Spanien und Italien
Die Latino-Connection

Die italienisch-spanische Connection funktioniert derzeit so gut wie nie – ob auf dem Telekommarkt, im Bankensektor oder in der Medienbranche. Politiker beider Länder schmieden eine Industrieallianz – als Gegengewicht zur deutsch-französischen Achse. Eine Handelsblatt-Reportage.

MAILAND / MADRID. Die Sonne scheint. Die spanischen Soldaten in ihren rot-blauen Uniformen recken ihren Kopf stolz in die Höhe. Italiens Premierminister Romano Prodi und Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero schreiten auf der alten Festung oberhalb der Altstadt Ibizas unter strahlend blauem Himmel an den Tuba-Bläsern vorbei. Auftakt für den Latino-Gipfel. Da wird gemauschelt, gelacht, gut gegessen und paktiert.

Gut zwei Monate ist das her. Und inzwischen ist auch offenkundig, was die Herren ausgemacht haben: Der teilstaatliche italienische Versorger Enel sicherte sich im April die Kontrolle an der spanischen Endesa. Der spanische Telekommunikationskonzern Telefónica steigt mit zehn Prozent bei Telecom Italia ein. Und auch der nächste Coup zeichnet sich ab: Experten gehen davon aus, dass die vor allem aus Rom zunächst verhinderte Übernahme des italienischen Autobahnbetreibers Autostrade durch den spanischen Konkurrenten Abertis jetzt doch noch zu Stande kommt.

Die italienisch-spanische Connection funktioniert derzeit so gut wie nie. Und das Ibiza-Treffen von Prodi und Zapatero hat dazu beigetragen, da sind sich Beobachter sicher. Sie gehen davon aus, dass Prodi und der außenpolitisch bisher wenig erfolgreiche Zapatero dabei sind, ein Gegengewicht zur deutsch-französischen Achse zu bilden.

Die Unternehmen haben offenbar gerne mitgemacht: „Wenn es ums Geschäft geht, dann fühlen wir uns Ländern wie Portugal oder Italien immer näher als Deutschland“, heißt es in Kreisen von Endesa. Ursprünglich hatte der deutsche Energiekonzern Eon großes Interesse an einer Übernahme des spanischen Unternehmens, wurde aber von der italienischen Enel aus dem Feld geschlagen. Im Enel-Umfeld bestätigt man, die Politik habe bei diesem Deal eine „wesentliche Rolle“ gespielt.

Allerdings passt diese Einmischung nicht allen. So ließ vergangene Woche ein braun gebrannter Marco Tronchetti Provera, Chef des bisherigen Telecom-Italia-Hauptaktionärs Pirelli, Journalisten eigens in den Badeort Santa Margherita Ligure anreisen, um seine Kritik loszuwerden: „Italien hat Probleme, privatisierte Unternehmen als privat zu sehen, und betrachtet freie unternehmerische Entscheidungen mit Besorgnis“, wetterte er und gab auch gleich seine Sicht der Dinge zum Besten: Demnach hat die italienische Regierung den Einstieg von Rupert Murdoch bei Telecom Italia verhindert und das Übernahmeangebot der amerikanischen AT&T und der mexikanischen America Movil vereitelt.

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