SPD-Politiker Weisskirchen hält Eskalation im Atomstreit mit dem Iran für möglich
„Dies ist die letzte Warnung an Teheran“

Der Iran hat mit dem Weiterbau der atomaren Zentrifuge einen „hochgradig gefährlichen Weg“ eingeschlagen. Davor hat der außenpolitische Sprecher der SPD, Gert Weisskirchen, gewarnt. Teheran gehe offenbar davon aus, dass es sich bei den westlichenAufforderungen zur Offenlegung seines Atomprogramms um eine dritt- und zweitletzte Warnung handele.

BERLIN. „Doch in Wirklichkeit ist es die letzte Warnung“, sagte Weisskirchen. Alle technischen Daten zeigten, dass Iran kurz davor stehe, die einzelnen getrennt hergestellten Elemente der Zentrifuge zusammenfügen zu können. Diese gilt als wichtiger Baustein, um Uran auch für eine militärische Nutzung anzureichern. Der Iran hatte am Wochenende mitgeteilt, sich nicht mehr an die mit den Europäern getroffene Vereinbarung halten zu wollen. Darin hatte das Land zugesagt, auf den Weiterbau der Zentrifuge zu verzichten.

Die Situation sei hochgradig gefährlich – vor allem für den Iran selbst, warnte Weisskirchen. „Man sollte sich in Teheran keinerlei Selbsttäuschung hingeben: Ein sich in die Ecke gedrängt fühlendes Israel wird dies ganz alarmiert betrachten.“ Weisskirchen wollte nicht präzisieren, ob er damit die Gefahr eines israelischen Angriffs auf iranische Atomaranlagen meinte. „Aber Iran muss sehr genau wissen, auf welchem abschüssigem Terrain es sich gegenwärtig befindet.“

Tatsächlich hatte der israelische Regierungschef Ariel Scharon in den vergangenen Tagen mehrfach betont, Israel verfüge über die Mittel, sich zu verteidigen. Dies war von internationalen Beobachtern als warnender Hinweis verstanden worden, dass Israel wie 1981 im Irak auch militärisch gegen atomare Anlagen im Iran vorgehen könnte, von denen es sich bedroht fühlt.

Der iranische Verteidigungsminister Ali Schamchani wiederum hatte erst kürzlich in einem Gespräch mit der iranischen Nachrichtenagentur ISNA Israel attackiert. „Es ist offensichtlich, dass Israel allen entwicklungspolitischen Zielen des Iran feindselig gegenübersteht“, sagte Schamchani. „Wir haben aber das Potenzial, uns gegen einen israelischen Erstschlag zu verteidigen.“

Schamchani, der Mitglied des Obersten Nationalen Sicherheitsrates ist, verteidigte auch die atomare Bewaffnung Pakistans. Das Land habe sein Atomprogramm im Rahmen seiner Verteidigungsstrategie verfolgt, da es sich bedroht fühle. Das ebenfalls atomar ausgerüstete Israel handele dagegen im Sinne einer „Logik der vernichtenden Macht“. Die Aktivitäten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA würden deshalb zwar akzeptiert, Man wende sich jedoch gegen eine „selektive internationale Diskriminierung“.

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