Spanien
Rentenreform soll Weg für Hilfsprogramm ebnen

Mit mehr Tempo bei der Rentenreform will Spanien mehrere Milliarden Euro einsparen. Damit will die Regierung die Märkte beruhigen und den Weg für ein neues Hilfsprogramm ebnen.
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Madrid/WashingtonDie spanische Regierung drückt bei der Rentenreform aufs Tempo: Nach Auskunft mehrerer mit der Angelegenheit vertrauter Personen soll das Renteneintrittsalter schneller angehoben werden als geplant und der Inflationsausgleich für Senioren wahrscheinlich wieder abgeschafft werden. Es sei bereits eine ausgemachte Sache, dass die Anhebung auf 67 von derzeit 65 Jahren nicht mehr über 15 Jahre, sondern einen kürzeren Zeitraum erfolgen solle, sagten die Insider am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Umstritten sei dagegen noch die Frage, ob die Renten nicht mehr an die Inflation angepasst und damit de facto gekürzt werden sollten. Allein durch diesen Schritt könnte die Regierung in Madrid jedes Jahr mindestens vier Milliarden Euro sparen.

Trotz zuletzt sinkender Risikoaufschläge auf spanische Staatsanleihen wird damit gerechnet, dass Spanien bald ein komplettes Hilfsprogramm seiner Euro-Partner über den Rettungsschirm ESM beantragen könnte und im Gegenzug dafür seine Sparbemühungen verstärken muss. Zur Stützung seiner kriselnden Banken bekam Spanien von den Euro-Staaten bereits Hilfsgelder von bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, wovon 50 bis 60 Milliarden Euro in Anspruch genommen werden dürften. Die damit verbundenen Auflagen beziehen sich allein auf den spanischen Finanzsektor, weshalb trotz der Milliarden-Summe von einem "kleinen Hilfsprogramm" die Rede ist.

Mit den nun anvisierten Reformen bei der Rente will die Regierung offenbar den Weg für ein "großes Hilfsprogramm" ebnen. Die Maßnahmen könnten bereits nächste Woche bei der Vorstellung des Haushalts 2013 bekanntgegeben werden, sagte ein Insider. Der konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte vor seiner Wahl im vergangenen Jahr wiederholt erklärt, die Renten nicht antasten zu wollen.

Kurz nach der Amtsübernahme führte Rajoy dann den Inflationsausgleich für Rentner wieder ein, den sein sozialistischer Amtsvorgänger Jose Luis Rodriguez Zapatero noch im Mai 2010 abgeschafft hatte. Insider erklärten nun, dass Rajoy eine Kehrtwende vorbereite. Dabei verwiesen sie auch auf Äußerungen von Vize-Regierungschefin Soraya Saenz de Santamaria, die zuletzt nur noch davon gesprochen hatte, dass die Regierung vorerst keine Kürzungen bei der Rente plane.

Einsparungen sind dringend notwendig, denn Spanien benötigt in den kommenden zwölf Monaten ohnehin mehr als 100 Milliarden Euro frisches Kapital. Eine Prognose der französischen Großbank BNP Paribas spricht von 180 Milliarden Euro.

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  • Rentenlücke! Überall kann man es nachlesen, dass eine in 2012 hochgerechnete Rentenlücke i.H.v. 1000 EUR "bei einer Inflation von drei Prozent binnen 20 Jahren schon einer Rentenlücke von ca. 1.800 Euro" entsprechen wird!! Bis 2023 wird das Rentenniveau für den Durchschnittsverdiener vor Steuern bei ca. 45% liegen, wohl eher noch darunter!!!

    Warum sind Angestellte allein noch bereit Rentenbeiträge automatisch monatlich von ihrem Gehalt zu zahlen???

    Warum werden nicht endlich alle Berufsgruppen verpflichtet in die gesetzliche Rente einzuzahlen? Ist die Rendite tatsächlich so schlecht?!?!

    Warum wird diese Ungerechtigkeit von allen einfach so hingenommen?

  • O-Ton Handelsblatt
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    Einsparungen sind dringend notwendig, denn Spanien benötigt in den kommenden zwölf Monaten ohnehin mehr als 100 Milliarden Euro frisches Kapital. Eine Prognose der französischen Großbank BNP Paribas spricht von 180 Milliarden Euro.
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    Bei den 180 Milliarden handelt es sich zwar um Kapitalbedarf, aber überwiegend nicht um "frisches" Kapital.

    Der größte Teil des Kapitalbedarfs ist zur Refinanzierung auslaufender Staatsanleihen erforderlich.

  • Der Euro ist gut für die Arbeitgeber aber nicht für die Arbeitnehmer!
    Warum werden die europäischen System-Profiteure in Spanien nicht zur Kasse gebeten? Warum wird immer nur den Arbeitnehmern in die Tasche gegriffen?

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