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Spanien: Kampf gegen Zwangsräumungen immer dramatischer

Die Zwangsräumungen in Spanien werden immer mehr zum Politikum. Jetzt brachte sich eine weitere Betroffene um, weil ihre Familie ihre Hypothek nicht mehr bezahlen konnte. Die ersten Banken lenken nun ein.

Am Freitag protestieren Spanier gegen Zwangsräumungen in Barakaldo, Nordspanien, als Reaktion auf den Selbstmord einer Frau, die ihren Hypothekenkredit nicht mehr zahlen konnte. "Nein zur Arbeitslosigkeit, nein zu Zwangsräumungen. Für die soziale Sicherung." Steht auf dem Plakat. Quelle: dapd
Am Freitag protestieren Spanier gegen Zwangsräumungen in Barakaldo, Nordspanien, als Reaktion auf den Selbstmord einer Frau, die ihren Hypothekenkredit nicht mehr zahlen konnte. "Nein zur Arbeitslosigkeit, nein zu Zwangsräumungen. Für die soziale Sicherung." Steht auf dem Plakat. Quelle: dapd

MadridAls das Räumkommando in Barakaldo im spanischen Baskenland unten am Hauseingang klingelte, öffnete Amaya Egaña die Tür. Während die Justizbeamten die Treppen zur Wohnung im vierten Stock emporstiegen, kletterte die 53-jährige Frau auf einen Stuhl und sprang aus dem Fenster in die Tiefe. Sie war auf der Stelle tot. Die frühere Kommunalpolitikerin der Sozialisten hatte es nicht ertragen können, dass sie wegen Bankschulden zwangsweise aus ihrer Wohnung ausquartiert werden sollte.

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Lawine von Zwangsvollstreckungen erschüttert Spanien Der Albtraum vom eigenen Heim

Spanische Banken bekommen von der EZB viele Milliarden, um sich über Wasser zu halten. Immobilienbesitzer bekommen nichts geschenkt: Hunderttausende Spanier sind pleite und müssen raus aus ihren Häusern. Ein Ortsbesuch.

Der Selbstmord fachte die Proteste in Spanien gegen die jüngste Welle von Zwangsräumungen neu an. Tausende von Menschen versammelten sich in Barakaldo, einem einstigen Zentrum der Stahlindustrie, zu einer Kundgebung.

Seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise sind im ganzen Land bereits etwa 350.000 Wohnungen zwangsweise geräumt worden, weil die Eigentümer ihre Bankkredite nicht bedienen konnten. Die Häuser, aus denen ihre oft jahrelangen Bewohner vertrieben werden, sind danach meist unverkäuflich. Niemand kann oder will sich in Spanien derzeit Immobilien leisten. Kein Wunder, Experten rechnen damit, dass die Preise weiter fallen werden.

Die Betroffenen sind verzweifelt. Nur drei Wochen zuvor hatte sich in Granada in Südspanien ein Zeitungsverkäufer kurz vor einer Zwangsräumung in seiner Wohnung erhängt. In der Gegend von Valencia sprang ein Mann vom Balkon seiner Wohnung in die Tiefe, als er ein Räumkommando anrücken sah. Er überlebte schwer verletzt.

„Ich bin nach dem Tod meiner Freundin am Boden zerstört“, erklärte der baskische Regierungschef Patxi López. Der Sozialist hatte Amaya Egaña persönlich gekannt, denn die Frau hatte in den 1980er Jahren dem Stadtrat von Eibar angehört - in einer Zeit, in der das politische Engagement im Baskenland wegen des ETA-Terrors noch mit erheblichen Gefahren verbunden war.

  • 11.11.2012, 17:11 Uhrclaus

    Kommt bei uns auch noch. Den Banken und Konzernen wird geholfen - die Menschen kommen in die Gosse. Und wenn Ihr denkt, Ihr seid nicht mit dabei, dann irrt ihr.

  • 11.11.2012, 17:13 UhrAnalyst

    Warum auch zwangsräumen, wenn der deutsche Michel bald alle Bankschulden übernimmt. Da kann sich die Putzfrau in ihrer 4-Zimmer Eigentumswohnung in Madrid wieder beruhigen.

  • 11.11.2012, 17:27 UhrBranchenkenner

    Wo leiten Menschen bloss das Recht (oder auch moralische Recht) her eine Immobilie behalten zu dürfen obwohl sie diese nicht bezahlt haben ??? - Tatsache ist, dass alle diese Leute eine Anschaffung getätigt haben, ohne das Geld dafür zu haben. Das ist doch klar. - Also ich habe da eigentlich kein Mitleid. Hätten sie den Immobilienkauf nicht getätigt, würden sie, wie vorher auch, zur Miete irgendwo leben. Jetzt wo endgültig fest steht (Zwangsräumung), dass sie die Immobilie nicht bezahlen können, gelangen sie wieder in ihren vorherigen Status zurück und müssen wieder in Miete gehen. Warum muss sich denn da um Gottes Willen jemand umbringen ?? - Bei aller Menschenliebe, gewisse Spielregeln müssen einfach gelten !! - Sonst begehre ich auch alle möglichen Güter ohne Gegenleistung und fange an zu jammern, wenn mir dies dann wieder weggenommen wird. - Dass diese Menschen eine gewisse Geldsumme in den Sand gesetzt haben, weil sie schlichtweg zu überhöhten Preisen den Immobilienkauf abgeschlossen haben ist eine ganz andere Sache. Aber kein Staat der Welt kann auf jeden einzelnen Bürger aufpassen, dass dieser ja keine dummen Sachen macht. Oder ?

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