Spekulationen um Machtkampf im Kreml
Litwinenko-Mord wird immer rätselhafter

Die Affäre um den vergifteten Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko nimmt immer größere Ausmaße an. Bei den Untersuchungen ermittelt die Polizei in verschiedene Richtungen. Die meisten Beobachter vertreten aber inzwischen die Meinung, Litwinenko sei ebenso wie zuvor die regierungskritische Journalistin Anna Politkowskaja indirektes Opfer eines Machtkampfs im Kreml geworden.

HB LONDON. Die Affäre um den vergifteten Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko nimmt immer größere Ausmaße an. Die radioaktive Substanz Polonium 210, an der Litwinenko starb, wurde nach Angaben von Scotland Yard inzwischen an sieben verschiedenen Orten in London entdeckt. Darunter ist auch ein Büro des russischen Milliardärs Boris Beresowskij, der in Großbritannien im Exil lebt. Beresowskij gilt als erbitterter Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Nach Presseberichten hat er Litwinenkos Unterhalt mitfinanziert. Auch Mario Scaramella, die italienische Kontaktperson Litwinenkos, begab sich in Behandlung. Der Kreml-Kritiker war am Donnerstag in London gestorben.

Die russische Atombehörde Rosatom hat bislang keine Hinweise auf die Herkunft des Giftes. In Russland gebe es nur einen Polonium-Hersteller, dessen Produktion strenger Kontrolle unterliege, sagte Rosatom-Chef Sergej Kirijenko. Ein Diebstahl sei unmöglich. Monatlich exportiere Russland etwa acht Gramm Polonium 210 zum Gebrauch in der Druck- und Farbenindustrie. Die Ausfuhr nach Großbritannien sei 2001 gestoppt worden. Polonium werde auch in Großbritannien und Kanada hergestellt.

Bei den Untersuchungen ermittelt die Polizei in verschiedene Richtungen. Nach Angaben von Innenminister John Reid wird derzeit „nichts“ ausgeschlossen. Inzwischen ist eine ganze Reihe von Verschwörungstheorien im Umlauf. Dazu gehört, dass Litwinenko auf Druck des Kremls ermordet wurde, um einen Putin-Kritiker auszuschalten. Es gibt aber auch Spekulationen, dass Beresowskij oder andere Kreml-Kritiker hinter dem mutmaßlichen Anschlag stehen könnten, um Putin in Misskredit zu bringen. Litwinenko hatte auf dem Totenbett seinen Ex-Geheimdienstchef Putin beschuldigt, ihn ermordet zu haben.

Die meisten Beobachter vertreten inzwischen die Meinung, Litwinenko sei ebenso wie zuvor die regierungskritische Journalistin Anna Politkowskaja indirektes Opfer eines Machtkampfs im Kreml geworden. Diese These vertreten sowohl Gegner als auch Anhänger von Putin. „Wir hassen Putin. Der Mann ist widerwärtig. Aber er ist nicht so dumm, den Tod Litwinenkos befohlen zu haben“, nimmt ein einflussreicher Emigrant den Präsidenten in Schutz. Die Mörder des Putin-Kritikers Litwinenkos seien sehr planmäßig vorgegangen. Sie hätten gewusst, dass der vergiftete Ex-Agent lange und schmerzhaft sterben würde – mit entsprechendem öffentlichem Echo.

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