Spekulationen nach dem Anschlag auf die Wohnanlage in Riad
USA: El Kaida will Königshaus stürzen

Die US-Regierung stellte am Montag im Hinblick auf den Anschlag in Riad Mutmaßungen an, dass die radikale Moslem-Organisation El Kaida das saudi-arabische Königshaus stürzen wolle.

HB DUBAI/RIAD/DEN HAAG. „Für mich ist eindeutig, dass die El Kaida die Königsfamilie und die Regierung von Saudi-Arabien stürzen will“, sagte US-Vize-Außenminister Richard Armitage dem arabischen Fernsehsender „El Arabija“ in einem am Montag ausgestrahlten Interview. „El Kaida richtet seine terroristischen Aktivitäten gegen die Regierung und das Volk Saudi-Arabiens“, sagte Armitage außerdem in der Nacht zum Montag nach einem Gespräch mit Kronprinz Abdullah Ibn Abdelasis in der Hauptstadt Riad.

Für ihn gebe es keinen Zweifel, dass der jüngste Anschlag in Riad die Handschrift des Terrornetzwerks von Osama bin Laden trage. „Diese Explosion wird nicht die einzige und nicht die letzte gewesen sein“, fügte Armitage hinzu. Zu den Terrorwarnungen, die sein Ministerium dazu bewogen hatten, die US-Botschaft in Riad und das Konsulat am Samstag zu schließen, erklärte er: „Die Botschaft wurde nicht geschlossen, weil es konkrete Drohungen gegen sie gab, sondern wegen allgemeiner Drohungen, über die man auch auf saudischer Seite informiert war“. Armitage lobte dennoch die Bemühungen der saudischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den Terrorismus.

In der Nacht zum Sonntag hatten vermutlich El-Kaida-Mitglieder in Riad bei einem Anschlag auf ein Wohnquartier für Ausländer mindestens 17 Menschen getötet und etwa 120 verletzt.

Der niederländische konservative Telegraaf schloss sich am Montag den Vermutungen von Armitage an: „Aus allem wird deutlich, dass ein Kampf auf Leben und Tod zwischen (dem Terrornetzwerk) El Kaida und den hunderten saudischer Prinzen wütet, die bisher über das Königreich herrschten. In diesem Kampf sind erstmals bewusst Muslime getötet worden. Dies ist ein Zeichen, dass Osama bin Laden, der selbst aus einer reichen saudi-arabischen Familie stammt, nicht mehr mit dem Abzug von aus dem Westen stammenden Ungläubigen zufrieden ist."

In jüngsten Videobändern hatte Bin Laden erklärt, dass er für die königliche Familie nur einen Weg sehe, nämlich jenen, den der Schah Irans gegangen sei, als er durch eine islamische Revolution aus seinem pro-westlichen Land vertrieben wurde, hieß es im Telegraaf weiter. Möglicherweise wollten die Attentäter aber auch erreichen, dass alle ausländischen Arbeitnehmer das Land verlassen. Dadurch geriete die Wirtschaft weiter in Schwierigkeiten, vermutet der Telegraaf.

Auch einen Tag nach dem Anschlag wurden die Rettungsarbeiten fortgesetzt. „Die Suche und die Ermittlungen gehen weiter“, sagte ein Vertreter des Innenministeriums im staatlichen Fernsehen. Die USA warnten unterdessen, dass El Kaida auf weitere solche Selbstmordanschläge aus sei. Die USA hatten noch am Freitag vor einem drohenden Anschlag in Saudi-Arabien gewarnt und ihre diplomatischen Vertretungen in dem Königreich vorübergehend geschlossen.

Die als saudiarabische Sicherheitskräfte getarnten Attentäter hatten sich Augenzeugenberichten zufolge den Weg in die bewachte Siedlung freigeschossen und mindestens ein Auto zur Detonation gebracht. In dem Wohngebiet leben nach Angaben der Wohnleitung auch einige europäische und amerikanische Ausländer.

Der saudiarabische Botschafter in Großbritannien, Prinz Turki el Faisal, sprach in einem Interview von einer Verzweiflungstat der El Kaida. Dass sie ein solch leicht bewachtes Ziel angegriffen habe, zeuge davon, dass sie verzweifelt darum bemüht sei, sich zu beweisen. „Ich denke es zeigt das Maß ihrer Verzweiflung und die Tatsache, dass sie sich bewusst sind, dass sie von den Behörden hart verfolgt werden“, fügte er hinzu. Der Botschafter verwies insbesondere darauf, dass in den vergangenen sechs Monaten viele El-Kaida-Mitglieder verhaftet und Waffenlager ausgehoben worden seien.

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