Spitzelpolitiker
Abhörskandal in Chinas Parteispitze

Mehrere Telefonate von Staats- und Parteichef Hu Jintao und anderen chinesischen Spitzenpolitikern sollen abgehört worden sein. Hinter dem Spitzelskandal soll ein politischer Konkurrent stecken.
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PekingEnge Mitarbeiter des abgesetzten chinesischen Spitzenpolitikers Bo Xilai haben nach einem Zeitungsbericht das Telefon von Staats- und Parteichef Hu Jintao abgehört. Bo Xilai habe auch die Gespräche anderer führender Politiker abhören lassen, berichtete die „New York Times“. Ein Team um Bo Xilais Polizeichef Wang Lijun habe etwa im August vergangenen Jahres ein Gespräch zwischen Präsident Hu Jintao und Ermittlern der Anti-Korruptionsbehörde in der südwestchinesischen Region Chongqing mitgehört, berichtete die Zeitung unter Berufung auf mehrere Quellen „mit Verbindung zur Partei“. 

Im März dieses Jahres war Bo Xilai als Chef der Kommunistischen Partei in der Region Chongqing abgesetzt worden. Am 11. April verlor er seinen Sitz im Politbüro der Partei, während seine Frau Gu Kailai am gleichen Tag unter Mordverdacht festgenommen wurde. Ihr wird vorgeworfen, einen britischen Geschäftspartner der Familie, Neil Heywood, im November vergangenen Jahres ermordet zu haben. Die „New York Times“ berichtete weiter, die Ermittlungen im Fall Heywood wurden veranlasst, weil die Abhöraktion gegen den Staatspräsidenten aufgeflogen sei. 

Bo Xilai galt eine Zeit lang als Kandidat auf führende politische Ämter in Peking. Er war vor seiner Absetzung eine Galionsfigur der altkonservativen Linken in der Partei, die sich dem Kurs der marktorientierten Reformer widersetzen. Bo Xilai ist der Sohn des legendären Revolutionsführers Bo Yibo, der zu den „acht Unsterblichen“ der Kommunistischen Partei Chinas gehört.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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