Spanischer Diplomat getötet
Neue Anschläge in Bagdad

Eine Welle der Gewalt hat den Irak am Donnerstag erschüttert. In Bagdad starben bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeistation und einem Attentat auf einen spanischen Diplomaten mindestens zehn Menschen.

HB BAGDAD. Im Stadtteil Sadr-Stadt sei ein Auto durch die Tore einer Polizeiwache auf das Gelände gerast und vor dem Gebäude explodiert, sagte ein irakischer Polizeisprecher. Dabei seien mindestens drei Polizisten und sechs Zivilisten getötet worden. Das spanische Außenministerium teilte zudem mit, ein Diplomat sei am Morgen vor seinem Haus erschossen worden. Nordöstlich der irakischen Hauptstadt starb ein US-Soldat bei einem Angriff auf einen Militär-Konvoi. US-Präsident George W. Bush hat in seiner Kampagne zur Rechtfertigung des Irakkrieges am Donnerstag erklärt, er habe die USA vor einem Wahnsinnigen schützen wollen.

Der Polizeisprecher sagte, zum Zeitpunkt des Anschlags hätten sich hunderte Menschen in der Wache befunden, um ihren Lohn abzuholen. Die Posten am Tor hätten versucht, das Auto mit Schüssen zu stoppen. Am Tatort lag ein Autowrack neben dem Gebäude. Sirenen heulten, zahlreiche Krankenwagen brachten Verletzte in Krankenhäuser. „Es war auf jeden Fall ein Selbstmordattentat“, sagte ein Polizist. „Wir haben den Kopf des Attentäters gefunden. Er wurde vom Rumpf abgerissen.“ In dem verarmten Stadtteil Sadr-Stadt - früher Saddam-Stadt - leben überwiegend schiitische Moslems.

Ein Sprecher des spanischen Außenministeriums sagte in Madrid, der Diplomat Jose Antonio Bernal sei am Vormittag vor seinem Haus getötet worden. Der 34-Jährige hinterlasse Frau und Tochter. Er war nach offiziellen Angaben Unteroffizier der Luftwaffe und habe für den Geheimdienst gearbeitet. Augenzeugen sagten, drei Männer seien vor dem Haus des Diplomaten aus einem Auto gestiegen. Einer von ihnen schien ein Geistlicher zu sein. Dieser habe an das Tor geklopft, und der Spanier habe barfuß und in Unterhosen geöffnet. Als der Spanier den Mann gesehen habe, sei er aus dem Haus geflohen. Der Attentäter habe den Diplomaten verfolgt und dabei ständig aus Pistolen geschossen, sagte ein anderer Augenzeuge. „Eine Kugel traf ihn in den Kopf, und er brach auf der Straße zusammen.“ Spanien gehörte zu den stärksten europäischen Befürwortern des Kriegs im Irak und hat dort 1300 Soldaten im Einsatz.

Wie eine Sprecherin des US-Militärs mitteilte, wurde in der Nacht zuvor ein US-Konvoi nahe der Stadt Bakuba 65 Kilometer nordöstlich von Bagdad angegriffen. Ein Soldat der 4. Infanteriedivision sei später in einem Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben. Bakuba liegt im so genannten sunnitischen Dreieck, in dem der Widerstand gegen die von den USA geführten Besatzungstruppen seit dem Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein besonders stark ist. US-Konvois werden dort fast täglich attackiert.

Wegen der anhaltenden Anschläge und der hohen Kosten des Irakkriegs ist Bush innenpolitisch unter Druck geraten, andere Staaten an dem Wiederaufbau zu beteiligen. Ein britisch- amerikanischer Entwurf einer UNO-Resolution ist im Sicherheitsrat jedoch auf Kritik gestoßen. Aus Diplomatenkreisen in New York verlautete am Donnerstag, Großbritannien könnte nun entgegen dem Willen der USA einer schnelleren Wiederherstellung der irakischen Souveränität zuzustimmen. Die USA haben jedoch größere Änderungen ausgeschlossen.

Bush sagte vor Angehörigen der Nationalgarde und Reservisten in New Hampshire: „Ich habe gehandelt, weil ich die Sicherheit des amerikanischen Volkes nicht in den Händen eines Wahnsinnigen liegen lassen wollte.“ Weiter sagte er: „Wer würde schon annehmen, dass die Welt besser wäre, wenn Saddam Hussein noch an der Macht wäre?“

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