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Spekulation um Alaska-Gouverneurin: Palin fischt nach der Präsidentschaft

Sarah Palin sorgt für Verwirrung. Weil sie von ihrem Amt als Gouverneurin zurücktrat, dachten alle, sie wolle wohl bald Präsidentin werden. Aber stimmt das? Über die politischen Folgen eines affektiven Rücktritts.

Was hat sie vor? Sarah Palin, Gouverneurin von Alaska. Quelle: ap
Was hat sie vor? Sarah Palin, Gouverneurin von Alaska. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Sarah Palin ist der lebende Widerspruch. Den Schmuck hat sie abgelehnt, die Mähne im Pferdeschwanz gezähmt, über dem weißen T-Shirt trägt sie eine Anglerhose bis hinauf zu den Achseln. Gleich wird sie mit einem Trupp ausgewählter Journalisten auf die Bristol Bay rausfahren und Schleppnetze herausziehen, die voller Sockeye-Lachse sind. Das ist die „harte, ehrliche Arbeit, die die Menschen in Alaska so lieben“, sagt die zierliche Noch-Gouverneurin, die beinahe Amerikas Vizepräsidentin geworden wäre.

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Aber vor dem harten Fischfang fährt Sarah Palin nochmal ihre sorgsam weiß-lackierten langen Fingernägel aus und erteilt all ihren Kritikern in den Medien und der eigenen Partei eine Lektion. Die hätten ihre politische Karriere und ihre Familie zerstören wollen – doch sie werde sich von diesen „alten politischen Mechanismen“ nicht unterkriegen lassen, sprudelt sie gewohnt aufgekratzt in die Mikrofone. Aber was will sie selbst?

Um das zu erklären hatte die 45-jährige, die im Wahlkampf 2008 an der Seite von John McCain für Furore sorgte, vier der großen US-Networks nach Dillingham an Alaskas Küste geladen. Am Wochenende zuvor hatte sie für Freund und Feind völlig überraschend angekündigt, dass sie ihren Gouverneursjob 18 Monate vor der Zeit hinwirft. Die Begründung: Sie sei keine Drückebergerin – und da sie sich entschlossen habe, 2010 nicht wieder anzutreten, könne sie ihren Untertanen keine lahme Ente an der Spitze des Staates zumuten. Alles klar?

Seither brodeln die Spekulationen: Bereitet Palin ihre eigene Präsidentschaftskandidatur für 2012 vor? Will sie weiteren peinlichen Enthüllung über ihre bizarre Amtsführung in Anchorage zuvorkommen? Oder hat sie einfach die Nase voll von der Pressemeute und will Kasse machen?

Auf eindeutige Fragen der Reporter gibt die Schreckschraube der US-Politik dezidiert konfuse Antworten: Zeit ihres Lebens habe sie dem Gemeinwohl gedient – und das werde sie „mit oder ohne offizielles Amt“ auch weiter machen. Was heißt das für 2012, setzt der CNN-Reporter nach? „Alle Optionen liegen auf dem Tisch. Aber noch habe ich keine Ahnung, was die Zukunft bringt.“ Das scheint der Wahrheit ziemlich nahe zu kommen.

Alle Indizien sprechen dafür, dass die Rücktrittserklärung eine Affekthandlung war, eher ein „Verkehrsunfall denn der Start einer Präsidentschaftskandidatur“, urteilt Adam Nagourney in der New York Times. Palin will die öffentlichen Anschuldigungen abschütteln, die ihr seit der Rückkehr aus der großen Welt in Alaska das Leben schwer machen – und Geld verdienen, um ihre hohen Anwaltskosten zahlen zu können. Einen Millionen Dollar schweren Buchvertrag hat sie bereits abgeschlossen, CNN will sie angeblich als Kommentatorin unter Vertrag nehmen.

Damit bliebe sie im nationalen Rampenlicht und könnte abwarten, was sich in der zweiten Hälfte der Amtszeit von Präsident Barack Obama so tut. Zwar hat ihr Republikaner-Chef Michael Steele bereits die Befähigung für das Weiße Haus abgesprochen, aber im konservativen Flügel der Grand Old Party hat Palin noch immer viele Verehrer – und an der Basis wünschen sich zwei Drittel der Republikaner, so eine frische Umfrage von Gallup, dass Palin weiter eine wichtige politische Rolle auf nationaler Ebene spielt.

Ob sie diese Chance bekommt, hängt vor allem von ihren potenziellen Konkurrenten ab. Und die sind entweder sehr blass – oder in Liebesaffären verstrickt.

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