Sparkurs in Dubai
Der überhitzte Bauboom wird zum Alptraum

Die Regierung in Dubai setzt auf eine bisher unbekannte Nüchternheit. Viele Firmen bekommen den Sparkurs schon jetzt zu spüren. Große Projekte werden auf die lange Bank geschoben, Investitionen zurückgefahren. Während Dubai zurückfällt, starten andere durch. Die Finanzkrise offenbart die wahre Stärke der Emirate am Golf.

DUBAI. Für Immobilien-Anleger wie Tommy Carlsson ist Dubai zum Alptraum geworden. "Viele Investoren haben 20 bis 50 Prozent der Kaufsumme in Häuser und Wohnungen gesteckt, mit deren Bau noch nicht einmal begonnen wurde", wettert der Schwede. "Entwicklungs-Gesellschaften wollen Verträge einfach beenden und die bereits gezahlten Gelder einstreichen." Wertlose Sandflächen statt satter Renditen.

Carlsson hat mit Gleichgesinnten eine Gruppe gegründet und will nun einen Anwalt einschalten. Die Protestler sehen sich als Opfer eines neuen Gesetzes. Es besagt, dass Immobilien-Käufer 30 Prozent des Objekt-Werts abschreiben müssen, wenn sie ihre Überweisungen an die Unternehmen einstellen. Das trifft Spekulanten, die seit der Abkühlung des Bau-Booms in der Klemme sitzen. Die Banken geben keine Kredite mehr, die Interessenten sind wegen der fallenden Preise vom Markt verschwunden. Viele Wohnungsbesitzer können weder ihre Verpflichtungen erfüllen noch verkaufen.

In der Vergangenheit war das alles kein Problem: Billiges Geld floss in Strömen, Anleger ergatterten ein Apartment vom Plan, zahlten fünf Prozent an und stießen ihr Objekt nach wenigen Wochen mit 100 Prozent Gewinn ab. Der nächste Käufer durchlief die gleiche Prozedur und machte immer noch einen exzellenten Schnitt. Innerhalb von fünf Jahren vervierfachten sich die Wohnungspreise. Dubai wurde zum Paradies für Zocker und Schnäppchenjäger. Doch nun ist der Traum vom schnellen Reichtum geplatzt.

Die Regierung des Emirats rief zu einer neuen Nüchternheit aufgerufen. "Wir klopfen unsere Ausgaben auf Prioritäten ab und konsolidieren unsere Aktivitäten", erklärt Mohammed Alabbar, der Vorsitzende eines hochrangigen Beratungsgremiums von Scheich Mohammed, das die Auswirkungen der globalen Finanzkrise untersuchen soll. Strategisch bedeutsame Vorhaben wie der neue Flughafen oder die U-Bahn würden durchgezogen, sagt Alabbar, der auch Präsident des Entwicklungskonzerns Emaar ist. Andere Projekte kämen auf den Prüfstand. Das Bruttosozialprodukt, das zuletzt Wachstumsraten von um die 14 Prozent erzielte, könne 2009 auf sechs bis neun Prozent schrumpfen. Bislang machte der Immobilien-Sektor rund ein Drittel der Wirtschaftsleistung aus und lag vor Tourismus und Handel.

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