Spätes Hilfegesuch
„Portugal hat Europa in eine sehr schwierige Lage gebracht“

In Europa wächst die Angst vor einer Ausweitung der Portugal-Krise. Befeuert wird die Sorge noch durch Spekulationen über das wahre Ausmaß der benötigten EU-Hilfe. Politiker fordern einen Plan B.
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DüsseldorfDem hoch verschuldeten Portugal läuft die Zeit davon. Zwar hat das Land einen Hilfsantrag an die Europäische Union angekündigt. EU-Diplomaten stellten jedoch klar, dass vor Gesprächen über internationale Hilfen zunächst geklärt werden müsse, ob die Übergangsregierung das Mandat für die Verhandlungen hat. "Das ist eine Frage, die die portugiesische Regierung den Finanzministern beantworten muss", sagte ein hochrangiger Vertreter der Euro-Zone. Es sei "politisch nicht möglich", Hilfen vor einem ausgehandelten Rettungsplan zu gewähren.

Das kürzlich im Parlament gescheiterte Sparpaket dürfte nach Einschätzung des Diplomaten als Basis für die Hilfsbedingungen ausreichen. "Die Auflagen werden wahrscheinlich ähnlich sein wie das Sparprogramm, das im vergangenen Monat im portugiesischen Parlament zurückgewiesen wurde", sagte der Diplomat.

Portugal hat am Mittwochabend seinen Widerstand gegen ein Rettungspaket aufgegeben und einen Antrag auf Finanzhilfen aus dem Euro-Schutzschirm der Europäischen Union, der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds angekündigt.

Harsche Kritik an Portugal kam aus Schweden. Finanzminister Anders Borg kritisierte den späten Antrag Portugals. "Die hätten schon viel früher Hilfe beantragen sollen", sagte Borg. "Wir haben allen Grund für scharfe Kritik an den Portugiesen. Sie haben sich selbst und Europa in eine sehr schwierige Lage gebracht." Schon Ende 2010 hätte das hoch verschuldete Land die Hilfe beantragen müssen.

Borgs Schätzung zufolge braucht Portugal in den kommenden Monaten zwischen 15 und 20 Milliarden Euro. Ob auch Schweden Finanzhilfen bereitstelle, ließ der Minister offen. Dafür seien zunächst weitere Informationen nötig.

Die gewöhnlich gut informierte Wirtschaftszeitung "Diario Económico" schrieb in der Onlineausgabe unter Berufung auf Regierungskreise, Lissabon werde in Brüssel sogar 90 Milliarden Euro und damit fünf Milliarden Euro mehr als Irland beantragen. Das entspreche mehr als 50 Prozent des für 2011 erwarteten Bruttoinlandsprodukts des ärmsten Landes Westeuropas und sei auch der Betrag, den der portugiesische Bankenverband, die Notenbank in Lissabon und das Finanzministerium als nötig erachteten, heißt es.

Kommentare zu " Spätes Hilfegesuch: „Portugal hat Europa in eine sehr schwierige Lage gebracht“"

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  • Ich lach mich tot: EU-Hilfe "total ausgeschlossen".

    Das sagen doch alle Länder die von der Pleite bedroht sind. Das war bei den Griechen nicht anders als bei den Irländern.

    siehe auch:
    http://www.start-trading.de/blog/2011/04/15/eu-hilfen-immer-das-gleiche-muster/

    Die Frage ist nur, glaubt irgendwer noch die Beteuerungen?

  • Hallo Kostas,

    nimm den Isländer nicht ernst, das ist wieder so einer der jedes Thema dazu benutzt seine ausländerfeindlichen Sachen abzuladen.

    BTW: Ohne die Geldtransfers der in DE lebenden Griechen wäre Griechenland schon eher in die Krise gerutscht. Im Gegensatz zu @Island gehen Griechen nämlich arbeiten :-)

  • @island:

    ich verstehe nicht was Du uns mit Deinem Satz sagen willst:

    "...wir haben immer noch über 350.000 Griechische Gastarbeiter bei uns..."

    Sind wir jetzt etwa auch Schuld für die Misere sowohl hier als auch in GR ?
    Sollen wir bald Angst haben vor der Tür zu gehen???

    Geia mas!

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