Spanien
Proteste in Madrid halten an

Ministerpräsident Jose Zapatero hat keine Wahl: Das Demonstrationsverbot, das eigentlich vor Wahlen in Spanien gilt, will er nicht durchsetzen - sonst könnte die Stimmung im Land endgültig kippen.
  • 3

MadridSeit Tagen demonstrieren Zehntausende überwiegend junge Menschen gegen die hohe Arbeitslosigkeit und den Sparkurs der Regierung. Auf dem Puerta-del-Sol-Platz in der Mitte der Hauptstadt Madrid übernachteten am Sonntag trotz eines Demonstrationsverbots Hunderte von ihnen in Zelten. Am Samstag kam es im ganzen Land zu Kundgebungen. Demonstriert wurde auch in Barcelona, Valencia, Sevilla, Bilbao und anderen großen Städten.

Die Protestbewegung erfasste alle Altersgruppen. Sie erinnere ihn an die Jugendrevolte von 1968, sagte der Ingenieur und Demonstrationsteilnehmer Javier Gutierrez. Sie protestiere, weil sie trotz eines qualifizierten Abschlusses keine Arbeit finde, sagte die 25-jährige Inma Moreno in Madrid. „Der politischen Klasse muss bewusstwerden, dass das nicht in Ordnung ist.“ Die größtenteils jungen Demonstranten riefen die Spanier dazu auf, nicht für Zapateros Sozialistische Partei und auch nicht für die Volkspartei zu stimmen.

Die regierenden spanischen Sozialisten stehen vor massiven Verlusten. Umfragen zufolge dürften sie unter anderem die Mehrheit in der Stadt Sevilla verlieren, die sie seit zwölf Jahren regieren. Es wurde erwartet, dass die konservative Volkspartei deutliche Stimmenzuwächse erzielen würde.

Das hoch verschuldete Spanien muss bislang zwar keine Hilfen von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen. Der Preis dafür ist aber ein harter Sparkurs. Die wirtschaftliche Erholung verläuft schleppend, die Arbeitslosigkeit ist mit einer offiziellen Quote von 21,3 Prozent so hoch wie in keinem anderen EU-Land.

Unter den 18- bis 25-Jährigen liegt die Arbeitslosenquote sogar bei 45 Prozent. Viele davon müssen noch bei ihren Eltern leben, weil sie keinen Job finden. Der IWF sprach bereits von einer „verlorenen Generation“.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Spanien: Proteste in Madrid halten an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich bin gerade in Spanien und hier demonstriert niemand gegen die Arbeitslosigkeit und den Sparkurs der Regierung.

    Die jungen Menschen demonstrieren für wahre Demokratie und einen generellen Systemwechsel!!!

    Die Demonstranten sehen sich als unpolitisch.

    Sie wollen weder von links noch von rechts ausgebeutet werden.

    Es ist eine unpolitische Demonstration gegen das korrupte Machtsystem!!!

    Sie fordern "Democracia real ya"!!!

  • Bravo Spanien, ihr seit die europäische Avantgarde. 1968 waren es die jungen Franzosen, heute sind es die jungen Spanier. 1968 floh de Gaulle aus Paris nach Baden-Baden in die Obhut der französischen Armee weil er die Nerven verloren hatte. Wer wird heute fliehen?

  • Die Spanier protestieren nicht nur in Spanien. Gestern z.B. auch in Düsseldorf. Im Gegensatz zu den Deutschen regt sich bei Menschen, die durch die politisch gekauften Medien sich nicht verblöden lassen,öffentlicher Widerstand. Der Deutsche fragt sich nur, wo er bei sich noch Abstriche machen kann, damit der Euro gerettet wird. Und dann bekommt er noch von Frau Merkel gesagt, dass er sich noch mehr anstrengen soll. Und brav läuft die Schafherde zur Schlachtbank.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%