Spionageverdacht
Deutsche Reporter gestehen im iranischen TV Fehler ein

In Interviews mit dem iranischen Staatsfernsehen haben zwei wegen Spionageverdachts inhaftierte deutsche Journalisten eingeräumt, von einer Aktivistin in Deutschland angestachelt worden zu sein. Die Reporter wollten die Familie der zum Tode verurteilten Sakineh Mohammadi Aschtiani befragen. Unklar ist allerdings, wie freiwillig diese Äußerungen getroffen wurden.
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HB TEHERAN/BERLIN. Das iranische Fernsehen hat Interviews mit zwei wegen Spionage festgenommenen deutschen Journalisten und einer zum Tod durch Steinigung verurteilten Frau gezeigt, in dem alle drei Fehler einräumen. Das Staatsfernsehen berichtete, die im Oktober festgenommenen Deutschen hätten zugegeben, sie seien von einer Aktivistin in Deutschland angestiftet worden, um die Familie von Sakineh Mohammadi Aschtiani zu interviewen.

Einer der Deutschen wird mit den Worten zitiert, er wolle gegen die Aktivistin Beschwerde einreichen, sobald er zurück in Deutschland sei. Der andere fügte hinzu, er sei von der Aktivistin getäuscht worden. Die Gesichter der Deutschen waren deutlich zu sehen, während in dem Interview mit Aschtiani deren Gesicht unkenntlich gemacht worden war. Ihre Aussagen wurden nach Angaben des staatlichen Fernsehens aus einem türkischen Dialekt in Farsi übersetzt. Das Urteil gegen die 43-jährige verurteilte Ehebrecherin löste internationale Proteste aus. Die Hinrichtung wurde ausgesetzt, während der Oberste Gerichtshof den Fall überprüft.

Der Iran hat in der Vergangenheit wiederholt die Arbeit iranischer Oppositionsgruppen in Deutschland kritisiert. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Montag, die Berichte würden geprüft.

Die in Deutschland lebende iranische Menschenrechtsaktivistin Mina A. wies die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück. „Ich denke, die beiden Deutschen waren unter Druck“, sagte sie der Nachrichtenagentur AP. Vielleicht sei den beiden die Freilassung versprochen worden, wenn sie alle Schuld auf sie abwälzten, vermutete die Exiliranerin. Sie habe nicht alles organisiert und die zwei Deutschen in den Irak geschickt, ohne sie auf die Gefahren dort hinzuweisen, sagte Ahadi. Die beiden hätten sie angerufen, weil sie einen Kontakt zu Aschtianis Familie wollten.

Sie habe Informationen, dass Aschtiani sehr viel geschlagen worden sei, sagte die Aktivistin weiter. Das iranische Regime setze seit 30 Jahren Menschen unter Druck, um sie zu falschen Geständnissen zu treiben.

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  • Wer kann Aussagen von Gefangenen glauben, wenn sie in einem Land, in dem Folter an der Tagesordnung ist, gemacht werden.
    Das arme iranische Volk kann sich seine Freiheit nur erkämpfen.

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