Spekulationen um Kopfgeld
Top-Terrorist Sarkawi wurde verraten

Der bei einem US-Angriff im Irak getötete jordanische Topterrorist Abu Mussab el Sarkawi wurde von seinen eigenen Leuten verraten. Die Fahnder hätten über einen Zeitraum von drei Wochen zahlreiche Tipps erhalten, sagte der amerikanische Militärsprecher William Caldwell. Nun mehren sich die Spekulationen um die Zahlung des Kopfgeldes.

HB BAGDAD. Einen alles entscheidenden Informanten gab es nach Caldwells Angaben aber nicht. Ob das Kopfgeld in Höhe von 25 Millionen Dollar für Hinweise auf el Sarkawi ausgezahlt wird, wollte Caldwell nicht sagen. Derweil erklärte der untergetauchte Taliban-Führer Mullah Omar, er sehe im Tod el Sarkawis keine Schwächung der islamistischen „Widerstandbewegung“. Im Irak blieb eine befürchtete Welle von Vergeltungsanschlägen bis Freitagnachmittag aus.

In Washington ist mit der Tötung el Sarkawis die Debatte über den Zeitpunkt der Truppenreduzierung im Irak neu entbrannt. Das Thema steht am Montag und Dienstag auf einer schon vorher geplanten Klausurtagung des „Kriegskabinetts“ um Präsident George W. Bush, dem auch die engsten Militärberater des Präsidenten angehören, auf dem Landsitz Camp David. Demokraten forderten nach dem Tod el Sarkawis, die Pläne für den Abzug voranzutreiben. Doch haben Militärplaner nach Informationen der „New York Times“ schon nach den Wahlen im Irak geäußerte Hoffnungen gedämpft, die Zahl der US-Soldaten könnte bis Ende dieses Jahres von 130 000 auf 100 000 reduziert werden. Anhaltende Gewalt lasse das nicht zu.

Die Bundesregierung stellte erneut klar, dass sie auch drei Jahre nach dem Irak-Krieg keine Soldaten in das Zweistromland schicken wird. Deutschland unterstütze den Aufbau der Demokratie im Irak im humanitären Bereich und leiste Ausbildungshilfe für irakische Polizisten und Soldaten außerhalb des Landes. Nach einem Zeitungsbericht hatten die USA Ende 2005 erneut um ein militärisches Engagement Deutschlands im Irak gebeten.

Sarkawi lebte noch

In Bagdad bestätigte Militärsprecher Caldwell, dass el Sarkawi nach der Bombardierung eines Hauses bei Bakuba am Mittwochabend als einziger für kurze Zeit überlebte. Er habe noch gestöhnt und vor sich hin gemurmelt, doch seien seine Worte nicht zu verstehen gewesen. Irakische Polizisten, die als erste in das Haus eindrangen, hätten ihn auf eine Krankentrage gelegt. Er sei innerhalb von Minuten gestorben, als US-Soldaten mit der medizinischen Versorgung beginnen wollten.

Für die Städte Bakuba und Bagdad verhängte die irakische Regierung am Freitag ein Fahrverbot, um mögliche Vergeltungsanschläge von Sarkawi-Anhängern zu verhindern. In einer in Pakistan verbreiteten Erklärung schreibt der untergetauchte Taliban-Führer Mullah Omar: „Der von el Sarkawi begonnene Kampf ist eine Volksbewegung, und jeder Jugendliche hat das Potenzial, el Sarkawi zu werden.“ Solche Vorkommnisse würden „den anhaltenden Kampf gegen die Kreuzritter in Afghanistan und in anderen Teilen der Welt nicht schwächen“.

Östlich von Bagdad entdeckte die Polizei die Leichen von 20 Zivilisten. Die an den Händen gefesselten Mordopfer seien erschossen worden, hieß es aus Polizeikreisen. Südlich von Kirkuk fand die Polizei die Leiche eines weiteren ermordeten Zivilisten, der entführt worden war. Nach Angaben der Gerichtsmedizin in Bagdad sind seit Jahresbeginn im Irak schon über 6000 Menschen tot aufgefunden worden, von denen die meisten von Extremisten auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer anderen Religionsgruppe erschossen wurden.

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