Sozialproteste
Selbstverbrennung in Israel

Gut eine Woche nach der Selbstverbrennung eines Demonstranten hat sich erneut ein Isreali angezündet. Laut seiner Familie war er verschuldet. Mehrere weitere Versuche konnte die Polizei in letzter Minute verhindern.
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Tel AvivNur gut eine Woche nach einer aufsehenerregenden Selbstverbrennung in Israel hat sich ein weiterer Mann selbst angezündet. Der fast 50 Jahre alte Rollstuhlfahrer habe sich an einer großen Kreuzung bei Tel Aviv mit einer brennbaren Flüssigkeit überschüttet, sagte Polizeisprecher Mickey Rosenfeld. Am Samstagabend hatten bei Demonstrationen in mehreren israelischen Städten Hunderte Menschen an den 57-jährigen Mosche Silman erinnert. Er starb am Freitag, knapp eine Woche nachdem er sich bei sozialen Protesten selbst in Brand gesetzt hatte.

Die neue Selbstverbrennung ereignete sich am Sonntagvormittag an einer Bushaltestelle. „Er wurde fast völlig verbrannt“, sagte der Sprecher. „Passanten haben noch versucht, ihm zu helfen.“ Herbeigerufene Sanitäter hätten den Gehbehinderten dann mit schweren Brandverletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Der Bruder des Mannes erzählte dem Nachrichtenportal ynet, er habe große Schulden angehäuft und schon mehrmals mit Selbstmord gedroht. Er sei seit einer Verletzung während seines Militärdienstes behindert.

Bei den Protesten am Samstagabend in Tel Aviv schrieben die Demonstranten in großen Lettern auf eine Straße: „Wir sind alle Mosche Silman“. Silman hatte sich vor einer Woche am Rande einer Demonstration mit einer brennbaren Flüssigkeit überschüttet und angezündet. Nach Angaben seiner Familie hatte er schwere geschäftliche und gesundheitliche Probleme, und erhielt keine angemessene staatliche Unterstützung. Der Polizeisprecher sagte am Sonntag, man habe in den vergangenen zwei Wochen mehrere ähnliche Versuche in letzter Minute verhindern können.

Die soziale Protestbewegung in Israel hatte im Juli vergangenen Jahres mit einem Zeltlager in Tel Aviv begonnen. Es kam jede Woche zu Demonstrationen gegen die hohen Lebenshaltungskosten in Israel. Ihren Höhepunkt fanden die Proteste im September, als mehr als 400.000 Menschen in ganz Israel auf die Straße gingen und soziale Gerechtigkeit forderten. In diesem Sommer wollen die Organisatoren die Bewegung mit wöchentlichen Demonstrationen wieder in Gang bringen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Sozialproteste: Selbstverbrennung in Israel"

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  • Wenn es zu wenig Wohnungen gibt , muss man welche bauen .
    In Israel nennt man das Siedlungsbau und der sollte in hinblick auf diese Ereignisse forciert werden .

  • das ist erst der anfang. israel bekommt wohl jetzt eher probleme mit seiner eigenen bevölkerung. immer hat man nach außen geschaut. mit dem finger auf iran, syrien oder anderen 'schurkenstaaten' gezeigt. aber innen hat es schon lange gebrodelt. das kann man auch nicht mit ausweitung der siedlungen bekämpfen. man hat meistens nur was für die aufrüstung getan, für den einzelnen bürger hatte die regierung nix übrig. man muss sich ja erstens um die verteidigung gegen äußere bedrohungen kümmern. jaja. ich hoffe, es werden noch viele nachahmer kommen mit der selbstzündung. das wird sicher eins schlechtes licht auf diesen staat werfen.

  • Deutschland hat etwas über 80 Millionen Einwohner , in ganz Israel sind es etwas über 7 Millionen .

    Wenn es eine Nachfrage nach einem bestimmten Produkt oder Dienstleistung gibt , das Angebot aber nicht nicht da ist , steigen natürlich die Preise ! Das ist überall auf der Welt so !
    Nachfrage und Angebot regelt den Preis .

    In diesem Fall muss man das Angebot von Wohnungen steigern , das heißt ,ob sie es nun gern hören oder nicht ,Siedlungsbau !!!

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