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Spekulationen: Dollar-Flut ängstigt Schwellenländer

Die relativ hohen Zinsen in großen Schwellenländern machen es für Anleger lukrativ, sich in den USA Geld zu leihen und in den Hochzinsländern zu investieren. Asien und Brasilien wollen sich nun gegen den enormen Zustrom spekulativen Kapitals zur Wehr setzen.

Die Zinsdifferenzen sind für Spekulanten verlockend. Quelle: Reuters
Die Zinsdifferenzen sind für Spekulanten verlockend. Quelle: Reuters

dih/fmk/huh/abu. DÜSSELDORF/TOKIO/NEU-DELHI/SAO PAULO. Führende Schwellenländer reagieren mit Eingriffen in den Kapitalmarkt gegen den anschwellenden Zufluss internationalen Geldes. Sie befürchten das Entstehen von Vermögenspreisblasen und eine übermäßige Aufwertung ihrer Währungen. Diese könnte die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportindustrien beschädigen.

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Auslöser des Geldstroms ist die extreme Niedrigzinspolitik vor allem der US-amerikanischen Notenbank. Sie treibt Investoren auf der Suche nach attraktiven Renditen aus dem Land.

Spekulanten nutzen die teils enormen Zinsdifferenzen zwischen den USA und Schwellenländern aus: Sie leihen sich Milliarden US-Dollar und investieren sie in Aktien, Staatsanleihen und Immobilien in Ländern wie Brasilien, Indien und Indonesien. Die höheren Wachstumsraten in diesen Ländern im Vergleich zur schleppenden Erholung in den USA tun ein Übriges, um solche Investitionen attraktiv zu machen.

Dollar hat Yen als Währung der Spekulanten abgelöst

Der Dollar wird seit dem Sommer immer mehr für diese Geschäfte eingesetzt, die im Finanzmarktjargon als „Carry Trades“ bezeichnet werden. Bis zur Finanzkrise war jahrelang der japanische Yen die favorisierte Währung, denn in Japan waren schon vor der Krise die Zinsen sehr niedrig. Auf dem Höhepunkt der Krise unterbrach jedoch eine Flucht in Sicherheit – und das heißt noch immer in Dollar – diesen Trend. Doch nach weltweiten starken Kursgewinnen quer durch die Anlageklassen haben die Anleger wieder Vertrauen gefasst und schätzen nun die Risiken eines verstärkten Engagements in Schwellenländern als beherrschbar ein.

Die neu entdeckte Liebe geht den aufstrebenden Industrieländern allerdings zu weit. Vor zwei Wochen hat bereits die brasilianische Regierung ausländischen Anlegern eine zweiprozentige Steuer auf den Erwerb von Aktien und Anleihen in Brasilien aufgebrummt. Jetzt schloss sie mit einer Steuer auf den Umtausch in den USA notierter Anteilsscheine an brasilianischen Konzernen gegen in Brasilien notierte Aktien ein Schlupfloch.

Das Ziel ist es, spekulative Übertreibungen an der Börse in Sao Paulo zu dämpfen: Der dortige Aktienindex hat in Dollar gerechnet seit Jahresbeginn um 137 Prozent zugelegt. Die Landeswährung Real ist rund 50 Prozent mehr wert als vor Jahresfrist. Das droht die Exporte zu belasten.

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