Sparkurs führt in Depression
Weimarer Verhältnisse in Griechenland

Mit dem harten Sparprogramm steuert Griechenland auf eine Depression zu – so extrem wie 1930er Jahren in Deutschland oder den USA. Experten fordern daher von der EU, das Ruder rasch umzulegen.
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AthenGriechenland driftet in eine ähnliche Abwärtsspirale wie die USA und Deutschland während der Weltwirtschaftskrise in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren. Der Versuch, mit Sparprogrammen die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, bringt große Gefahren mit sich, zeigt der historische Vergleich.

In den vergangenen vier Jahren ist die griechische Volkswirtschaft um 18,4 Prozent geschrumpft. Und auch für das nächstes Jahr erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung um vier Prozent. Denn Griechenland muss Schulden abbauen - denn das gehört zu den Bedingungen für die Hilfsprogramme. Einen vergleichbaren Produktionsrückgang hat es in Industrieländern seit mindestens drei Jahrzehnten nicht mehr gegeben.

„Die Sparprogramme haben die Steuereinnahmen einbrechen lassen und daher den beabsichtigten Effekt vereitelt“, erklärt Charles Dumas, Vorsitzender des Beratungsunternehmens Lombard Street Research in London. „Es gibt jedoch keine Möglichkeit, die Sparprogramme zu umgehen, weil sie nicht kreditfähig sind. Die Defizite sind nun mal da.“

Die Spekulationen auf weitere Hilfsgelder für Griechenland haben den Anleihen des Staates Rückenwind gegeben. Die 2023 fälligen Griechenland-Bonds, die Ende Mai noch mit mehr als 30 Prozent rentierten, weisen derzeit eine Rendite von 16,4 Prozent auf. Die nächste Rate an Hilfszahlungen in Höhe von 31 Mrd. Euro soll vor allem für die Rekapitalisierung der Banken verwendet werden.

Allerdings haben die Senkungen von Löhnen und Renten angesichts der schrumpfenden Wirtschaft die Spannungen in Athen und anderen griechischen Städten verschärft. Die ausländerfeindliche Partei Chrysi Avgi, deren Insignien einem Hakenkreuz ähneln, hat bei den Wahlen 18 Sitze im Parlament errungen.

Laut Umfragen ist sie die drittbeliebteste Partei in Griechenland und wird von rund 14 Prozent der Wähler unterstützt. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums findet sich die vom Marxismus inspirierte Syriza. Eine ähnliche Konstellation gab es im Deutschland der Weimarer Republik, als sich Nationalsozialisten und Kommunisten gegenüberstanden.

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  • ...wer glaubt, dieses zunehmende Chaos in Europa sei Dummheit der Mächtigen ist naiv.

    Gut, vielleicht ist der eine oder andere Politiker etwas durch Tunnelblick behindert. Aber Leute wie Schäuble wissen genauso wohin die Reise gehen soll und das Schiff ist schnurgerade auf Kurs.

    Das wirtschaftliche und damit gesellschaftliche Chaos ausgelöst durch den EURO wird genau das ermöglichen, was das Ziel ist: Die Schaffung eines neuen Superstaates. Ein Traum für die Elite und ein Alptraum für die Menschen.

  • Irgendwie witzig, dass anscheinend alle immer sooooo überrascht davon sind ... seit 80 Jahren sollte man es doch eigentlich besser wissen ... ich glaube allerdings nicht, dass all die Experten das nicht ahnen konnten, ich denke es ist pure Absicht !!!

  • @Illoinen
    "Es ist in Deutschland offenbar Allgemeingut, dass der wirtschaftlicher Erfolg eines Landes heißt, andere Länder wirtschaftlich niederkonkurrieren."

    Aufwachen werter Illoinen, genau das nennt sich Marktwirtschaft. Und die Entscheidungen was für ein Produkt er kaufen möchte trifft immer der Kunde.
    Und weil viele deutsche Produkte kaufen, Deutschland nun einen Vorwurf zu machen ist absurd.

    Statt dieses nun lautstark zu beklagen sollten die Südländer lieber mal in die Hand spucken und selber anpacken.

    "Nur so kann man das deutsche Beharren auf Austerität überhaupt verstehen."

    Wir beharren überhaupt nicht auf Austerität. Sie können auch gerne auf unsere "Hilfskredite" verzichten und versuchen selber klarzukommen.
    Wer sich aber "helfen" lässt, kann wohl aber auch die Bedingungen dieser "Hilfe" akzeptieren und sich dran halten.

    Mir persönlich sind auch diese "Hilfskredite" ein Greuel weil es an der Situation der Euro Südländer garnichts ändert, sondern nur die Agonie verlängert. Das Geld der "Hilfen" sehen wir von unseren "Freunden" eh niemals wieder.

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