Spionageskandal
Schwedens Opposition zittert um sicher geglaubten Wahlsieg

Die Gesichtszüge von Fredrik Reinfeldt wirken ungewohnt angespannt. Der Vorsitzende der größten bürgerlichen Oppositionspartei – und bei einem Wahlsieg seiner Allianz für Schweden nächster Regierungschef – wirkt nervös.

STOCKHOLM. Der kahlgeschorene Kopf glänzt, und es sind nicht nur schweißtreibende Scheinwerfer, die ihm zu schaffen machen. Sein Kontrahent, Schwedens Regierungschef, der Sozialdemokrat Göran Persson, strahlt dagegen mit den eingeladenen Partei-Claqueuren um die Wette. Selbstsicher, selbstgefällig, wie seine Kritiker unken, thront er im Studio. Soeben hat das erste von drei Fernsehduellen zwischen den Spitzenkandidaten für die Parlamentswahlen in Schweden am 17. September stattgefunden.

Die Nervosität von Reinfeldt, der bis vor kurzem mit seiner Allianz aus seinen Konservativen, den Liberalen, den Christdemokraten und der bäuerlichen Zentrumspartei in allen Meinungsumfragen führte, hat einen Grund: Nur wenige Tage vor den Wahlen erschüttert ein Spionage-Skandal das Land. Mitglieder der Liberalen hatten sich illegal Zugang zum internen Computernetz der Sozialdemokraten verschafft und geheime Strategiepapiere der Regierungspartei ausspioniert. Der Vorsitzende der Liberalen, Lars Lejonborg, sprach einsichtsvoll von einem neuen „Niedrigwasserstand“ der Politik und entschuldigte sich persönlich bei Persson.

Der allerdings entgegnete, er würde „nicht einmal mehr einen Gebrauchtwagen von Lejonborg kaufen“. Tatsächlich hatte Lejonborg verschwiegen, dass er und sein Generalsekretär über die Hacker-Praktiken einiger Liberaler seit langem informiert waren. Mehrere Köpfe sind seitdem gerollt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Und auch Lejonborg selbst steht unter Druck, hat er sich doch in Widersprüche verstrickt, wann er von den illegalen Praktiken erfahren hat.

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