Spanien-Krise
„Nur Sofortmaßnahmen der EZB können helfen“

Was ist zu tun im Kampf gegen die Turbulenzen um den Euro-Wackelkandidaten Spanien? Hilft sich die Regierung in Madrid selbst? Ein führender deutscher Ökonom sieht nur noch eine Möglichkeit, das Schlimmste abzuwenden.
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BerlinAngesichts der Turbulenzen um die Euro-Wackelkandidaten Spanien und Griechenland hat sieht der Direktor des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, die Europäischen Zentralbank (EZB) in der Pflicht, einzugreifen. „Derzeit helfen nur Sofortmaßnahmen. Dazu gehört, dass die EZB ankündigt, ihr Aufkaufprogramm für Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt ab sofort wieder aufzunehmen“, sagte Horn Handelsblatt Online. „Dies würde den finanziellen Spielraum für die Krisenstaaten ihren Banken zu helfen erhöhen.“ Darüber hinaus könne nach einer Aufstockung  seiner Mittel auch der Dauer-Rettungsfonds ESM tätig werden. „Allerdings nur wenn ihm im Gegenzug Eigentumsrechte an den Krisenbanken übertragen werden“, so Horn.

Die EZB zeigte sich laut Ratsmitglied Ewald Nowotny bereits, bei einer weiteren Verschärfung der Krise in der Lage, an der Zinsschraube zu drehen. Ein Wiederaufleben des Staatsanleihen-Ankaufprogramms schloss er genauso aus, wie eine weitere langfristige Geldspritze für die Zentralbanken. "Wir haben geldpolitische und liquiditätspolitische Möglichkeiten zur Verfügung", sagte Nowotny. Auf die Frage nach der Aussicht auf eine Zinssenkung im kommenden Monat sagte er: "Wir legen uns nie vorher fest, wir sehen gestiegene Abwärtsrisiken für das Wachstum. Wir müssen eventuell reagieren, sollten sich die Risiken für das Wachstum verfestigen", ergänzte er.

Ein Einlagenzinssatz von null Prozent sei vorstellbar. Derzeit liegt der Satz, zu dem Banken Geld bei der Zentralbank über Nacht parken können, bei 0,25 Prozent. Es wäre besser, wenn Spanien Hilfe für seine angeschlagenen Banken so schnell wie möglich in Anspruch nehme. Außerdem könnte die Euro-Zone eine Bankenunion schmieden.

Die EZB hielt ungeachtet des enormen Drucks von Politik und Finanzmärkten ihr Pulver trocken. Sie beließ am Mittwoch ihren Leitzins trotz der fragilen Lage in Griechenland und Spanien und der hohen Nervosität an den Börsen bei einem Prozent. Laut EZB-Chef Mario Draghi hatten jedoch einige Führungsmitglieder der Notenbank für eine Zinssenkung plädiert.

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  • Naja, und jetzt mal etwas ernsthafter. Es gibt doch zwei Möglichkeiten entweder wir kehren zurück zu den nationalen Währungen oder wir bilden eine Fiskalunion. Eine Fiskalunion wird von den meisten Menschen scheinbar abgelehnt. Die Kosten scheinen immens hoch zu sein egal für was man sich entscheidet und keiner vermag realistische Zahlen zu benennen, weil sie einfach keiner vorhersagen kann. Stellt man stochastische Modelle auf, meinetwegen aber es bleiben am Ende nichts desto trotz Schätzungen. Ich persöhnlich glaube, das die Ökonomen, wie ein Herr Horn, Stiglitz, Straubhaar etc. Deshalb versagen weil Sie in den Modellen, die Sie einst selbst gelernt haben, die Finanzökonmie ausser Acht gelassen haben, da der Finanzmarkt als der "perfekte" Markt schlecht hin angenommen worden ist. Egal welche Richtung, ob pro Gewerkschaft also quasi Keynesianer oder Neo Klassiker, Keynesianer etc. Sie haben mit Modellen c.p. gerechnet. Auf Dauer konnte das doch nur schief gehen. Viel zu oft wurden Modelle wie das von Jones, aus Amerika kommend und für die USA sicherlicher sinnig erscheinend auf Europa und den Rest der Welt umgemünzt und angewendet. Vergessen wird dabei jedoch m.E. Nach, dass alle Ökonomien differenziert betrachtet werden müssten. Es hapert in Europa doch schon daran, dass man unterschiedliche Berechnungsmethoden für Arbeitsmarkt, Immobilienmarkt etc. Anwendet (vgl. EZB Bericht November 2010). Wie soll bitte eine "Union" funktionieren, ja, wie soll eine einheitliche Lösung gefunden werden, wenn allein die einfahsten und scheinbar für Laien selbstverständlich scheinenden Berechnungen auf unterschiedlichen Methoden basieren?

  • Wo verdammt nochmal lernen Politiker und Wirtschaftsfachleute eigentlich rechnen? Oder Nein, wieso bitte sehr werden wir Menschen für sowas von bescheuert gehalten,... sobald "etwas" gerettet werden muss, werden mindestens 5 mal hintereiander verschiedene und ständig nachgebesserte Zahlen bekannt gegeben ... 23 Milliarden sind totaler Schwachsinn und 40 auch nicht!!! Das wird nie und nimmer reichen. Aber immer wird einem erzählt dass es endgültige Beträge sind. HRE, 40 Milliarden, 80 Milliarden, 120 Milliarden...Elbphilharmonie 77 Millionen, 100 Millionen, 323 Millionen, ..., IKB, Coba, West Lb, Bayern LB sind total sicher..., Griechenland, die griechischen Banken,... Rettungsschirm 100 Milliarden, 150 Milliarden, 170 Milliarden, 220 Milliarden,... 1 Billion. Ich prognostiziere jetzt auch mal und ich bin nur ein popeliger Student,..., kein Rettungsschirm der Welt wird helfen wenn kein politisches Ziel dahinter steckt. Kein R. d.W. wird helfen, wenn die Menschen sich nach und nach verarscht und ausgebeutet vorkommen. Die Rechten bekommen immer mehr Zulauf, egal ob in NL, Fr, Gr, Polen, Deutschland,..., zeitgleich kündigen Landesregierungen wie die neue in NRW an, 500 Lehererstellen zu streichen und andere Dinge einzusparen um insgesamt 1 Milliarden zu sparen...dabei schreien doch alle wir haben einen Mangel an Facharbeitern... huhu, haben wir nun einen Mangel oder nicht? Es muss klar gesagt werden, ob die "Vereinigten Staaten von Europa" kommen werden oder nicht. Und zwar bald. Wenn das nicht innerhalb der nächsten zwei Monate passiert, tritt mindestens ein Land aus oder wird raus geschmissen und es wird Straßenschlachten geben. Die Börse wird erst hochlaufen, dann seitwärts und wenn Sie merkt, dass EZB und Regierungen keine Signal- und Lenkungsfunktion mehr haben, weil ihnen die Krise aus den Händen gleitet und Regierungen wieder eigenmächtig handeln werden, um sich selbst zu retten, wirds Tal abwärts gehen.

  • Liebes Handelsblatt, in letzter Zeit beobachte ich, dass Ihr ganz langsam versucht, auch mal etwas jenseits der rosa-lila-Eurotraum-Berichterstattung zu arbeiten. Es sieht auch ganz blöd aus, wenn die Bombe platzt und eine der wichtigsten deutschen Wirtschaftszeitungen war bis zuletzt ahnungslos bzw. hat gierig Äußerungen von Gustav Horn aufgesaugt. Der versteht von Marktwirtschaft soviel wie Erich Honecker von freien Wahlen.

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