratin Angela Merkel vieles von Sozialistin Ségolène Royal, die französische Präsidentin werden will. Dennoch haben die beiden Frauen viel gemeinsam.

BERLIN. „Motiviert, motiviert, wir sind motiviert“ – immer wieder erschallt der Refrain im Rapper-Sprechgesang, Füße stampfen, Hände klatschen im Takt. Die Frau, der das ganze Spektakel gilt, ist noch gar nicht zu sehen. Verborgen in einem Wald baumlanger Kamerakerls mit ihren Mikrofonästen zieht sie in den prall gefüllten Saal eines Hotels in Berlin ein. Die in der Bundeshauptstadt lebenden Franzosen entdecken eine zarte Frau, schlicht gekleidet im schwarzen Hosenanzug mit weißer Bluse, adrett geföhnt mit Außenwelle im dunkelbraunen Haar. Ihr Markenzeichen hat sie auch mitgebracht: das strahlende Lächeln, zauberhaft natürlich.

Jubel brandet auf. „Sie geben Frankreich neue Hoffnung“, ruft eine Frau atemlos, hastet nach vorn und überreicht Ségolène Royal eine rote Rose. „Sie ist wirklich attraktiver als Angela Merkel“, schwärmt ein junger Mann. „Aber Frau Merkel hat auf diesem Gebiet auch Fortschritte gemacht“, fügt er großzügig hinzu.

Verglichen werden sie öfter, doch begegnet waren sie sich noch nie, die deutsche Regierungschefin und die erste französische Präsidentschaftskandidatin mit realistischen Aussichten auf einen Wahlsieg. Am Dienstag war es so weit: Die Bundeskanzlerin empfing die Kandidatin für eine Dreiviertelstunde in ihrem Berliner Amtssitz.

Für die außenpolitisch unerfahrene Französin war es ein wichtiger Termin: „Das ist nicht nur ein protokollarischer Besuch, sondern es geht um Inhalte“, betont einer ihrer Berater. Für Merkel war es wohl eher eine politische Pflichtübung: Den konservativen Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkozy hat sie schon im Februar empfangen, doch sie muss auch mit der Sozialistin Royal rechnen.

Es ist durchaus möglich, dass die Franzosen am 6. Mai zum ersten Mal in ihrer Geschichte einer Frau die Türe zum Elysée-Palast öffnen. In der Volksgunst liegt Royal – je nach Meinungsumfrage – gleichauf oder knapp hinter Sarkozy.

Angela Merkel wäre Sarkozy als nächster Bewohner im Elysée wahrscheinlich lieber. Mit dem Innenminister ist sie seit Jahren gut bekannt, und sie teilt mit ihm viele Überzeugungen – liberale Wirtschaftspolitik, eine enge Freundschaft zu den USA –, und beide gehören derselben politischen Familie an. Merkel ist auch schon als Gastrednerin bei einem Parteitag von Sarkozys Regierungspartei UMP aufgetreten.

„Unsere Angela Merkel heißt Nicolas Sarkozy“, sagt denn auch André Glucksman. Der französische Philosoph kann keine weibliche Solidarität zwischen den politischen Karrierefrauen dies- und jenseits des Rheins entdecken. Ebenso wie alle männlichen Politiker hätten auch „Merkel und Royal ein Recht darauf, unterschiedlich zu sein“.

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