Spanien und Portugal
Blühende Landschaften

Spanien hat seit seinem Beitritt zur Europäischen Union vor 20 Jahren mehr als 100 Milliarden Euro aus den EU-Fördertöpfen erhalten und dazu verwendet, den wirtschaftlichen Aufholprozess anzukurbeln – mit Erfolg. Ganz anders sieht es im Nachbarland Portugal aus.

MADRID. Wenn Willi Krahe mit seinem grauen Mercedes-Kombi durch Spanien fährt, kann er einen Anflug von Neid nur schwer unterdrücken. „So viele neue dreispurige Autobahnen. Das Straßennetz ist inzwischen besser als bei uns“, seufzt der 59-jährige Rentner aus Bonn. Wer wie Krahe regelmäßig über Spaniens Autobahnen fährt, auf einem der hochmodernen Flughäfen ankommt oder eine der futuristischen Brücken überquert, findet häufig ein Schild der EU, das genau Auskunft darüber gibt, wie viel Geld Brüssel zu dem jeweiligen Projekt beigesteuert hat.

Die Europäische Union hat den Spaniern seit ihrem Beitritt vor 20 Jahren mehr als 100 Milliarden Euro aus ihren Fördertöpfen überwiesen. Im neuen EU-Haushalt bis 2013 sind weitere 16 Milliarden Euro vorgesehen. Kein Wunder, dass die Mehrzahl der Spanier zufrieden mit der EU ist: 71 Prozent beurteilen den Beitritt ihres Landes zur Union positiv, ergab jüngst eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Real Instituto Elcano. Das Pro-Kopf-Einkommen der Spanier, das 1986 noch bei 73 Prozent des EU-Durchschnitts lag, beträgt heute fast 100 Prozent. Victor Pou, Berater der EU-Kommission nennt zwei Gründe für diese Entwicklung: „den enormen Aufholprozess“ des mit 44 Millionen Bürgern fünftgrößten Landes der Union und die „Erweiterung der EU um zehn wesentlich ärmere Staaten, wodurch Spanien im Vergleich reicher geworden ist“.

Der kleinere iberische Nachbar Portugal, der ebenfalls 1986 der EU beitrat, kann mit Spaniens Erfolgsbilanz nicht mithalten, „obwohl das Land pro Kopf in den 20 Jahren viel mehr Geld bekommen hat“, sagt Agustí Ulied, Professor für europäische Ökonomie an der spanischen Privatuniversität Esade in Barcelona. Die zehn Millionen Portugiesen haben mehr als 45 Milliarden Euro aus Brüssel bekommen und werden bis 2013 wahrscheinlich mit weiteren 21 Milliarden Euro rechnen können. So kamen in den vergangenen Jahren rund drei Prozent des portugiesischen Bruttoinlandsprodukts aus Brüssel, in Spanien war es etwas mehr als ein Prozent.

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