Sozialmaßnahmen
Sarkozy entdeckt sein Herz für Arbeitslose

Die französische Regierung greift in ihre leeren Taschen, um den erwarteten Anstieg der Arbeitslosigkeit sozial abzufedern. Die Arbeitslosigkeit ist inzwischen wieder zur Hauptsorge der Franzosen geworden – und Präsident Nicolas Sarkozy möchte sich dieser annehmen.

PARIS. In Frankreich kündigen Unternehmen derzeit fast täglich Sozialpläne an. Um den zu erwartenden Anstieg der Arbeitslosigkeit zu bremsen, greift Staatspräsident Nicolas Sarkozy zu altbekannten Formen von Arbeitsmarktsubventionen. am Dienstag kündigte er an, dass im Budget für 2009 die Zahl der "Contrats aidés", das sind subventionierte Arbeitsverhältnisse, um 100 000 auf nunmehr 330 000 erhöht wird. Ferner soll ein subventionierter Übergangsvertrag für Entlassene breitere Anwendung finden. Dieser "Contrat de transition professionnelle" sichert Betroffenen von Sozialplänen zwölf Monate lang 80 Prozent ihres Gehalts; während dieser Zeit durchlaufen die Entlassenen Fortbildungsmaßnahmen, um schnell wieder eine Arbeit zu finden. Diese Übergangsverträge werden vom Arbeitgeber, dem Staat und den Sozialkassen finanziert.

Damit greift die französische Regierung in ihre leeren Taschen, um den erwarteten Anstieg der Arbeitslosigkeit sozial abzufedern. Allein die Aufstockung der "Contrats aidés" dürfte rund 200 Millionen Euro zusätzlich kosten. Ursprünglich wollte Sarkozy solche Subventionen überflüssig machen und setzte bisher vor allem auf Strukturreformen, wie etwa Lockerungen bei der 35-Stunden-Woche. "Wir ändern nicht unsere Strategie", beteuerte Sarkozy nun, "aber wir müssen in der Krise pragmatisch sein." Immerhin kündigte er auch an, dass Mittelständler eine Zeit lang ohne Begrenzungen Personal über befristete Verträge anstellen dürfen. Das erlaubt ihnen eine erhöhte Flexibilität.

Doch angesichts der Krise sind neue Strukturreformen wie eine Lockerung des Arbeitsrechts politisch heikel. Die Arbeitslosigkeit ist inzwischen wieder zur Hauptsorge der Franzosen geworden. Denn die schlechten Nachrichten häufen sich: Der Autokonzern Renault will in Frankreich 4 900 Stellen streichen. Angesichts der Absatzprobleme wollen Renault und Peugeot ihre Werke wochenlang schließen. Das Versandkaufhaus Camif hat Pleite gemacht, rund 800 Arbeitsplätze fallen weg.

Angesichts der miserablen Lage hat Sarkozy seine liberalen Ansichten schnell in die Mottenkiste gepackt, er gibt sich nun ganz als Vertreter des starken Staates, der den Marktkräften zutiefst misstraut. Mit dem Rückgriff auf subventionierte Arbeitsformen setzt Sarkozy vor allem die Tradition seiner Amtsvorgänger fort. "Die Zahl der Unternehmen, die in Schwierigkeiten kommen, wird zunehmen", sagte Sarkozy. Vor diesem Hintergrund sei der neue französische Staatsfonds bereit, Unternehmen mit Eigenkapitalhilfen unter die Arme zu greifen. Dies diene nicht dazu, nötige Restrukturierungen zu vermeiden, vielmehr solle der Fonds Unternehmen helfen, die kein Geld mehr von den Banken bekämen, aber dennoch überlebensfähig seien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%