Spannungen in Nahost: Nach Raketenangriffen steigt Kriegsangst

Spannungen in NahostNach Raketenangriffen steigt Kriegsangst

Der Nahost-Konflikt spitzt sich zu: Raketen fliegen auf Tel Aviv und Jerusalem, israelische Kampfflugzeuge greifen Ziele in Gaza an, eine Bodenoffensive wird vorbereitet. Bundeskanzlerin Angela Merkel beschuldigt die Hamas.

Tel AvivVergebliche Hoffnung auf eine Feuerpause: Am Freitagnachmittag ist in Jerusalem laut Hörfunkbericht Luftalarm ausgelöst worden. Im Großraum Jerusalem sei eine Rakete eingeschlagen. Dem Rettungsdienst zufolge gab es keine Verletzten. Am Vormittag heulten bereits in Tel Aviv heulen erneut die Sirenen des Luftalarms. Nach wenigen Sekunden war eine schwere Explosion zu hören.

Schon am Donnerstag war die israelische Metropole Ziel von Angriffen geworden. Bei dem jüngsten Raketenangriff habe es keine Opfer gegeben, teilte die Polizei am Freitag mit. Das Geschoss sei in einem unbewohnten Areal niedergegangen. Eine Armeesprecherin forderte die Einwohner über Lautsprecher auf, die Schutzräume wieder zu verlassen. Am Vortag war eine der von militanten Palästinensern im Gazastreifen abgefeuerten Raketen südlich der Stadt niedergegangen. Eine zweite schlug Medienberichten zufolge vor der Küste ins Mittelmeer ein.

Auch der Besuchs des ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil im Gazastreifen hat die Gewalt zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensern nicht verhindern können. Nach palästinensischen Angaben starb ein 19-Jähriger bei einem israelischen Luftangriff. Ein dpa-Reporter in Gaza-Stadt sprach von drei schweren Explosionen durch Luftangriffe aus Israel während des Besuchs. Israel betonte dagegen, seit 8.00 Uhr MEZ nicht mehr angegriffen zu haben. Seit dem Beginn des Besuchs von Kandil seien aber mindestens 50 Raketen in Richtung Israel abgefeuert worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel machte unterdessen radikal-islamischen Hamas für die Gewalt verantwortlich. „Es gibt keinerlei Rechtfertigung für den Abschuss von Raketen auf Israel“, sagte Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in Berlin. Merkel appelliere an Ägypten, seinen Einfluss auf die Hamas zu nutzen und mäßigend auf die Gruppierung einzuwirken. Streiter lehnte eine Stellungnahme dazu ab, ob die Bundesregierung auch einen Einmarsch Israels im Gazastreifen als legitim betrachten würde. Israel hatte nach anhaltendem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen eine Offensive gestartet und das Palästinenser-Gebiet bombardiert.

Am Donnerstag heulten in Tel Aviv erstmals seit dem Golfkrieg 1991 die Luftalarm-Sirenen. Zugleich war eine dumpfe laute Explosion zu hören. Nach Medienberichten ging eine Gaza-Rakete im Mittelmeer nieder.

Nach den Raketenangriffen verstärkte die israelische Luftwaffe ihre Bombardements im Gazastreifen. Binnen einer Stunde seien rund 70 Raketenabschussrampen bombardiert worden, teilte das israelische Militär mit. Radikale Palästinenser feuerten weiterhin sporadisch Raketen Richtung Israel ab.

Die Zahl der Toten im Gazastreifen stieg auf 19. Auf israelischer Seite wurden drei Menschen getötet. Ein Baby sei im Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza-Stadt mit. Bei den Angriffen am Mittwoch wurde nach UN-Angaben auch ein Lehrer einer UN-Schule getötet.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas brach seine Europareise ab und kehrte ins Westjordanland zurück. Die Vereinten Nationen und viele Regierungen weltweit warnten vor einer Verschärfung der Lage.

Israel begann mit der Mobilisierung seiner Reservisten, laut Militär könnten bis zu 30 000 Mann einberufen werden. Berichte über eine angeblich schon begonnene Bodenoffensive im Gazastreifen wurden aber von den Streitkräften und dem Außenministerium dementiert.
Auch in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer war von einem Eindringen israelischer Truppen nichts bekannt. Allerdings würden Soldaten in die Region verlegt, um für einen Einmarsch bereit zu stehen, sollte der Befehl kommen, sagte ein ranghoher Beamter in Tel Aviv.

Etwa eine halbe Stunde vor dem Luftalarm hatte die israelische Armee den Einschlag einer Gaza-Rakete nur wenige Kilometer südlich von Tel Aviv auf freiem Feld bei Rischon Lezion bestätigt. Südliche Vorstädte wie Holon liegen nur etwa drei Kilometer entfernt. Die israelischen Streitkräfte dementierten am Abend jedoch Berichte über den Einschlag einer Gaza-Rakete im Großraum Tel Aviv.

Im Gazastreifen bekannten sich der bewaffnete Arm der dort herrschenden radikal-islamischen Hamas, die Kassam-Brigaden, und die militante Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad zum Raketenangriff auf Tel Aviv. Zwei Raketen vom iranischen Typ Fadschr-5 seien bei Rischon Lezion und in Jaffa eingeschlagen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation, deren Kommandeur am Vortag von Israel getötet worden war.

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