Spekulation über Präsidentennachfolge
Putin stellt die Weichen

Mit der Entlassung seiner Regierung hat der russische Präsident Wladimir Putin das Personalkarussell im Vorfeld der Parlaments- und Präsidentschaftswahl in Gang gesetzt. Zur Nachfolge von Ministerpräsidenten Michail Fradkow nominierte Putin den Chef der Obersten Finanzaufsicht, Wiktor Subkow. Damit durchkreuzte der Präsident Spekulationen, er wolle seinen Vertrauten Sergej Iwanow an die Spitze der Regierung stellen, damit dieser sich für das Präsidentenamt profilieren könne.

law/tom/HB DÜSSELDORF. Fradkow erklärte, er habe wegen der nahenden Wahlen um seine Entlassung gebeten, um Putin in Personalfragen freie Hand zu geben. Der Präsident erklärte, es sei richtig, darüber nachzudenken, wie die Regierung so aufgestellt werden könne, dass sie das Land für die Zeit nach der Parlaments- und Präsidentenwahl vorbereiten könne. Nach Angaben von Duma-Präsident Boris Gryslow soll das Parlament am Freitag über den überraschenden Personalvorschlag debattieren.





» Aussagen Putins und Fradkows auf der Seite des Kreml





Am 2. Dezember wird das russische Parlament neu gewählt. Dabei gilt es als unstrittig, dass die Kreml-treuen Parteien das Rennen unter sich ausmachen. Im März 2008 soll dann ein neuer Präsident gewählt werden. Putin hatte mehrfach erklärt, er werde die Verfassung nicht ändern lassen, die ihm eine dritte Amtszeit verwehrt. Bislang werden Sergej Iwanow, einer der beiden Ersten Vize-Ministerpräsidenten, und sein Kollege Dmitri Medwedew als Putin-Nachfolger gehandelt. Putin hatte jedoch angedeutet, dass er noch einen Überraschungskandidaten in der Hinterhand haben könnte.

Als Premier rückt Subkow nach Ansicht von Beobachtern in eine starke Position bei der Nachfolge Putins. Allerdings ist der Finanzexperte bereits 65 Jahre alt und gilt daher als Übergangskandidat. Als Leiter des Föderalen Dienstes für Finanzkontrolle ist er unter anderem für den Kampf gegen Geldwäsche zuständig. Subkow galt in Russland bislang als Politiker der zweiten Reihe. Der Ökonom hatte zu Sowjetzeiten einen staatlichen Agrarbetrieb, eine Sowchose, geleitet. Anfang der 1990er Jahre arbeitete Subkow unter Putin in der Stadtverwaltung von St. Petersburg. Die Leitung der russischen Finanzaufsichtsbehörde übernahm er 2001.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, er gehe davon aus, dass sich die Ereignisse in Moskau auf dem Boden der Verfassung abspielten.

Die Nominierung Subkows überraschte selbst Experten. „Offenbar ist ein Machtkampf um Putins Nachfolge entbrannt und eine endgültige Entscheidung noch nicht gefällt“, sagte Natalja Orlowa, Chefvolkswirtin der Alfa-Bank in Moskau.

Putin selber darf der Verfassung zufolge nach zwei Amtszeiten bei der Präsidentenwahl nicht mehr antreten. Die Parlamentswahl findet am 2. Dezember statt, etwa drei Monate später entscheiden die Russen über ihren neuen Präsidenten.

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