Spendenaffäre
Fahnder nehmen Blair ins Visier

In der britischen Parteispendenaffäre gerät jetzt auch Tony Blair unter Beschuss. Ein enger Vertrauter des Premiers wurde wegen seiner möglichen Verstrickung in die Filzaffäre verhört.

LONDON. Nach der Verhaftung von Blairs ehrenamtlichm Spendenbeschaffer und engem Vertrauten, Lord Michael Levy, wird im Londoner Spenden-Untersuchungsausschuss die Frage nach der politischen Zukunft des Regierungschefs laut.

Levy wurde am Donnerstag wegen seiner möglichen Verstrickung in die Filzaffäre zum zweiten Mal verhört. Diese war ins Rollen gekommen, nachdem das Komitee für die Ernennung von Mitgliedern des Oberhauses einige Nominierungen von Premier Blair mit der Begründung abgelehnt hatte, es handele sich um Kreditgeber der Labourpartei. Darunter war der wohlhabende „CurryKönig“ Gulam Noon. Ihn hatte Lord Levy Berichten zufolge aufgefordert, aus dem Nominierungsformular für das Oberhaus die Passage zu streichen, dass er Labour einen „Kredit“ über 250 000 Pfund gewährt hatte – auch um dem Verdacht vorzubeugen, dass Oberhaussitze käuflich sind.

Ans Tageslicht kam die Affäre, als Labours offizieller Schatzmeister im April völlig überraschend erklärte, der Wahlkampf 2005 sei mit Krediten in Höhe von elf Mill. Pfund finanziert worden, die nicht registriert wurden und von denen er nichts gewusst habe. Nur Blair, Levy und der Partei-Chairman Ian McCartney seien eingeweiht gewesen.

Der Untersuchungsausschuss veröffentlichte am Donnerstag einen Zwischenbericht zu der Affäre, in dem die „enge Beziehung zwischen Parteigeldgebern und der Verteilung von Ehrungen“ festgestellt wird.

Bisher lässt Scotland Yard offen, ob nach der Verhaftung von Lord Levy auch Blair verhört wird. Downing Street bereitet sich Berichten zufolge bereits auf einen Besuch der Polizei vor. „Das Wasser schwappt Tony Blair um die Füße“, kommentierte der Parteichef der schottischen Nationalisten, Alex Salmond. Es sei „undenkbar“, dass Levy etwas ohne Wissen und Zustimmung Blairs getan habe. Für die konservative Opposition sagte Schatten-Innenminister David Davis: „Die Polizei muss Blair verhören, denn er steht an der Spitze des Ehrensystems.“ Levy beteuerte am Donnerstag seine Unschuld und betonte, niemand habe Anklage gegen ihn erhoben.

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