Spekulationen über Rücktritt des nordkoreanischen Diktators
Kim Jong Il - der Halbgott als Bösewicht

Im Streit um die nordkoreanischen Atomwaffen ist Diktator Kim Jong Il eine mythenumrangte Schlüsselfigur. Im Ausland wird er als Bösewicht gefürchtet, im Inland als eine Art Halbgott verehrt.

HB SEOUL. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il legt sich seit langem mit der Supermacht USA an, deren Präsident George W. Bush Nordkorea einmal zusammen mit dem Vorkriegsirak und Iran in eine Achse des Bösen eingereiht hatte. Kims Atomprogramm hält nicht nur die Region, sondern mittlerweile die ganze Welt in Atem. Nach der Logik Kims ist ein Atomwaffenarsenal die einzige Sicherheit dafür, dass die USA sein Land nicht angreifen.

In ausländischen Medien wird Kim zum Teil dämonisiert, im eigenen Land wird er als eine Art Halbgott verehrt. Für viele bleibt Nordkoreas Machthaber eine rätselhafte Erscheinung. Über kaum einen anderen Herrscher in der Welt gibt es so wenig verlässliche Informationen wie über Kim, der am kommenden Mittwoch seinen 63. Geburtstag begehen wird. Das meiste, was die Außenwelt über den öffentlichkeitsscheuen Kim weiß, stammt aus der schier unerschöpflich erscheinenden Propagandamühle Pjöngjangs.

Auch nach nunmehr einem Jahrzehnt an der Spitze des Staates im Norden der koreanischen Halbinsel lässt sich über seine Politik oftmals nur spekulieren. Auguren, die Kim und dem Regime ein baldiges Ende voraussagten, wurden bisher Lügen gestraft. Auch der wirtschaftliche Ruin des Landes, Hungerkrise und die jahrelange Isolation Pjöngjangs hat Kim bisher überstanden. Über mögliche Zeichen eines beginnenden Machtverlustes wie etwa die Beseitigung von Porträts mit dem Abbild Kims gab es zuletzt widersprüchliche Berichte.

Die Spekulationen betreffen jedoch in wachsendem Maße auch die Frage der Nachfolge Kims an der Machtspitze. Im zentralen nordkoreanischen Rundfunk hieß es im Januar, Kim sei bereit, den Willen seines Vaters und früheren Staatschefs Kim Il Sung zu erfüllen, die Macht an Vater und Enkel zu übertragen. Das seien Anzeichen dafür, dass Kim einen seiner drei Söhne auf die Nachfolge vorbereitet, meinen Beobachter. Kim trat nach dem Tod seines Vaters 1994 die Nachfolge in der ersten kommunistischen Dynastie an.

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