Spionageaffäre
Einfach aussitzen

In den USA stößt die Spionageaffäre auf wenig Interesse. Außer ein paar Politfloskeln von Senatoren ist dazu nicht viel zu hören. Die Amerikaner können die Wut in Deutschland nicht verstehen.
  • 12

San FranciscoAuch am Donnerstag zeigte sich das politische Amerika weitgehend unbeeindruckt von den Spionageskandalen in Deutschland. Der Rauswurf des Top-Repräsentanten des Geheimdienstes CIA aus Deutschland schaffte es kaum als Kurzmeldung in die TV-Nachrichten. Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte das bekannt vorkommen: Die USA wollen offenbar die Krise um zwei angebliche US-Spione und die damit verbundenen Anfeindungen schlicht auszusitzen. Mit dieser Taktik waren schon andere erfolgreich, nicht zuletzt Altbundeskanzler Helmut Kohl.

Jetzt bekommt Merkel die kalte Schulter des Ignorierens zu spüren. Amerika hat andere Probleme. Da sind zehntausende Kinder die, illegal und ohne Eltern in der Hoffnung auf ein besseres Leben über die Grenzen nach Amerika geschickt wurden, und jetzt in traurigen Auffanglagern sitzen. Da sind Republikaner, die den Präsidenten verklagen wollen, das Pulverfass Israel droht zu explodieren und die Trümmer der Irak-Politik fliegen den USA gerade um die Ohren.

Da bleibt gerade mal genug Zeit für deutsche Empfindlichkeiten um ein paar Politfloskeln in die Runde zu werfen. Pflichtschuldig, wenn auch spät,  zeigten die demokratische Senatorin Dianne Feinstein, Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses des US-Senats, und ihr republikanisches Gegenstück, Saxby Chambliss am Donnerstag zumindest ansatzweise Verständnis für die Frustration und die Verärgerung der deutschen Seite. Sie sei „tief beunruhigt“, ließ Feinstein wissen, ohne aber genau zu sagen, warum. Chambliss bemühte historische Vergleiche: Er könne sich nicht erinnern, wann jemals ein Bürochef der CIA aus einem Gastland ausgewiesen worden sei. Üblicherweise arbeiten die Büroleiter des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes mit den Geheimdienstchefs der verbündeten Länder zusammen und koordinieren gemeinsame Aktionen. Man ist ja eigentlich auf derselben Seite.

Das Weiße Haus versucht indirekt Betroffenheit durchsickern zu lassen, ohne sich wirklich äußern zu müssen. „Sie sollen nicht glauben, dass wir das auf die leichte Schulter nehmen“, versichert Regierungssprecher Josh Earnest. Allerdings könne er zu Geheimdienstbelangen eben nichts sagen. Peinlich genug ist es ja: Gleich zwei aufgedeckte Fälle im BND und Verteidigungsministerium hintereinander, das sieht gar nicht gut aus und lässt eigentlich nur eine Frage offen: Und wer noch?

Kommentare zu " Spionageaffäre: Einfach aussitzen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Einmal angenommen die USA zeigen ihren guten Willen und holen den CIA Mitarbeiter in die USA zurück. Es kommt dann ein anderer und macht so weiter wie sein Vorgänger. Wahrscheinlich wird man vorsichtiger beim Ankauf von Material vorgehen.

  • Als "Altbürger" der BRD war ich gegenüber Amerika immer schon ein wenig vorsichtiger als Andere.
    Aber Spionage bleibt Spionage und muß strafrechtlich verfolgt werden, und zwar mit aller Konsequenz.
    Wer solche Freunde hat, braucht den Feind nicht zu fürchten.
    Die große Frage aber lautet:
    Wozu unterhalten wir einen MAD mit ca. 1200 hochbezahlten Beamten und Mitarbeitern?
    Der Schlaf am Arbeitsplatz ist offensichtlich sehr gesund.
    Hauptsache die DFB-Elf wird Fußballweltmeister.
    Zitat von Ralph Giordano:
    Ich war dem Irrtum unterlegen, die Feinde meiner Feinde
    müssten meine Freunde sein.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%