Spaltung in EU und Eurozone
Barroso warnt vor einem zerfallenden Europa

EU-Kommissionspräsident Barroso hat in seiner Europa-Rede vor einer Aufspaltung der Europäischen Union in Eurozone und übrige EU-Staaten gewarnt. Auch Deutschland müsse dann mit wirtschaftlichem Schaden rechnen.
  • 15

BerlinEU-Kommissionpräsident Jose Manuel Barroso hat vor einer Spaltung der EU in die Eurozone und die zehn Nicht-Euro-Staaten gewarnt. „Eine gespaltene Union würde nicht funktionieren“, sagte Barroso in einer „Europa-Rede“ am Mittwochabend in Berlin. Europa stehe vor der Entscheidung, ob es weiter vorangehen oder zerfallen solle. Eine stärkere Integration in der Eurozone bei der Wirtschafts- und Finanzpolitik sei wichtig, dürfe aber nicht auf Kosten der Nicht-Euro-Staaten gehen.

Dies sei nicht fair gegenüber Staaten wie Polen, die auch noch den Euro einführen wollen. „Die EU als Ganze und die Eurozone gehören zusammen.“ Hintergrund ist die Entscheidung der Eurozone im Oktober, sich eine eigene Struktur mit eigenen Gipfeltreffen zu geben. Einige der zehn Nicht-Euro-Staaten hatten sich wegen dieser Entwicklung besorgt gezeigt.

Mit Blick auf die Debatte über eine EU-Vertragsänderung sagte Barroso, dass nicht der langsamste Staat in der EU das Tempo der weiteren Integration bestimmen dürfe. Es müsse eine Absicherung geben für die, die eine weitere Integration nicht mitgehen wollten. Aber niemand in der EU dürfe die anderen an einem Fortschreiten hindern, sagte Barroso ohne einzelne Staaten zu nennen.

Barroso kündigte zugleich an, dass die EU-Kommission eine gemeinsame Rolle mit den Euro-Staaten bei der Kontrolle der Euro-Rettungsschirme EFSF und ESM und der nationalen Haushalte vorschlagen werde. Nur die Gemeinschaftsmethode, in der die EU-Institutionen eine zentrale Rolle hätten, werde den Zerfall des Binnenmarktes und des Euro verhindern können. „Die reine intergouvernmentale Methode reicht nicht aus“, warnte der Kommissionpräsident mit Blick auf die verstärkten Absprachen der 17 Euro-Regierungen.

Deutschland forderte der EU-Kommissionpräsident auf, seiner Verantwortung in der EU als stärkste Nation gerecht zu werden und die „zentralen Prinzipien der EU“ zu achten. Die Bundesregierung solle „Führung in Partnerschaft“ zeigen. „Führung heißt, etwas möglich zu machen, was nötig ist.“ Barroso warnte zugleich vor Populismus und Nationalismus in der EU. Auch Deutschland könne nicht von einer Spaltung Europas profitieren, sondern würde mit wirtschaftlichen Einbrüchen rechnen müssen. Es könne keinen Frieden und Wohlstand im Norden Europas geben, wenn es diese nicht auch im Süden und Osten des Kontinents gebe.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Spaltung in EU und Eurozone: Barroso warnt vor einem zerfallenden Europa"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Jungs bald wird es jämmerlich haben die vergessen das Frankreich seine Banken und mehr verliert wenn Italien und Co.Baden-gehen !Die Heuschrecken kommen wenn Cameron und Obama Sie Rufen Sie haben nur Muffe vor China !die machen das mit Zuhilfenahme der 9000 Hedgefonds und Ihrer Banken jemehr der Euro gegeüber dem Dollar fällt um so brutaler wird die Inflation in der Eurozone ! Verstanden

  • Klartext haben jetzt ein Paar Endlich verstanden das der Schulden-berg zu Groß ist der alle in den Abgrund Stürtzen läst !es ist besser für alle ein Kern-Europa mit nur 8 Staaten zubauen damit Ruhe am Finanz-Markt einzieht !dann ist das Futter für die Heuschrecken weg !Sie können ja nach Obama-Land aber da wissen Sie das daß Papier nur Heizwert hat !

  • @macciavelli: Staaten können einen Außenhandelsüberschuss nicht an irgend eine Stelle überweisen, weil Staatshaushalte gar keinen Zugang dazu haben. Exporte sind Verkäufe von inländischen Unternehmen an ausländische Unternehmen. Profite landen zu 100% bei den Unternehmen und deren Aktionären. Und selbst, wenn man die Gewinne inländischer Unternehmen abschöpfen könnte: Dann würden nach ihrem Modell Profite bestraft und Defizite belohnt. Wo bleibt da die Motivation? Wie Motivation und eine Lösung aussehen kann, zeigt bandbreitenmodell.de/vision

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%