Spielbank-Projekt: Ein europäisches Las Vegas für Spanien

Spielbank-Projekt
Ein europäisches Las Vegas für Spanien

Vor den Toren Madrids entsteht eine milliardenschwere Spielbankanlage. Die Befürworter erhoffen sich von dem als „Eurovegas“ bekannten Projekt tausende Arbeitsplätze. Kritiker rechnen hingegen mit Korruption.
  • 14

MadridEin europäisches Las Vegas wird vor den Toren Madrids gebaut. Das in spanischen Medien als „Eurovegas“ bezeichnete Spielbank-Projekt des US-Milliardärs Sheldon Adelson erhielt am Freitag die Zustimmung der zuständigen Regionalregierung. Madrid hatte den Vorzug vor Barcelona bekommen. Adelsons Kasino-Konzern Las Vegas Sands plant die Eröffnung des umstrittenen Komplexes für 2017. Befürworter freuen sich auf die Schaffung Tausender Jobs in dem von der Schuldenkrise gebeutelten Land, die Regierung spricht sogar von 250.000 Stellen. Kritiker zweifeln daran, dass die Spielbankanlage, die im Madrider Vorort Alcorcon entstehen soll, positive Auswirkungen auf die Wirtschaft haben wird. Sie rechnen vielmehr mit mehr Korruption, Prostitution und Umweltschäden.

Las Vegas Sands will nach eigenen Angaben zunächst 3,6 Milliarden Dollar investieren, um das Projekt anzuschieben. Insgesamt will das Unternehmen 35 Prozent der Bauausgaben übernehmen. In den USA steht der Konzern im Visier der Strafverfolgungsbehörden. Unter anderem wird gegen den Chef des China-Geschäfts ermittelt. Gegen Adelson selbst, mit 22 Milliarden Dollar Vermögen die Nummer 16 unter den weltweit reichsten Männern, gibt es keine Ermittlungen.

Kommentare zu "Ein europäisches Las Vegas für Spanien"

Alle Kommentare
  • Es ist ein Wahnsinn zu glauben, dass man mit einem nachweislich gescheiterten Geschäftsmodell in Spanien einen volkswirtschaftlich nachhaltigen Nutzen wird erzielen können ! Vielmehr dient dieses Megaprojekt in einem Land, wo die Masse der Bevölkerung schlicht keinen Centimo zu verschenken hat, in erster Linie dazu, ein paar “gute Bekannte” aus der Bauindustrie mit Aufträgen und Pöstchen zu ver- und ein paar übrig gebliebene Steuermilliarden zu entsorgen - Hauptsache, alles läuft so weiter wie bisher, man braucht nix Grundsätzliches zu ändern…andere zahlen ja schließlich für diesen kurzsichtigen Unsinn !

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kasino-projekt-euro-vegas-bei-madrid-us-milliardaer-baut-las-vegas-in-der-spanischen-wueste-nach-1.1463703

    Übrigens: ein kleines Mittelmeerland, das vor gut dreißig Jahren ebenfalls kaum mehr als Gurken, Paprika und Zitrusfrüchte zu exportieren hatte, bringt es u.a. dank konsequent hoher Investitionen in Bildung und Forschung (über 7 % am BIP), einer intensiven weltweiten Vernetzung und einer nachhaltigen Orientierung an neuen Technologien und Geschäftsmodellen inzwischen auf 60 NASDAQ-Notierungen (das sechsmal größere Spanien auf ganze neun, die zudem durchweg bankenlastig sind):

    http://www.nasdaq.com/screening/companies-by-region.aspx?region=Middle+East&country=Israel

    http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Israeli_companies_quoted_on_the_Nasdaq

    http://www.nasdaq.com/screening/companies-by-region.aspx?region=Europe&country=Spain

    Und wo ist das neue Geschäftsmodell für die Iberer ? Wovon wollen denn Spanier und Portugiesen, Griechen und Italiener in zwei, fünf, sieben Jahren leben...? Von Spielhöllen, Großflächenlandwirtschaft und Tourismus ? Welche Weichen müssen südeuropäische Politiker jetzt stellen und dabei idealerweise die jeweilige Bevölkerung mitnehmen ?

    "Food for thought !"

  • Korruption scheint mittlerweile gesellschaftsfähig. Da ist ein spanisches Vegas mit Mitteln aus der EU nur folgerichtig.

    Eine Million Menschen fordern Rajoy's Rücktritt.

    http://www.format.at/articles/1306/931/352109/eine-million-menschen-rajoy-s-ruecktritt

    Wegen der Korruptionsvorwürfe gegen die konservative Regierungspartei PP in Spanien haben mehr als eine Million Bürger in einer Online-Petition den Rücktritt von Regierungschef Mariano Rajoy und vorgezogene Neuwahlen gefordert.

    Na so fügt sich wieder mal eins zum anderen. Stöbern muss man allerdings - wie üblich - ein wenig in ausländischen Medien.

  • Mag sein, nur wer soll dort Kunde werden? Südeuropa hat kein Geld zum verspielen (wenn doch, dann verstehe ich ESM,ESFM & EZB) nicht. Den Briten geht es (angeblich?) auch schlecht. Der deutsche Mittelstand ist am Rande seines leistbaren. Also es kommen (vielleicht) ein paar verrückte Schweden und (ganz sicher) etliche EU-Beamte aus Brüssel. Aus der Beamtenbürokratie-Perspektive ist das ja auch ein Abenteuerausflug. Und die 100.000 frisch angeheuerten Bediensteten machen es ihnen dann bestimmt auch ein bißchen nett.

  • So,so man will 3,6 Mrd "eigene" Mittel einsetzen.Das sollen 35% sein.Alsokostet das Ganze nach Adam Riese 10 Mrd.Ganz schönes Sümmchen.Und dann sollen dort auch noch tausende Arbeitsplätze entstehen.Das kostet ganz schön Betriebskosten auch wenn das nur Billigjobs sind.
    Die Frage nach Korruption stellt sich nicht wirklich ,die haben wir schon auch ohne Las Vegas.
    Vielmehr stellt sich die Frage wo sollen die Nutzer herkommen,deren Ausgaben das Ganze schließlich in Betrieb halten müssen.Wo sind die jetzt ? Zuhause?
    Interessant wäre auch wer die restlichen 65% bezahlt? Doch hoffentlich nicht der german Steuerzahler ??
    Das wäre eine wichtige Information gewesen,die das Handelsblatt vergessen hat.Hoffentlich doch wohl nicht absichtlich?

  • 35% werden vom Investor übernommen- wer zahlt den Rest ????

  • Ja, mit so komplizierten mathematischen Aufgaben kommt Herr Rajoy nicht so gut klar.
    Man rechnet mit hunderttausenden von Arbeitsplätzen. Hört sich doch gut an. Werden auch zu 90% gut ausgebildete Fachkräfte sein, die sich dort als Kellner und Zimmermädchen im Schichtdienst für 800Euro brutto abrackern. Wenigstens die jungen und hübschen unter ihnen können aber bestimmt noch ein paar Euro schwarz dazu verdienen, wenn sie den betuchten Kunden beim ausziehen helfen. Bettler haben keine Wahl. Spanien ist pleite und jede Aussicht auf einen Job wird ist ein Lichtblick, auch wenn man dafür seine Seele hergeben muss.


  • Spanien steht Deutschland in nichts nach.

    Seit Rot/Grün für seine Mafiafreunde die Glücksspieldose im Jahr 2000 aufstellte, darf die internationale Mafia in jeden Kaff sein Geld waschen, Aufenthaltsgenehmigungen einholen , während staatliche Spielbanken ins Defizit schleudern.

    Bei der ansich schon in Spanien etablierten Mafia spielt dies obskure Investition ( wo bleiben die EU Regionalfördermittel ? ) keine Rolle.

    Das Ding wird mit EU Steuergeld hochgezogen!!!. Grenzenloser Wahnsinn.
    Kein Wunder, wenn der linksrheinische Buchhändler nach mehr Geld schreit. Recht hat er.

  • "Es ist eine Schande, dass man nun wieder öffentliche Frei- und Grünflächen zubetonieren will."

    Jo, dann doch besser Fracking, Regenwald abholzen, Minenarbeiter erschießen, Krebs beim Jeans produzieren etc.
    Spanien hat doppelt soviel mehr Fläche als Deutschland und die Hälfte an Einwohnern. Das geplante Baugebiet ist jetzt faktisch eine Wüste.
    Egal wie man nun zum Glücksspiel stehen will, es muß eigentlich nicht wirklich sein, aber solange die Menschheit so blöde ist, sich Prohibitionen und Drogenhandel zu leisten, ist mir eine öffentlich kontrollierte Spielhölle als Wirtschaftsfaktor allemal lieber.
    Die "kleinen Leute" brauchen ja auch was zum spielen :), und zum Geld waschen.
    Die anderen Wirtschaftkafoktoren wurden doch schon lange von deutschen und anderen "Investoren" abgegriffen und zementiert.

  • Zitat: "Las Vegas Sands will nach eigenen Angaben zunächst 3,6 Milliarden Dollar investieren, um das Projekt anzuschieben. Insgesamt will das Unternehmen 35 Prozent der Bauausgaben übernehmen."
    Wenn dann so ist wer übernimmt den restlichen 65% Baukosten?
    Ich habe einen Verdacht: Die Spanische Regierung, die knapp bei Kasse ist. Na ja durch die EU-Strukturen werden die dummen Deutschen das ganze irgendwie ausgleichen. Anschließend werden die Spanische Bevölkerung, die unter hoher Arbeitslosigkeit und niedrigen Löhnen leidet den Umsatz des Kasinos ankurbeln. Ich wüsste nicht wie das Kasino seine 35% und die 65% Baukosten der Spanischen Regierung wieder rein holen will. das sind immerhin astronomische Milliarden.

  • Es ist eine Schande, dass man nun wieder öffentliche Frei- und Grünflächen zubetonieren will. Bleibt zu hoffen, dass die Madrider gegen diese Umweltzerstörung und Verschandelung stadtnaher Naherholungsgebiete auf die Barrikaden gehen.

Serviceangebote