Spanien: Kampf gegen Zwangsräumungen immer dramatischer

Spanien
Kampf gegen Zwangsräumungen immer dramatischer

Die Zwangsräumungen in Spanien werden immer mehr zum Politikum. Jetzt brachte sich eine weitere Betroffene um, weil ihre Familie ihre Hypothek nicht mehr bezahlen konnte. Die ersten Banken lenken nun ein.

MadridAls das Räumkommando in Barakaldo im spanischen Baskenland unten am Hauseingang klingelte, öffnete Amaya Egaña die Tür. Während die Justizbeamten die Treppen zur Wohnung im vierten Stock emporstiegen, kletterte die 53-jährige Frau auf einen Stuhl und sprang aus dem Fenster in die Tiefe. Sie war auf der Stelle tot. Die frühere Kommunalpolitikerin der Sozialisten hatte es nicht ertragen können, dass sie wegen Bankschulden zwangsweise aus ihrer Wohnung ausquartiert werden sollte.

Der Selbstmord fachte die Proteste in Spanien gegen die jüngste Welle von Zwangsräumungen neu an. Tausende von Menschen versammelten sich in Barakaldo, einem einstigen Zentrum der Stahlindustrie, zu einer Kundgebung.

Seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise sind im ganzen Land bereits etwa 350.000 Wohnungen zwangsweise geräumt worden, weil die Eigentümer ihre Bankkredite nicht bedienen konnten. Die Häuser, aus denen ihre oft jahrelangen Bewohner vertrieben werden, sind danach meist unverkäuflich. Niemand kann oder will sich in Spanien derzeit Immobilien leisten. Kein Wunder, Experten rechnen damit, dass die Preise weiter fallen werden.

Die Betroffenen sind verzweifelt. Nur drei Wochen zuvor hatte sich in Granada in Südspanien ein Zeitungsverkäufer kurz vor einer Zwangsräumung in seiner Wohnung erhängt. In der Gegend von Valencia sprang ein Mann vom Balkon seiner Wohnung in die Tiefe, als er ein Räumkommando anrücken sah. Er überlebte schwer verletzt.

„Ich bin nach dem Tod meiner Freundin am Boden zerstört“, erklärte der baskische Regierungschef Patxi López. Der Sozialist hatte Amaya Egaña persönlich gekannt, denn die Frau hatte in den 1980er Jahren dem Stadtrat von Eibar angehört - in einer Zeit, in der das politische Engagement im Baskenland wegen des ETA-Terrors noch mit erheblichen Gefahren verbunden war.

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