Sparpläne in Gefahr: Irland droht Haushalts-Fiasko

Sparpläne in Gefahr
Irland droht Haushalts-Fiasko

Die Zweifel an der Finanzkraft Irlands haben neue Nahrung erhalten: Dem Land droht nach Einschätzung der nationalen Zentralbank ein Scheitern bei der geplanten Haushaltssanierung. Als Gründe nannte die Notenbank die holprige Konjunkturentwicklung sowie die hohen Kosten für Kredite und Bankenrettungen.
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HB DUBLIN. Irland werde daher die EU-Haushaltsziele bis 2014 wohl nicht wie geplant erreichen, teilte die Zentralbank am Montag mit. Eine gewisse Neuausrichtung der Haushaltspolitik sei für die nächsten Jahre unter bestimmten Bedingungen schon bald unerlässlich, sagte Notenbankchef Patrick Honohan.

Die irische Regierung hatte am Freitag Gerüchte dementiert, das Land benötige angesichts der klammen Staatsfinanzen eine Geldspritze aus dem Ausland. Der Internationale Währungsfonds (IWF) stärkte Irland den Rücken.

An den Finanzmärkten herrschen derzeit indessen große Sorgen über den Zustand der irischen Staatsfinanzen, die vor allem von der Milliarden-Sanierung des maroden Bankensektors stark strapaziert werden. Und nicht nur der Inselstaat läuft Gefahr wieder tief in die Krise zu rutschen. Die Risikoaufschläge für Papiere aus Irland, Portugal oder Griechenland näherten sich am Freitag wieder den Rekorden an, zu denen sie monatelang Distanz gehalten hatten. Die Gemeinschaftswährung verlor umgehend an Wert. Die Investoren stießen Euros ab und signalisierten damit, dass sie kein Risiko mittragen wollen.

Dass Irland noch immer mit den Aufräumarbeiten aus der Finanzkrise kämpft, war aber nur ein Grund zur Sorge. Da sich im zweiten Halbjahr der Aufschwung verlangsamt, fragen die Investoren sich, ob das in den ohnehin wachstumsschwächeren Staaten am Rande der Euro-Zone nicht sogar eine Stagnation nach sich zieht.

„Wir haben den größten Waldbrand gelöscht, aber es gibt noch ein paar kleinere Feuer, die bei starkem Wind wieder aufflammen können“, sagt ein europäischer Vertreter, der mit im Zentrum der Löscharbeiten steht. Ein Luftzug könnte beispielsweise entstehen, wenn Zweifel daran entstehen, ob Griechenland und Portugal ihre Ziele für den Schuldenabbau in diesem Jahr erreichen. Ihr Sparkurs wirkt wie ein Dämpfer auf die Wirtschaft und der Einnahmestrom für den Staat hat deutlich nachgelassen.

Oder wenn Irland bis Anfang Oktober feststellt, ob es tatsächlich nochmals 25 Mrd. Euro in eine seiner größten Banken, die Anglo Irish, stecken muss. „Wir arbeiten uns noch durch die letzte Phase der Finanz- und Schuldenkrise“, sagte Marco Annunziata, Chef-Volkswirt der italienischen Großbank UniCredit. „Es gibt ähnliche Sorgen wie im April und Mai, aber sie sind lange nicht so groß wie damals.“ Die Euro-Zone hat für angeschlagene Mitglieder ein Rettungspaket über 440 Mrd. Euro geschnürt, das einsatzbereit ist. Im Notfall trägt Deutschland - die größte und stärkste Volkswirtschaft der Euro-Zone - den dicksten Batzen.

Unter den Wackelkandidaten des Währungsgebiets hat sich Spanien in den vergangenen Monaten das meiste Vertrauen zurückerobert. Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone muss derzeit nur wenig mehr als Deutschland dafür bezahlen, dass die Investoren ihr Kredit geben. Irland sorgt dagegen mit seinen Bankenproblemen immer wieder für Bauchgrimmen. Wenn der Staat sich nochmals belasten muss, fehlen die Mittel an anderer Stelle. „Es hält sich die Unsicherheit, wieviel Geld noch gebraucht wird, das Bankensystem zu rekapitilisieren“, sagt Annunziata. „Damit bleibt das Risiko einer Umschuldung in Griechenland, Portugal und Irland.

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