Spanien
Wirtschaftsminister flirtet mit dem Rettungsschirm

Spanien steht mit dem Rücken zur Wand. Der Rettungsschirm wäre eine Option, erklärt Wirtschaftsminister Luis de Guindos. Wenn die Bedingungen stimmen. Schon die nächsten beiden Wochen könnten eine Entscheidung bringen.
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MadridDer spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos schloss in einem Interview mit dem Handelsblatt nicht aus, dass Spanien bald einen Hilfsantrag an den EU-Rettungsfonds stellt. Zunächst müssten aber die Bedingungen geklärt sein. „Die EZB-Ratssitzung diese Woche und die informelle Sitzung der Eurogruppe in zwei Wochen werden da Klärung bringen“, sagte De Guindos.

An die Adresse der deutschen Regierung erklärte der Wirtschaftsminister, Spanien respektiere „absolut“ die Unabhängigkeit der EZB und teile auch die Ansicht, „dass die Reduzierung des öffentlichen Defizits und der Schuldenabbau mittel- und langfristig die fundamentalen Instrumente gegen die Krise sind.“ Die EZB könne diese nationalen Anstrengungen natürlich nicht ersetzen. Aber derzeit gelte es, „die Zweifel über den Euro auszuräumen und klarzumachen, dass der Euro irreversibel ist. Dafür könnte es kurzfristig nötig sein, dass die EZB agiert.“

Keinen Zweifel hat De Guindos daran, dass der ESM in den nächsten Monaten in Kraft treten und das seine Finanzkraft ausreichen wird. Eine Banklizenz für den Europäischen Rettungsschirm sei nicht vorgesehen, „derzeit sollten wir mit den Instrumenten arbeiten, die zur Verfügung stehen.“
Zur gemeinsamen europäischen Bankenaufsicht sagte De Guindos, seiner Ansicht nach werde es mehrere Etappen geben. Zu Beginn sei es sicher realistisch, sich auf größere Banken zu konzentrieren, da die EZB, die diese Bankenaufsicht durchführen muss, noch nicht die Erfahrung habe, um die gesamte Bankenwelt zu beaufsichtigen. „Aber das Endziel sollte natürlich sein, dass alle Banken der europäischen Aufsicht unterstehen.“

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Spanien: Wirtschaftsminister flirtet mit dem Rettungsschirm"

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  • @Rechner
    Was soll das? Aus dem Artikel geht doch klar hervor, dass LUIS DE GUINDOS glaubt, dass die Bedingungen verhandelbar sind. Hat doch schon mal geklappt.

    Und Ihr Vergleich mit „Spanien – Rettungsbedingungen“ und „Hartz4-Empfänger - Bund“ … Wenn Ihnen kein besserer Vergleich einfällt, dann sollten Sie hierzu lieber nichts sagen, oder glauben Sie allen Ernstes, dass ein Hartz4-Empfänger gegenüber dem Bund dieselbe Position hat wie Spanien gegenüber den Rettungsschirmen bzw. den Euro-Rettern?

    Für so abwegig halte ich die Überlegungen von Luis de Guindos nicht. Spanien sagte zuerst, dass es seine Banken selber retten wolle. Es war bezüglich der dann großzügig angebotenen 100 Milliarden Bankenrettungsgelder ein Besuch der Troika mit Auflagen für den spanischen Staat im Gespräch. Schlussendlich wurde eine „Sonderlösung“ für Spanien „erarbeitet“, damit Spanien nicht unter den Rettungsschirm mit allen Konsequenzen muss.

    De Guindos: „…. Spanien bald einen Hilfsantrag an den EU-Rettungsfonds stellt. Zunächst müssten aber die Bedingungen geklärt sein.“

    Vielleicht fällt unseren Euro-Rettern ja wieder eine Sonderlösung ein. Allerdings wird hierüber in unserer Regierung bereits geredet. Siehe heute im HB: …“Spanien kann laut CDU/CSU-Fraktionsvize Michael Meister nicht auf ein neues Hilfsprogramm der Euro-Partner ohne Auflagen rechnen.“

    Wenn dies selbstverständlich wäre, dann bräuchte es diese Aussagen nicht! Meister sagt ja selbst, dass Spanien bereits ein Hilfspaket ohne Auflagen erhalten hat.

    Rechner, wenn ich mich richtig erinnere, dann waren Sie überzeugt, dass es abgelehnt wird Spanien, Italien oder gar Frankreich unter den Rettungsschirm zu nehmen. Wie stehen Sie jetzt dazu?

  • Lügner und Betrüger! Schönschwätzer und Dummschwätzer.

    Spanien und die anderen FPIGS sollen einfach ihre Zinsen zahlen, ihre Kredite bedienen, und fertig. Und uns endlich in Frieden lassen. Seit 2000 Jahren wird Deutschland von denen ausgeplündert, darüber muß man sich mal Gedanken machen.

  • Wenn Brüssel schon billiges Geld anbietet, wäre Spanien dumm, es nicht zu nehmen. Aber es ginge mit etwas Mühe sicher auch ohne dieses Geld! Die EU hat sich zu einer großen Umverteilungsmaschinerie entwickelt. Zum Nachteil Deutschlands!

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