Spaniens Weg aus der Krise
Der Buhmann von Madrid

Nach zwei Jahren im Amt zollt das Ausland Spaniens Premier Respekt für seine Reformen und den Sparkurs. Ganz im Gegensatz zu seinen Landsleuten. Denn in Spanien ist Mariano Rajoy alles andere als beliebt.
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MadridAls Spaniens Premier Mariano Rajoy kürzlich fünf internationalen und einer spanischen Zeitung das erste Interview seit langen Zeiten gab, war deutlich zu merken, welches seine Lieblingsthemen sind: Alles, was Wirtschaft angeht. Da kann er punkten – mittlerweile – denn Spaniens Volkswirtschaft scheint die Talsohle durchschritten zu haben. Ziemlich ungeschickt wand er sich hingegen bei innenpolitischen Fragen heraus, oder bei solchen, die die Parteispendenaffäre in seiner Partido Popular (PP) betreffen.

Seit Rajoy vor ziemlich genau zwei Jahren als spanischer Regierungschef antrat, meidet er daher Interviews. Er weiß, dass er von spanischen Journalisten wenig Nettigkeiten zu erwarten hat. Kein Wunder, tat sich der Konservative, der mit seinem Vollbart und der Brille ein bisschen das Image eines Oberschullehrers hat, in seiner Regierungszeit doch vor allem durch eine radikale Sparpolitik und die Beschneidung von Arbeitsrechten hervor.

Das Ausland hingegen zollt Rajoy mittlerweile einigen Respekt für die harte wirtschaftliche Reformarbeit. Zwar ist die wirtschaftliche Lage in Spanien weiterhin alles andere als rosig. Die Arbeitslosenquote steht bei knapp 26 Prozent. Das ist allerdings schon besser als zum Jahresanfang, als mehr als 27 Prozent der Erwerbstätigen in Spanien einen Job suchten. Die Wirtschaftsleistung fiel im dritten Quartal 1,1 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Im Vergleich zum Vorquartal wuchs das BIP aber schon um 0,1 Prozent. „Das Schlimmste der Krise ist vorbei für Spanien“, meinen die Analysten von Barclays Research.

Welchen Fortschritt Spanien Rajoy und seine Mannschaft dieses Jahr gemacht hat, lässt sich noch mehr an den Risikoaufschlägen auf spanische Staatsbonds messen, die das Vertrauen der Anleger in die Bonität Spaniens widerspiegeln. Zahlte Spanien Anfang des Jahres noch eine Rendite von mehr als fünf Prozent für eine zehnjährige Anleihe, so sind es jetzt nur noch vier Prozent.

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  • Was fuer ein oberflächlicher Artikel; Die Erfolge in der Wirtschaftspolitik sind das Ergebnis der Politik der EZB, dem "Verstecken" gigantischer Staatsschulden (Energie) in Nebenhaushalten oder unbezahlten Rechnungen (Pharma und Gesundheit), und der Abkehr weiter Bevölkerungsteile in die Schattenwirtschaft. Die Regierung selbst ist hoch korrupt (Barcenas) und von Ex- Francoanhaengern und Opus-Dei Mitgliedern durchsetzt, die das Land am liebsten 50 Jahre zurückversetzen wollen. Investitionsentscheidungen und Verwaltungsreformen werden auf die lange Bank geschoben, und wenn sie tatsaechlich erfolgen, dann nicht etwa zum Fortschritt des Landes, sondern um eigene Klientel zu befriedigen ( fehlende Schnellzugverbindung von Valencia nach Barcelona, aber AVE nach Galizien mit durchschnittlich 20 Fahrgaesten am Tag,). Diese Regierung ist eine Katastrophe fuer Spanien, leider sind Alternativen auch nicht in Sicht. Egomanen und aufgeblasene Gockel, weltfremde Nationalisten und Ideologen, daraus besteht die politische Klasse in diesem Land. Solange sich dies nicht aendert, wird Spanien- wenn es dann noch besteht (Katalonien), nicht aus der Krise kommen.

  • "Politker hat noch Interesse am Volk. Es geht doch hier nur noch darum den Investoren das Geld in den Hintern zu blasen "

    Und da bleibt es dann auch.

    Ein Politiker muss nicht "beliebt" sein, sondern er wird an seinen Ergebnissen gemessen, wie jeder andere im Grunde auch.
    Außerdem hat Rajoy ja eine hübsche Vertreterin :)

  • Natürlich wird Rajoy von seinen Kollegen gelobt.Den die sind mehr oder minder genauso korrupt wie er selber. Kein
    Politker hat noch Interesse am Volk. Es geht doch hier nur noch darum den Investoren das Geld in den Hintern zu blasen.Was bringt diese ganze Schönfärberei wen die Leute keine Arbeit haben? Und das noch auf Jahre hinaus.Das ist sozialer Sprengstoff, der irgendwann explodiert. Aber solange die Politikkaste gut versorgt ist, wird sich auch nichts ändern. Das Traurige ist nur, dass die Medien dieses abgekartete Spiel mitspielen, anstatt die ach so tollen Wirtschaftszahlen kritisch zu hinterfragen. Aber unsere Medien gehören ja auch Investoren, die ihre eigenen Interessen verfolgen

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