Sozialkommissar Spidla warnt vor Überalterung
In der EU fehlen bald die Arbeitskräfte

Die Europäische Union steht nach Angaben des EU-Kommissars für Beschäftigung und Soziales, Vladimir Spidla, vor dramatischen demographischen Veränderungen.

HB BRÜSSEL. „Der EU fehlen bis 2050 bis zu 20 Millionen Beschäftigte“, sagte Spidla im Gespräch mit dem Handelsblatt. Innerhalb von zwei Generationen werde die Zahl der über 80-Jährigen in Europa um 180 Prozent, die der 65- bis 79-Jährigen um 44 Prozent wachsen. Dem stehe ein Rückgang der Gruppe der 25- bis 39-Jährigen um 62 Prozent gegenüber. „Wenn wir nicht dringend umsteuern, stehen unsere Arbeitsmärkte und Sozialsysteme vor sehr schwierigen Problemen“, sagte Spidla. Die Dienststellen des EU-Kommissars haben in den vergangenen Monaten ein Grünbuch über die demographischen Veränderungen in der EU geschrieben. Es soll heute in Brüssel vorgestellt werden.

Um die Alterung der EU-Bevölkerung auszugleichen, wäre nach Spidlas Worten eine statistische Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau nötig. Diese Marke werde aber von keinem EU-Mitgliedsland erreicht. Laut den jüngsten Angaben des europäischen Statistikamtes Eurostat kommen lediglich Irland (2), Frankreich (1,9) und die skandinavischen Länder (1,7) in die Nähe der notwendigen Reproduktionsrate. Deutschland, Spanien und Italien (jeweils 1,3) sowie zahlreiche neue EU-Mitgliedsländer liegen am unteren Ende der Skala. Die Vergleichszahlen machen laut Spidla deutlich, „dass unsere Bevölkerungsentwicklung aus dem Gleichgewicht geraten ist“. Als Gründe für die Überalterung nennt der EU-Kommissar neben der mangelnden Bereitschaft zum Nachwuchs auch die höhere Lebenserwartung.

Der Kommissar will die EU-Regierungen, Nicht-Regierungsorganisationen und Verbände drängen, anhand des Grünbuchs der Kommission in den kommenden Monaten über Maßnahmen zur Trendumkehr zu beraten. Bis September 2005 soll der Konsultationsprozess abgeschlossen sein.

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