0 Bewertungen
11.04.2008 
Zweiter Wahlgang

Spaniens Ministerpräsident Zapatero wiedergewählt

José Luis Rodríguez Zapatero ist als spanischer Ministerpräsident im zweiten Wahlgang wiedergewählt worden. Nun sollen neue Zeiten in der Politik des Landes anbrechen.

Schaffte es im zweiten Wahlgang: Jose Luis Rodriguez Zapatero. Foto: ReutersLupe

Schaffte es im zweiten Wahlgang: Jose Luis Rodriguez Zapatero. Foto: Reuters

HB MADRID. José Luis Rodríguez Zapatero ist als spanischer Ministerpräsident wiedergewählt worden. Der 47-jährige Sozialist erhielt am Freitag bei einer Abstimmung im Madrider Parlament 169 Stimmen. Gegen ihn votierten 158 Abgeordnete. 23 Parlamentarier enthielten sich der Stimme. Die Wiederwahl erfolgte erst im zweiten Wahlgang. Bei der ersten Runde am Mittwoch hatte Zapatero die erforderliche absolute Mehrheit verfehlt.

m zweiten Durchgang war nur eine einfache Mehrheit erforderlich. Zapatero regiert Spanien seit 2004. Er will eine Minderheitsregierung bilden und das Land mit wechselnden Mehrheiten führen.

Im Kabinett wird es voraussichtlich nur wenige Umbesetzungen geben, aber dennoch wird in Spanien nicht alles beim Alten bleiben. Im Gegenteil: Vieles deutet darauf hin, dass in der spanischen Politik neue Zeiten anbrechen. Die scharfen Spannungen zwischen der sozialistischen Regierung und der konservativen Opposition, die zuletzt das politische Leben in Spanien prägten, scheinen plötzlich wie weggeblasen.

Bei der Debatte über das Regierungsprogramm standen Zapatero und der Oppositionschef Mariano Rajoy sich nicht mehr als unversöhnliche Rivalen gegenüber. Statt schlimme Vorwürfe gegen die Gegenseite zu erheben, sprachen beide Politiker sich nun dafür aus, wichtige Entscheidungen gemeinsam zu treffen und entsprechende Pakte zu schließen. Solche Worte hatten die Spanier seit langem nicht mehr vernommen.

In der vorigen Legislaturperiode hatten Regierung und Opposition sich so heftig gestritten, dass die politische Atmosphäre kaum zu ertragen war. Nicht einmal in Bereichen wie dem Anti-Terror-Kampf oder der Außenpolitik, bei denen in anderen Ländern eine gemeinsame Linie beinahe selbstverständlich ist, fanden Zapateros Sozialisten und Rajoys Konservative zueinander.

Im jetzigen Regierungsprogramm fehlen heiße Eisen. Das Schwergewicht liegt nun auf der Wirtschaft. Das Wachstum wird sich in Spanien stark verlangsamen, nach einer Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) von 3,8 Prozent Ende 2007 auf 1,8 Prozent zum Ende dieses Jahres. Zapatero will sich auch nicht mehr den Vorwurf machen lassen, mit seinen Zugeständnissen an Basken oder Katalanen die Einheit Spaniens in Gefahr zu bringen. In seinem Regierungsprogramm tauchte 56-mal das Wort „España“ auf. 2004 hatte er nur 20-mal „Spanien“ gesagt.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Vorhersage Europa

weiterBildergalerien

zurück
  • Reif für die Senioren-Union? 60 Jah...

    Reif für die Senioren-Union? 60 Jahre Seehofer

    Als er als Ministerpräsident nach Bayern kam, schmiss er alle über 60-Jährigen aus dem Kabinett. Jetzt erreicht der bayrische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer selbst die magische Grenze. Doch das wird er durchstehen – wie er schon so manch...Bildergalerie 

  • G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, P...

    G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, Paläste

    G8-Gipfel sind nicht ohne Demonstranten denkbar. 1999 fand der letzte „normale“ Gipfel statt – in Köln. Seither igeln sich die Staatschefs an schwer zugänglichen Orten ein. Ein Rückblick.Bildergalerie 

  • Große Koalition: Bilanz mit Schönhe...

    Große Koalition: Bilanz mit Schönheitsfehlern

    Die Finanz- und Wirtschaftskrise bestimmt die Tagesordnung des Parlaments seit bald einem Jahr - und hat mit dazu beigetragen, dass die Große Koalition mehr Gesetze beschlossen hat als einst die Regierung von Kanzler Gerhard Schröder in der Legislaturperiode ...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

Hässliches Gesicht 

03.07.2009Global Reporting

Die Bluttat von München schockiert die Schweiz. „Mordversuch“, „Schläger ohne Reue“, „Empörung über Schweizer Schläger in München“, titeln die Zeitungen. Blog


weiterMadagaskar

Keine Revolution, kein Live-Blog 

02.07.2009Madagaskar

Der Aufstand gegen die Wahlfälschung hat Iran verändert, aber (noch) keine Revolution ausgelöst. Daher berichte ich hier nur noch vereinzelt über den Machtkampf in Teheran. Blog


Handelsblatt Marktplatz

Die Suchmaschine mit über 200.000 Angeboten der besten Jobbörsen und Zeitungen. Weiter