International

_

Spannungen in Nahost: Nach Raketenangriffen steigt Kriegsangst

Der Nahost-Konflikt spitzt sich zu: Raketen fliegen auf Tel Aviv und Jerusalem, israelische Kampfflugzeuge greifen Ziele in Gaza an, eine Bodenoffensive wird vorbereitet. Bundeskanzlerin Angela Merkel beschuldigt die Hamas.

Tel AvivVergebliche Hoffnung auf eine Feuerpause: Am Freitagnachmittag ist in Jerusalem laut Hörfunkbericht Luftalarm ausgelöst worden. Im Großraum Jerusalem sei eine Rakete eingeschlagen. Dem Rettungsdienst zufolge gab es keine Verletzten. Am Vormittag heulten bereits in Tel Aviv heulen erneut die Sirenen des Luftalarms. Nach wenigen Sekunden war eine schwere Explosion zu hören.

Anzeige

Schon am Donnerstag war die israelische Metropole Ziel von Angriffen geworden. Bei dem jüngsten Raketenangriff habe es keine Opfer gegeben, teilte die Polizei am Freitag mit. Das Geschoss sei in einem unbewohnten Areal niedergegangen. Eine Armeesprecherin forderte die Einwohner über Lautsprecher auf, die Schutzräume wieder zu verlassen. Am Vortag war eine der von militanten Palästinensern im Gazastreifen abgefeuerten Raketen südlich der Stadt niedergegangen. Eine zweite schlug Medienberichten zufolge vor der Küste ins Mittelmeer ein.

Mögliche Folgen eines Krieges

  • Wie stark werden sich die Ägypter engagieren?

    In Ägypten bestimmt heute die Muslimbruderschaft den Kurs der Außenpolitik. Sie teilt die Ideologie der Hamas-Bewegung. Konkrete Unterstützung für die Palästinenser im Gazastreifen ist für sie selbstverständlich. Dafür riskiert die neue Führung in Kairo auch das Wohlwollen der USA und der EU. Dass sich Ägypten noch einmal in einen Nahost-Krieg stürzen würde, gilt jedoch als ausgeschlossen.

  • Was bedeutet der neue Kriegsschauplatz für die syrische Revolution?

    Die palästinensische Hamas-Bewegung unterhielt bis zum vergangenen Jahr gute Beziehungen zu Syrien. Die Exil-Führung der Hamas hatte ihren Hauptsitz in Damaskus. Sie wurde unterstützt vom Regime von Präsident Baschar al-Assad. Seitdem sich die Hamas auf die Seite der Revolutionäre gestellt hat, zu denen auch die ihr ideologisch nahestehende syrische Muslimbruderschaft gehört, ist das Tischtuch zerschnitten. Ein Krieg zwischen Israel und den militanten Palästinensern im Gazastreifen könnte den von vielen Beobachtern erwarteten Sturz von Präsident Assad verzögern. Denn die Bemühungen der arabischen und westlichen Partner der syrischen Opposition würden sich eine Zeit lang auf die Lage in Israel und den Palästinensergebieten konzentrieren.

  • Wird es an der Grenze zum Libanon ruhig bleiben?

    Der libanesische Staat und seine Armee würden sich auf jeden Fall heraushalten. Was die vom Iran aufgerüstete schiitische Hisbollah-Miliz betrifft, so ist schwer vorherzusagen, ob sie der Hamas durch die Eröffnung einer zweiten Front beistehen würde. Denn der Syrien-Konflikt hat die Fronten in der gesamten Region verschoben.

  • Nutzt der Konflikt dem Iran?

    Die Iraner können jetzt aus der Ferne zusehen, wie die von ihnen gelieferten Waffen in Israel die Alarmsirenen schrillen lassen. Vielleicht hat Teheran darauf spekuliert, dass Angriffe auf das eigene Staatsgebiet die israelische Regierung so beschäftigt halten, dass sie mittelfristig von einem Angriff auf iranische Atomanlagen absieht. Ob dieses Kalkül aufgeht, ist fraglich.

  • Betrifft die Eskalation im Gazastreifen auch die arabischen Monarchien?

    Für die arabischen Monarchen wäre ein Krieg einerseits eine willkommene Gelegenheit, um die Bürger im eigenen Land beschäftigt zu halten. Denn sowohl in Jordanien als auch in Kuwait, Bahrain und einigen Regionen von Saudi-Arabien kriselt es im Moment. Auf der anderen Seite könnte es auch zu Protesten unzufriedener Bürger kommen, die von ihren Herrschern mehr Engagement für die Palästinenser fordern. Die einzige Ausnahme bildet dabei Kuwait, wo es große Ressentiments gegen die Palästinenser gibt.

Auch der Besuchs des ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil im Gazastreifen hat die Gewalt zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensern nicht verhindern können. Nach palästinensischen Angaben starb ein 19-Jähriger bei einem israelischen Luftangriff. Ein dpa-Reporter in Gaza-Stadt sprach von drei schweren Explosionen durch Luftangriffe aus Israel während des Besuchs. Israel betonte dagegen, seit 8.00 Uhr MEZ nicht mehr angegriffen zu haben. Seit dem Beginn des Besuchs von Kandil seien aber mindestens 50 Raketen in Richtung Israel abgefeuert worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel machte unterdessen radikal-islamischen Hamas für die Gewalt verantwortlich. „Es gibt keinerlei Rechtfertigung für den Abschuss von Raketen auf Israel“, sagte Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in Berlin. Merkel appelliere an Ägypten, seinen Einfluss auf die Hamas zu nutzen und mäßigend auf die Gruppierung einzuwirken. Streiter lehnte eine Stellungnahme dazu ab, ob die Bundesregierung auch einen Einmarsch Israels im Gazastreifen als legitim betrachten würde. Israel hatte nach anhaltendem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen eine Offensive gestartet und das Palästinenser-Gebiet bombardiert.

Eskalation der Gewalt zwischen Gaza und Tel Aviv

  • 10. November 2012

    Palästinenser beschießen einen israelischen Panzerjeep am Grenzzaun und verletzen mehrere Soldaten. Israel reagiert mit einem Panzerangriff im Gazastreifen, bei dem nach palästinensischen Angaben mindestens 6 Menschen getötet werden. Als Antwort schlagen mehr als 100 Raketen und Mörsergranaten im Süden Israels ein.

  • 12. November

    Trotz einer vom ägyptischen Geheimdienst ausgehandelten Waffenruhe werden weitere Raketen vom Gazastreifen aus auf israelisches Gebiet abgeschossen.

  • 14. November

    Die israelische Luftwaffe tötet gezielt den Hamas- Militärchef Ahmed al-Dschabari. Bei mehr als 20 Luftangriffen der israelischen Offensive „Säule der Verteidigung“ sterben laut UN zehn Palästinenser. Zuvor waren mehr als 15 Raketen auf Israel abgefeuert worden, es gab mehrere Verletzte.

  • 15. November

    Der militärische Arm der Hamas in Gaza bezeichnet die Tötung Al-Dschabaris als „Kriegserklärung“ und kündigt massive Rache an. Von Gaza aus fliegen mindestens 245 Raketen nach Israel. Dabei werden drei Israelis getötet. Die israelische Armee wiederum hat seit Beginn der Offensive nach eigenen Angaben fast 230 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Am Abend wird erstmals seit 1991 Luftalarm in Tel Aviv ausgelöst. Wenige Stunden zuvor war eine Gaza-Rakete einige Kilometer südlich von der Mittelmeermetropole auf freiem Feld aufgeschlagen, eine andere soll laut Medienberichten explodiert und ins Meer gestürzt sein.

  • 16. November

    Auch während eines Besuchs des ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil in Gaza sterben laut Hamas Menschen durch israelische Luftangriffe. Israel betont dagegen, seit dem Morgen nicht mehr angegriffen zu haben. Seit dem Beginn des Besuchs von Kandil seien aber mindestens 50 Raketen in Richtung Israel abgefeuert worden. Tel Aviv wird erneut mit einer Rakete beschossen. Das Geschoss geht laut Polizei in einem unbewohnten Areal nieder. Israel hat inzwischen 16 000 Reservisten zu den Waffen gerufen. Auch Panzer und anderes schweres Gerät sind nach Rundfunkberichten auf dem Weg zum Gazastreifen.

Am Donnerstag heulten in Tel Aviv erstmals seit dem Golfkrieg 1991 die Luftalarm-Sirenen. Zugleich war eine dumpfe laute Explosion zu hören. Nach Medienberichten ging eine Gaza-Rakete im Mittelmeer nieder.

Nach den Raketenangriffen verstärkte die israelische Luftwaffe ihre Bombardements im Gazastreifen. Binnen einer Stunde seien rund 70 Raketenabschussrampen bombardiert worden, teilte das israelische Militär mit. Radikale Palästinenser feuerten weiterhin sporadisch Raketen Richtung Israel ab.

Die Zahl der Toten im Gazastreifen stieg auf 19. Auf israelischer Seite wurden drei Menschen getötet. Ein Baby sei im Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza-Stadt mit. Bei den Angriffen am Mittwoch wurde nach UN-Angaben auch ein Lehrer einer UN-Schule getötet.

Mehrere Tote Heftige Raketenangriffe auf Israel dauern an

Drei Menschen wurden am Donnerstag bei Raketenangriffen aus dem Gazastreifen getötet.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas brach seine Europareise ab und kehrte ins Westjordanland zurück. Die Vereinten Nationen und viele Regierungen weltweit warnten vor einer Verschärfung der Lage.

Israel begann mit der Mobilisierung seiner Reservisten, laut Militär könnten bis zu 30 000 Mann einberufen werden. Berichte über eine angeblich schon begonnene Bodenoffensive im Gazastreifen wurden aber von den Streitkräften und dem Außenministerium dementiert.
Auch in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer war von einem Eindringen israelischer Truppen nichts bekannt. Allerdings würden Soldaten in die Region verlegt, um für einen Einmarsch bereit zu stehen, sollte der Befehl kommen, sagte ein ranghoher Beamter in Tel Aviv.

Luftangriffe in Gaza UN-Sicherheitsrat beruft Sondersitzung ein

Nach der Tötung des Hamas-Kommandeurs eskaliert die Lage im Gaza-Streifen.

Etwa eine halbe Stunde vor dem Luftalarm hatte die israelische Armee den Einschlag einer Gaza-Rakete nur wenige Kilometer südlich von Tel Aviv auf freiem Feld bei Rischon Lezion bestätigt. Südliche Vorstädte wie Holon liegen nur etwa drei Kilometer entfernt. Die israelischen Streitkräfte dementierten am Abend jedoch Berichte über den Einschlag einer Gaza-Rakete im Großraum Tel Aviv.

Im Gazastreifen bekannten sich der bewaffnete Arm der dort herrschenden radikal-islamischen Hamas, die Kassam-Brigaden, und die militante Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad zum Raketenangriff auf Tel Aviv. Zwei Raketen vom iranischen Typ Fadschr-5 seien bei Rischon Lezion und in Jaffa eingeschlagen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation, deren Kommandeur am Vortag von Israel getötet worden war.

  • 15.11.2012, 19:40 Uhrkarstenberwanger

    Soll er doch kommen...der KRieg..es soll sich nur jeder andere Staat raushalten und die mal schön machen lassen, damit da endlich Ruhe ist. Da ist doch keiner besser als der andere...sollen sie es auch unter isch ausmachen.

  • Die aktuellen Top-Themen
„Das ist asozial“: Gabriel will Apple, Amazon und Google zügeln

Gabriel will Apple, Amazon und Google zügeln

Wirtschaftsminister Gabriel knöpft sich globale Datenkonzerne wie Google vor: Es gelte, den „Silicon-Valley-Kapitalismus zähmen“. Auch Innenminister de Maizière will die Datenriesen zähmen – und Profilsammlung verbieten.

Europäische Zentralbank: Staatsanleihenkäufe stehen „jetzt nicht“ an

Staatsanleihenkäufe stehen „jetzt nicht“ an

Auch wenn die EZB das Finanzsystem mit Milliarden fluten will, wird sie vorerst keine Staatsanleihekäufe machen. Die Wirkung der jüngsten geldpolitischen Maßnahmen würde erst geprüft. Geldspritzen werden aber folgen.

Vor jüngstem IS-Vormarsch: 45.000 Kurden in die Türkei geflohen

45.000 Kurden in die Türkei geflohen

Bis zu 1,4 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien halten sich zum Schutz vor der Terrormiliz Islamischer Staat in der Türkei auf, 45.000 Kurden sind dazugekommen: Sie sind vor dem jüngsten IS-Vormarsch geflohen.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International