Spionageprogramme
Snowden steckt in einer Sackgasse

Für den Geheimnisverräter Edward Snowden wird es eng. Denn Russland scheint eine Auslieferung an die USA nicht mehr auszuschließen. Derweil berichten Zeitungen über weitere Spähaktionen der Geheimdienste.
  • 9

Moskau/LondonDie britische Zeitung „The Guardian“ gab am Donnerstag weitere Einblicke in den US-Sicherheitsapparat: Die Obama-Regierung habe bis 2011 die Internetdaten von US-Bürgern gesammelt, zeigen Dokumente. Damit setzte sie ein Spionageprogramm fort, das unter Obamas Amtsvorgänger George W. Bush begonnen wurde.

Aus den Dokumenten, aus denen „The Guardian“ zitierte, geht hervor, mit wem US-Bürger E-Mails austauschten und wie die IP-Adresse ihres Computers lautete. Ein Sprecher des Nationalen Geheimdienstdirektors der USA bestätigte den Zeitungsbericht. Das Programm der Nationalen Sicherheitsbehörde (NSA) sei nach einer Überprüfung aus „betriebsbedingten Gründen und Ressourcengründen“ eingestellt worden, sagte der Sprecher Shawn Turner. Nach Angaben Turners wurde das Programm seitdem nicht fortgesetzt. Laut „Guardian“ geht die Sammlung von Daten aber zumindest teilweise weiter.

Es ist nur eine weitere Nachricht in einer Welle von Enthüllungen, die Edward Snowden, der ehemalige IT-Analyst der NSA losgetreten hat. Doch die Aufmerksamkeit ruht mittlerweile auf ihm: Offiziellen russischen Meldungen zufolge, befindet sich Snowden noch immer im Transitbereich des Moskauer Flughafens.

Dort sei er in einer Sackgasse, sagten Insider der Nachrichtenagentur Interfax. Russland warte auf einen offiziellen Auslieferungsantrag der USA, meldete die Agentur am Donnerstag unter Berufung auf einen nicht näher bezeichneten Informanten, der mit der Lage vertraut sei. Washington will Snowden hinter Gittern sehen, weil er geheime Lauschsysteme öffentlich gemacht hat.

Bisher hätten Russen und Amerikaner nur auf diplomatischer Ebene gesprochen. Es gebe lediglich eine inoffizielle Bitte, den 30-Jährigen festzunehmen und zu überstellen. „Das ist keine Grundlage für irgendwelche ernsthaften Schritte von russischer Seite – vor allem mit Blick auf die bilateralen Beziehungen, um die es gegenwärtig nicht zum besten bestellt ist“, sagte der Informant.

Das südamerikanische Land Ecuador hat bestätigt, dass der Amerikaner einen Asylantrag gestellt habe. Um als politischer Flüchtling anerkannt zu werden, müsse Snowden allerdings auf dem Boden Ecuadors sein. Das könnte auch die Botschaft des Landes in Moskau sein. Dafür müsste der US-Bürger die russische Grenze übertreten – mit einem Pass samt Visum. Doch Snowdens Pass wurde Berichten zufolge vor einigen Tagen von den USA annuliert.

Moskauer Politiker und Menschenrechtler haben vorgeschlagen, dass Snowden in Russland um Asyl bittet.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Spionageprogramme: Snowden steckt in einer Sackgasse"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Julian Assange ist Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, die unter anderem geheime Dokumente der US-Armee und Behörden veröffentlichte. Im Herbst 2010 wurde gegen ihn in Schweden Anklage wegen Vergewaltigung erhoben"

    Das ist falsch, es gibt KEINE Anklage gegen Assange wegen Vergewaltigung. Es gibt lediglich eine dahingehende Untersuchung auf deren Basis dann unter Umständen eine Anklage erhoben werden könnte...!

    Suchen Sie sich aus wofür sie die journalistische Note 6 bekommen wollen: Für mangelhafte Recherche oder für tendenziöse Berichterstattung.

  • Wieso Sackgasse? Er hat doch einen Internetzugang, oder etwa nicht?Also muss man nur mal kurz die amerikanischen Server hacken, den eigenen Pass wieder freischalten und ein paar Prepaid Kreditkarten unter falschem Namen auflegen. Bei Jerry Cotton wäre das zumindest so, dass die Chinesen da kurz mal helfen.

    Aber hat schon mal jemand drüber nachgedacht, dass der Fake ist, das er in Moskau sein soll? Ich wär wohl eher nicht über Moskau geflogen, hätte aber sicher auch so eine Spur gelegt neben Kuba. Frage mich wer der liebe Helfer war, der als Snowden in Moskau ankam und dann verschwand, während Snowden mit dem anderen Pass abflog. Alle guten Dinge sind eben drei. Mein Pass, Dein Pass, austauschbar, der RFID-Chip geht schnell mal kaputt. Starkes Magnetfeld genügt, jede Lautsprecherspule kann das. Mikrowelle zu nehmen ist dagegen Käse weil Brandgefahr.


  • Zitat : Snowden steckt in einer Sackgasse

    - da werden die Amis den Russen bestimmt einen SEHR LUKRATIVEN KUHHANDEL angeboten haben :

    einen Tausch von Snowden gegen in USA festgenagelten Russenagenten !

    Wenn die Russen klein beigeben, werden sie weltweit eine Verachtungswelle erfahren !

    Die sollten Snowden ganz einfach weiterziehen lassen !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%