Spekulationen über Polit-Comeback
Joschka Fischer erklärt Europa

Ein Auftritt ganz nach dem Geschmack des Gastprofessors aus Princeton: Mit einer „Rede zu Europa“ hat sich Ex-Außenminister Joschka Fischer wieder politisch zu Wort gemeldet. Ganz in seinem Element erklärte er die Welt und die EU im besonderen. Prompt mehren sich Spekulationen, der Auftritt sei der Startschuss zu einem möglichen Polit-Comeback.

BERLIN. Vergessen waren die Pflichttermine in diversen Untersuchungsausschüssen in den vergangenen Monaten: An diesem Abend war Joschka Fischer ganz der Alte - Top-Diplomat, Grünen- Übervater und Polit-Schwergewicht in einem. Uns so konnte sich Fischer vor mehreren hundert Parteigenossen und zahlreichen Journalisten ganz der Kür widmen: der Weltpolitik im allgemeinen und der Europapolitik im besonderen. Er wolle „aus der Sicht von außen etwas zur Analyse der Lage in Europa“ beitragen, meinte Fischer.

Und so beklagte er unter anderem mangelnde Zusammenarbeit der EU- Staaten in der Außen- und Sicherheitspolitik. Besonders im Streit über das Raketenabwehrsystem der USA müsse die Union geschlossen auftreten, mahnte er und warnte vor Spaltung und Bedeutungsverlust der EU gegenüber den USA, China oder Indien.

Die Rede zum Auftakt einer Ratssitzung der Europäischen Grünen war Fischers erster größerer Partei-Auftritt seit dem Bundestagswahlkampf 2005. Und allein der Ort der Veranstaltung - das voll besetzte Audimax der Humboldt-Universität - war symbolträchtig und offenbar einigermaßen bewusst gewählt worden: Vor fast genau sieben Jahren, am 12. Mai 2000, hatte der damalige Außenminister am selben Ort seine „persönlichen Zukunftsvisionen“ zu Europa zu Protokoll gegeben. Und damit beträchtlichen Wirbel auf dem EU-Parkett ausgelöst.

Von einem „Gravitationszentrum“ hatte Fischer damals gesprochen, einer Gruppe von Staaten also, die bei der politischen Integration rascher vorangehen könnte als andere. Eine „politisch bewusste Neugründung Europas“ regte er an und gab als Ziel den Übergang vom Staatenverbund der Union hin zur vollen Parlamentarisierung in einer Europäischen Föderation aus. Und er forderte umfangreiche Reformen.

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