Spanien
Monologisierte Gretchenfrage

„Geht es uns jetzt besser als vor vier Jahren?“ Es ist die Gretchenfrage, und somit ein guter Auftakt für Spaniens konservativen Parteiführer Mariano Rajoy, der zu seinem ersten Fernsehduell gegen Ministerpräsidenten José Luis Rodriguez Zapatero antritt. Doch vor der Wahl in Spanien kann weder der Ministerpräsident noch sein Herausforderer punkten.

MADRID. Die erste TV-Wahldebatte in Spanien seit 15 Jahren sollte den Endspurt für den 9. März einläuten, wenn Spanien eine neue Regierung wählt. Doch sie hält nicht, was sie anfangs verspricht.

Damals, vor 15 Jahren, bestand eine ähnliche Konstellation: Der junge José María Aznar brachte den Amtsinhaber Felipe Gonzalez unerwartet ins Schwitzen, als er den erschreckten Sozialisten klarmachte, dass die Rechte zum ersten Mal nach dem Ende der Franco-Diktatur wieder an die Regierung gelangen könnte.

Doch seitdem haben sich die Fronten verhärtet. Das Duell zwischen Rajoy und Zapatero war keine echte Debatte. Die Kandidaten hielten vorwiegend Monologe – gepresst in das strenge Zeitkorsett. Vereinzelte Attacken bleiben stets vom Gegenüber unbeantwortet. Es gab keine Überraschungen, kein bisschen Charme, keinen Funken von Humor.

Zumindest von Zapatero hätte man mehr erwartet, denn Charme ist seine Stärke. Normalerweise strahlt er jungenhaft frischen Optimismus aus. Und er hätte Grund zu Gelassenheit gehabt, denn die Bilanz seiner Amtszeit kann sich sehen lassen. Die Wirtschaft wuchs durchschnittlich um mehr als drei Prozent im Jahr. Die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie noch nie. Im Pro-Kopf-Einkommen hat Spanien nun schon Italien knapp hinter sich gelassen.

Der Staatshaushalt weist zum ersten Mal in der demokratischen Geschichte des Landes einen Überschuss von zwei Prozent des BIP auf. „Wir haben die Batterien der Volkswirtschaft aufgeladen“, sagt der 47jährige Regierungschef – und richtet seine blauen Augen voller Zuversicht in die Fernsehkameras. Doch solche Momente bleiben selten. Das Land sei gut gerüstet für die etwas härteren Zeiten, die jetzt wegen der internationalen Kreditkrise, der hohen Öl- und Lebensmittelpreise und gestiegener Zinsen anstehen. Doch die Gelassenheit, die Leichtigkeit früherer Gelegenheiten fehlte ihm diesmal.

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