Spende für umstrittenes Heiligtum
Japans Premier meidet Yasukuni-Schrein

Japans Ministerpräsident hat offenbar aus Rücksicht auf China auf den Besuch des umstrittenen Yasukuni-Kriegsschreins verzichtet. Shinzo Abe leistete stattdessen eine Spende an das Heiligtum.

HB TOKIO. Abe habe zum Frühjahrsfest im vergangenen Monat einen als heilig geltenden Masakaki-Baum gespendet, sagte eine Sprecherin der Gedenkstätte am Dienstag. Als Absender der Gabe sei „Der Ministerpräsident“ angegeben worden. Abe sei jedoch nicht persönlich erschienen, betonte sie. Japanischen Medien zufolge bezahlte der Premier den Baum mit einem Wert von 50 000 Yen (etwa 300 Euro) aus eigener Tasche. Vor seinem Amtsantritt im September hatte Abe den Schrein öffentlich selbst besucht.

China reagierte zurückhaltend auf die Geste Abes. „China und Japan haben sich bereits darauf geeinigt, dieses politische Hindernis in ihrer Zusammenarbeit zu überwinden. Diese Einigung sollte respektiert werden“, sagte die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums. Direkte Kritik blieb aus Peking allerdings aus. Südkoreas Außenministerium hingegen verurteilte die Gabe.

Am Yasukuni-Schrein werden Millionen von japanischen Kriegstoten geehrt, darunter auch Kriegsverbrecher. Japans Nachbarstaaten sehen den Schrein als Symbol für den Militarismus des Landes im Zweiten Weltkrieg. Abes Vorgänger Junichiro Koizumi hatte unbeirrt von massiver Kritik aus China an seinen Besuchen festgehalten, was zu Spannungen insbesondere mit China geführt hatte. Abe ist bemüht, die Beziehungen zu den Nachbarländern zu verbessern. Er hatte jedoch bisher offen gelassen, ob er als Ministerpräsident Yasukuni besuchen würde.

Experten bewerteten die Gabe des Baumes entsprechend als Kompromiss. „Grundsätzlich glaubt er, dass er nach Yasukuni pilgern sollte“, sagte Tomoyuki Kojima von der Keio-Universität. Das Schweigen über die Besuchspläne sei den chinesisch- japanischen Beziehungen geschuldet. Aus europäischen Diplomatenkreisen in Tokio verlautete, die Gabe sei für die Beziehungen vermutlich nicht schädlich. „Ich glaube, die Chinesen werden das wohl schlucken“, hieß es.

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